Ministerin erteilt Genehmigung zur Jagd auf 128 Wale Skip to content
Photo: Hard to Port.

Ministerin erteilt Genehmigung zur Jagd auf 128 Wale

Die isländische Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, hat Islands einzigem kommerziellen Walfangunternehmen Hvalur hf eine Genehmigung für die Jagd auf 128 Finnwale erteilt. Die Lizenz ist auf ein Jahr beschränkt. In der Region Grönland/Westisland dürfen 99 Wale, in der Region Ostisland/Färöer dürfen 29 Wale gejagt und erlegt werden.
Die Entscheidung über die Quote basiert auf Empfehlungen des Meeresforschungsinstitutes (Hafró) aus dem Jahr 2017 und berücksichtigt konservatorische Ökosystemfaktoren der Internationalen Walfangkommission. Die Entscheidung basiert ausserdem auf einem Vorsorgeansatz und spiegelt den verstärkten Fokus der Regierung auf eine nachhaltige Resourcennutzung wider, heisst es in einer Erklärung der Regierung.

Walfang nach gleichen Regeln
Die Ministerin betonte nach Ende der Kabinettssitzung, dass die Entscheidung, den Walfang in diesem Jahr zu erlauben, weder ihren eigenen Überzeugungen noch denen ihrer Partei entspreche. Sie sei dem Gesetz gefolgt, gibt aber zu, dass die Entscheidung durchaus Auswirkungen auf die Unterstützung ihrer Partei haben könnte. Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir ist Mitglied der Linksgrünen Bewegung. Premierminister Bjarni Benediktsson zeigte sich mit der Entscheidung seiner Ministerin zufrieden.
Eine Änderung des Walfanggesetztes aus dem Jahr 1949, das schon Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir als völlig veraltet bezeichnet hatte, müsse Bjarkey zufolge im Parlament erfolgen. RÚV gegenüber sagte sie, Island als Land und Nation müsse darüber nachdenken, ob es mit dem Walfang wirklich weitermachen wolle.

Für die Jagd auf Finnwale gelten die gleichen Regelungen wie im vergangenen Jahr, die von Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir seinerzeit verschärft worden waren. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte Vorschläge zu einer weiteren Verschärfung vorgelegt. Nach Bjarkeys Angaben werden diese Vorschläge im Ministerium geprüft, einen Einfluss auf die Erteilung der Jagdlizenz hätten sie jedoch nicht.

Tierquälerei auf offiziellem Video
Seit im letzten und vorletzten Jahr Videoaufnahmen von stundenlangen Todeskämpfen erlegter Wale öffentlich wurden, war der Druck auf die Regierung von beiden Seiten – Walfanggegner und Walfangunterstützer – gewachsen. Bjarkeys Vorgängerin Svandís Svavarsdóttir hatte für die Saison 2022 verfügt, dass sich an Bord eines jeden Walfangschiffes eine Aufsichtsperson der Fischereibehörde befinden muss, die alle Jagden bildlich dokumentiert.
Auf Grund dieser Dokumentation stellte sich heraus, dass längst nicht jeder Harpunenschuss den erbeuteten Wal sofort tötet, und so mancher Wal quälte sich stundenlang oder musste bis bis zu viermal beschossen werden, bis er endlich verendete. Nachdem im vergangenen September bewiesen werden konnte, dass das Tierschutzgesetz verletzt wurde, hatte MAST eins der beiden Walfangschiffe stillgelegt. Das andere Schiff durfte weiterjagen.
Heimildin hatte im letzten Jahr herausgefunden, dass das Walfangunternehmen Hvalur hf. dauerhaft mit Verlusten betrieben wird und dass ein grosser Teil der Walfleischprodukte in isländischen Gefrierkammern lagere.

Bevölkerung gegen Walfang
In einer Umfrage von 22. Mai hatten sich 49 Prozent der Bevölkerung gegen den Walfang ausgesprochen, 35 Prozent waren dafür, und 16,5 Prozent hatten keine Meinung.
Eine Beschwerde die der isländische Naturschutzbund der EFTA-Regulierungsbehörde ESA vorgelegt hatte, war mit der Begründung abgelehnt worden, eine Lizenzerteilung verstosse nicht gegen europäisches Recht. Die geäusserten Tierschutzbedenken wurden abgeschmettert, weil sich Verordnungen des EU-Vertrages nicht auf grosse Meeressäuger beziehen, also auch nicht auf Wale. Ausserdem liege die Angelegenheit ausserhalb des EU-Gültigkeitsbereichs.

Die Beschwerde, dass die Verarbeitung des Walfleischs nicht den Verordnungen zur Lebensmittelsicherheit entsprechen – Hvalur darf seine Beute auch weiterhin unter freiem Himmel schlachten und muss keine überdachte Halle dafür bereitstellen – falle in die Verantwortung der nationalen Behörden, die sich an EU-Regeln zu halten hätten.

 

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