Island auf Platz 9 bei Verschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe Skip to content
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Photo: Dagmar Trodler. Cruise ships in Akureyri.

Island auf Platz 9 bei Verschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe

Island ist eines von zehn europäischen Ländern, wenn es um die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe geht, berichtet RÚV. Dieses Jahr soll ein Rekordjahr für diese Schiffe werden, und schon jetzt liegen in den Häfen von Reykjavík, Akureyri und Ísafjörður meist bis zu vier Schiffe zur gleichen Zeit vor Anker. Manche fassen mehrere hundert Passagiere, die meisten gleich mehrere tausend. Und die Schiffe sind nicht immer die jünsten, das Durchschnittsalter der in Reykjavík im August erwarteten Kreuzfahrtschiffe liegt bei 15 Jahren. Das älteste Schiff, die Ocean Majesty, bringt es auf fast 60 Jahre. Obwohl jedes Schiff anders aussieht, haben sie alle eines gemeinsam: aus ihren Schornsteinen zieht blauer Rauch.

218 Kreuzfahrtschiffe verschmutzen wie alle Autos der Welt
Aus einer aktuellen Studie der europäischen Umweltorganisation Transport&Environment geht hervor, dass die 218 Kreuzfahrtschiffe, die im letzten Jahr in europäischen Gewässern unterwegs gewesen sind, etwa viermal soviel gesundheitsschädliches Schwefeldioxid in die Atmosphäre abgelassen haben wie die gesamte Autoflotte der Welt. In dieser Studie steht Island auf Platz neun der europäischen Länder, die mit der meisten Schwefeldioxidverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe zu kämpfen haben.
Im vergangenen Jahr haben die Schiffe 371 Tonnen Schwefeldioxid in Island gelassen. Das die gleiche Menge, die der Aluminiumschmelzer Straumsvík in eineinhalb Monaten produziert, oder 13% des Jahresausstosses von Straumsvík.
Die durch die Schiffe verursachte Stickstoffdioxidmenge in Island ist nach Angaben der Studie höher als die sämtlicher PKW.
Die grössten Dreckschleudern fahren für die Reederei MSC, deren 22 schwimmende Hotels zusammen mehr Schwefeldioxid in die Atmosphäre blasen als die gesamte europäische Fahrzeugflotte. Die Schiffe MSC Poesia und die MSC Prziosa sind regelmässige Gäste in Island.

Mehr Schiffe, mehr Verschmutzung
Der Schiffsdiesel ist im Vergleich zu herkömmlichem Autokraftstoff nicht nur schmutzig, sondern auch altmodisch, er enthält mehr als hundertmal mehr Schwefel. Obwohl die internationalen Anforderungen verschärft wurden und die Schiffe in den Häfen saubereren Treibstoff verwenden als draussen auf See, steigt die Schwefeldioxidbelastung trotzdem – denn die Zahl der Kreuzfahrtschiffe nimmt rasant zu, sie bleiben länger in den Häfen und verbrauchen daher mehr Treibstoff: etwa ein Viertel mehr als noch vor vier Jahren.
Reykjavík liegt der Studie zufolge auf Platz 32 der Städte, die am meisten unter der Verschmutzung der Kreuzfahrtschiffe zu leiden haben. Geschätzte vier Tonnen Feinstaub haben diese Schiffe in Islands Hauptstadt hinterlassen. Akureyri liegt auf Platz 48, zwischen Amsterdam und Oslo.
Am schlimmsten ist die Verschmutzung im Mittelmeer, und Venedig hatte sich lange an der Spitze der Liste befunden. Seit 2021 dürfen Kreuzfahrtschiffe in der norditalienischen Tourismusmetropole nicht mehr vor Anker gehen.

Verschmutzung schwer zu messen
Die Luftverschmutzung der Schiffe wird von den Messstationen der Umweltbehörde kaum eingefangen, doch ist sie oft gut zu sehen. Nicht immer ist klar, ob gemessene Wert auf die Schiffe oder den Fahrzeugverkehr zurückzuführen sind, und dann ist da noch der Wind, der die Verschmutzung woandershin bläst. Eigentlich bräuchte es viel mehr Messstationen, so eine Expertin von der Umweltbehörde.
Auch die Feinstaubbelastung durch die Schiffe ist sehr hoch. Ihre gesundheitsschädlichen Auswirkungen sind schon lange bekannt.
In der Studie heisst es, dass viele Reedereien auf Flüssigerdgas umgestellt hätten, um ihren ökologischen Fussabdruck zu mindern, die Schiffsmaschinen verbrennen Schiffsdiesel und Flüssigerdgas. Der letztgenannte Kraftstoff verursacht zwar vordergründig weniger Luftverschmutzung, bei der Verbrennung wird jedoch Methan frei, einer der Hauptverursacher des Treibhauseffektes. Ein Schiff kann soviel Methan freisetzen wie ein Drittel aller Milchkühe in Island, schreibt RÚV.

Es wird geschätzt, dass etwa zwei bis drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Schifffahrt zurückzuführen sind. Das Pariser Abkommen deckt die Emissionen der Schifffahrt nicht ab, und der Schifffahrtssektor zeigte sich bei einem kürzlichen Treffen mit der Internationalen Seeschiffahrtsorganisation (IMO) zurückhaltend. Man vereinbarte, die Emissionen der Schifffahrt bis 2030 um 20 % zu reduzieren. Dies steht aber bei weitem nicht im Einklang mit dem internationalen Klimaziel, die globale Erwärmung auf weniger als 1,5 Grad zu begrenzen.

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