Lachszucht: MAST erhält neue Mitarbeiter und zwei Boote für Kontrollgänge Skip to content
A salmon farm in Arnarfjörður, Westfjords.

Lachszucht: MAST erhält neue Mitarbeiter und zwei Boote für Kontrollgänge

Die isländische Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST wird bald über eigene Boote verfügen und damit in der Lage sein, unangemeldete Inspektionsfahrten zu offenen Fischzuchtgehegen unternehmen zu können, berichtet RÚV. Auch die Zahl der Inspektoren soll erhöht werden.

Bislang waren nur 5,6 Planstellen für die Inspektion der Fischzuchtbetriebe in den Ostfjorden und Westfjorden vorhanden gewesen, und ein Teil dieser Mitarbeiter war mit der Erteilung von Genehmigungen beschäftigt gewesen. Die beschränkte Aufsichtsführung in der industriellen Fischzucht ist schon lange Gegenstand von Kritik, ebenso die Wartezeit auf Lizenzen. In einer Studie des Rechnungshofes war auf zahlreiche Verstöße in der Verwaltung hingewiesen worden, die den Tierschutz, den Umweltschutz und auch die Nutzung von Ressourcen betrafen.

Technische Aufrüstung für mehr Kontrolle
MAST hatte im Mai eine Erweiterung der Fischabteilung beantragt. Abteilungsleiter Karl Steinar Óskarson gab an, jetzt habe die Regierung reagiert und in einem ersten Schritt 126 Mio ISK zur Verfügung gestellt. Dieses Geld finanziert sechs neue Mitarbeiter und die Entwicklung einer neuartigen elektronischen Überwachung. Ausserdem plant MAST den Erwerb von zwei sechs Meter langen Booten samt Bootsanhänger und Zugfahrzeugen, die diese Inspektionsboote in die Ost- und Westfjorde bringen sollen. “Die können wir dann nutzen, um die Meeresgehege zu überprüfen, wann immer wir das wollen. Wir sind dann nicht mehr von Unternehmen abhängig und das ist sehr wichtig für uns,” erklärt Karl Steinar. Allein in den Westfjorden gebe es über 100 Fischzuchtgehege. “Wir haben seit diesem Jahr Unterwasserdrohnen, damit können wir in diese Gehege gelangen und den Besatz überprüfen. Wir können mitverfolgen, ob etwa an den Netzen Reparaturen vorgenommen wurden, über die wir nicht unterrichtet wurden und so weiter, und wir können auch die Fische selber untersuchen.”

3500 entkommende Lachse bedrohen Flüsse
Im August diesen Jahres waren etwa 3.500 Lachse aus einem Meereszuchtgehege des Unternehmens Arctic Fish im Patreksfjörður in die freie Natur entkommen. Ein beträchtlicher Teil dieser Zuchtlache waren wider Erwarten bereits geschlechtsreif gewesen: Anfang September hatte die Fischereibehörde norwegische Taucher ins Land geholt, um in Flüssen der Westfjorde nach Fluchtlachsen zu jagen. Bei Untersuchung der erbeuteten Fische stellte sich heraus, dass 40 von 42 Zuchtfischen fortpflanzungsreif waren.

Inzwischen sind immer mehr Flüsse im Norden Islands zuchtlachsverseucht, und Sportangler gehen davon aus, dass es nicht mehr möglich ist, diese Lachse aus den Flüssen zu entfernen. Gestern hatten Angler 12 Zuchtlachse in der Miðfjarðará gesehen, auf ihrem Weg zum Ablaichen.
Die in den Húnaflói mündende Miðfjarðará ist einer der besten Lachsflüsse des Landes. Zuvor waren in dem Fluss um die zehn Zuchtlachse gefangen worden. In mindestens sechs weiteren in den Húnaflói mündenden Flüssen war Zuchtlachs aus Gehegen von Arctic Fish im Patreksfjörður in die Netze gegangen.
Die Lizenzhalter von Angelrechten befürchten, dass der Zuchtlachs den Wildlachs genetisch verändern könnte. Inzwischen wird auch gefordert, den Zuchtlachs in den Meeresgehegen grundsätzlich unfruchtbar zu halten.
Der Fischzuchtkonzern Arctic Fish plant nun, in Zusammenarbeit mit der Fischereibehörde erneut zwei Taucherteams aus Norwegen ins Land zu holen, um Zuchtlachse in den Flüssen aufzuspüren und zu entnehmen.

Öffentliche Kritik wächst
Die Lachsfluchten des Sommers haben das öffentliche Bewusstsein für diese Industrie und ihre Umweltprobleme geweckt – nicht nur die Verseuchung von isländischen Fjorden mit Fischmüll, Antibiotika und Pestiziden, sondern auch die Gefahr die der Zuchtfisch mit seinen Genen, Krankheiten und Parasiten für den Wildlachs darstellt, wenn er seinem Gehege entkommt. Vor gut einem Jahr war ein Video der Kayakerin Veiga Grétarsdóttir erschienen, in welchem sie Filmmaterial aus Tauchgängen an den Gehegen zusammengestellt hatte, unter anderem sind dort verstümmelte Fische und vermüllten Meeresboden unter den Netzen zu sehen.

Am vergangenen Samstag hatte auf dem Austurvöllur vor dem Parlament eine Demonstration gegen die kommerzielle Fischzucht stattgefunden.

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