Massenentlassungen nach WOW-Pleite, Suðurnes schwer getroffen Skip to content
Photo: Flug Flugvöllur flugáhöfn.

Massenentlassungen nach WOW-Pleite, Suðurnes schwer getroffen

Unnur Sverrisdóttir, die Leiterin der isländischen Arbeitsbehörde, sagte RÚV gegenüber, dass noch nie zuvor soviele Menschen auf einen Schlag ihren Arbeitsplatz verloren hätten wie am gestrigen Tag. Es sei klar, dass diesmal weitaus mehr Arbeitslosengelder aus dem staatlichen Töpfen gezahlt werden müssten als man angenommen habe.

Mit dem endgültigen Zusammenbruch der Billigfluglinie gestern morgen waren 1100 Mitarbeiter arbeitslos geworden.

Wie Unnur sagt, würden weitere Arbeitslose hinzukommen, die in der Tourismusindustrie beschäftigt sind. Allein beim Busunternehmen Kynnisferðir/Iceland Excursions ist gestern 59 (von etwa 400) Mitarbeitern gekündigt worden.

Ich habe gehört, dass es um die 1100 Leute waren, die bei WOW gearbeitet haben. Sodass wir zumindest anfangen können, bei denen zu zählen. Dann weiss ich nicht, ob es da Freiberufliche gab, oder Leute mit Zeitarbeitsverträgen, oder wie das ist. Das ist jedenfalls eine sehr grosse Menge.” sagt Unnur.

Eine solche Situation habe es zuvor noch nicht gegeben, nicht einmal während der grossen Wirtschaftskrise im Jahr 2008.

Man wisse nicht, wie es nun weitergehe, das Amt sei derzeit damit beschäftigt, alle Räder in Bewegung zu setzen, um die Fälle der Betroffenen zu bearbeiten.

 

Die etwa 600 Flugbegleiter von WOW Air, die gestern ihren Job verloren haben, bekommen nicht mal ihren Lohn zum Monatsende ausgezahlt.

Wie die Vorsitzenden der beiden Flugbegleitergewerkschaften RÚV gegenüber versicherten, würden die Verbände alles tun, um den Betroffenen bei der Beantragung des Arbeitslosengeldes behilflich zu sein.

Die Pleite des Billigfliegers trifft vor allem die Gemeinde Suðurnes auf der Halbinsel Reykjanes schwer. Dort wohnen die allermeisten der über Nacht arbeitslos gewordenen Beschäftigten, ob sie nun für WOW selbst tätig waren, oder in einem dem Tourismus zuarbeitendem Gewerbe, berichtet RÚV.

Bürgermeister Magnús Stefánsson veröffentlichte gestern einen Brief, in welchem er die Insolvenz von WOW Air zutiefst bedauere. Sie werde Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Landes haben. Noch könne man nicht sagen, welche Auswirkungen die Insolvenz auf die Gemeinde selbst haben werde, doch gehe man davon aus, dass es welche geben werde.

Die Gemeinde Suðurnes wendet sich an alle Aktionäre mit der Bitte, an das Wohl und die Interessen all jener zu denken, die die Auswirkungen der Insolvenz von WOW Air nun zu spüren bekommen, ganz gleich ob es sich um Angestellte, ihre Familien oder um Unternehmen handelt.” Mit diesem Aufruf beschliesst der Bürgermeister seinen Brief.

Auch beim Flughafenbetreiber ISAVIA in Keflavík steht die Tür zu Entlassungen weit offen. Wie Björn Óli Hauksson mbl.is gegenüber bestätigte, sei man derzeit damit beschäftigt, das Unternehmen nach dem Wegfall von WOW Air zu reorganisieren.

Wr prüfen jetzt unsere Betriebsstrukturen. Bevor wir uns daran geben, die Beschäftigtenzahl zu verändern, werden wir den Betrieb verschlanken und die Sommerarbeitskräfte abbauen. Wir werden uns genug Zeit geben, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es ist jedoch richtig, dass wir bei anderen Betrieben im Internationalen Flughafen Leifstöð einen Personalabbau sehen könnten.”

Die geplanten baulichen Erweiterungen am Flughafengebäude würden ebenfalls auf den Prüfstand kommen. Dezeit sei man noch in der Entwurfphase. Eine Entscheidung, ob gebaut werde oder nicht, falle dann zum Jahresende.

Währenddessen ist die Berufung der beiden Insolvenzverwalter in Anwaltskreisen auf Kritik gestossen. Nicht nur kritisierten zwei junge Anwältinnen, dass wieder einmal Männer im besten Alter einen derartig lukrativen Job erhalten hätten und man Frauen diese Arbeit offenbar nicht zutraue, sondern auch, dass einer von ihnen beinahe das doppelte an Stundenhonorar als bei Insolvenzverwaltung üblich in Rechnung stelle.

Kristrún Elsa Harðardóttir und Saga Ýrr Jónsdóttir übten im Morgenradio Rás 2 scharfe Kritik vor allem an Sveinn Andri Sveinsson, der aktuell auch als Insolvenzverwalter in einem zweiten grossen Pleitefall eingesetzt ist. In diesem Insolvenzfall hätten die Gläubiger Beschwerde gegen ihn eingelegt, unter anderem weil sie nicht über anfallende Zusatzkosten aufgeklärt worden waren.

Beide Anwältinnen äusserten sich sehr verwundert darüber, dass der Kollege nicht nur überhöhte Rechnungen schreiben dürfe, sich in seinem Amt nicht korrekt verhalte, und dann aber einen zweiten grossen Insolvenzfall zugeteilt bekomme.
“Ist WOW Air nicht in einer Grössenordnung, dass du dich da völlig drauf konzentrieren musst?” fragte Anwältin Saga Ýrr Jónsdóttir im Morgenradio.

 

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