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Grindavík
Photo: Golli.

Grindavík: Lava versiegt, aber Boden reisst weiter auf

Die Stadt Grindavík ist nach dem gestrigen dramatischen Tag mit Lavaströmen ausserhalb und innerhalb des Schutzwalls etwas zur Ruhe gekommen. Der Lavafluss aus der südlichen Spalte, der drei Häuser hinwegbrannte, ist versiegt, aus der nördlichen Spalte sprudelt noch an wenigen Stellen etwas Lava empor.

Spaltenbildung lebensgefährlich
Allerdings ist die Erde in Grindavík seit gestern um bis zu 1,4 Meter auseinandergeglitten. Neue Fissuren haben sich geöffnet, und bestehende sind breiter geworden. Fachleute schliessen nicht aus, dass sich auch neue lavafördernde Spalten öffnen. Das gesamte Gebiet befindet sich in Bewegung. Am Nachmittag war ein freiwilliger Retter mit einem Bein bis zur Hüfte in ein Loch gestürzt, das im Asphalt nicht sichtbar gewesen war. Fotos vom Nachmittag zeigen, wie der Boden durch die Verwerfungen überall förmlich zerreisst.
Die beiden lavafördernden Spalten von gestern morgen hatten sich ohne Vorwarnung geöffnet, auf den Messinstrumenten des Wetterdienstes war nichts zu sehen gewesen. Jetzt allerdings ist man gewarnt. In einer Mitteilung der Wetterbehörde hiess es, mit der Entstehung neuer Spalten müsse in den kommenden Tagen jederzeit gerechnet werden.

Die seismische Aktivität ist insgesamt etwas zurückgegangen, aber am Südende des Magmatunnels unter dem Ort kann noch Bewegung festgestellt werden. Und weiterhin hebt sich das Land bei Svartsengi. RÚV schreibt, dies sei nun anders als beim Ausbruch vom 18. Dezember, als das Land sich nach der Eruption absenkte.

Aktivität dauert weiter an
Der Fachleiter der Erdbebenwache beim isländischen Wetterdienst, Benedikt Halldórsson, sagte RÚV gegenüber, die Hauptfrage ist derzeit, wie weit der unterirdische Magmatunnel reiche. Klar sei inzwischen, dass er unter der Stadt verlaufe. Der komplexe Zusammenhang zwischen Magmaintrusion und Verformung in der Region komme als Reaktion auf die grossen Ereignisse vom 10. November (schwere Erdbeben) und 18. Dezember (Vulkanausbruch). Die Daten aus dem Svartsengi- Gebiet zeigten, dass es dort seit Oktober einen konstanten Magmazufluss gibt, der sich bislang nicht verringert habe, so Benedikt. Auch der Professor für Vulkanologie an der Universität Islands, Ármann Höskuldsson, sagte Vísir gegenüber, dieser Ausbruch sei nicht vorüber. Eine Periode vulkanischer Aktivität habe auf der Halbinsel eingesetzt.

Schutzwall hat seinen Wert bewiesen
Seit gestern gehen die Arbeiten am Schutzwall ohne Unterbrechung weiter. Der hatte gestern bewiesen, was er abhalten kann: obwohl er nur drei von geplanten sechs Metern Höhe hatte, reichte dies aus, um die Fliessrichtung der Lava zu ändern. Erste kurze Wälle habe man beim Vulkanausbruch von 2021 aufgeschüttet, und auf diese Erfahrungen baue man nun: der gestrige Tag habe gezeigt, dass solche Wälle ihren Zweck erfüllen, erklärte ein Ingenieur vor Ort.

Bürgermeister Fannar Jónasson, vor dessen Haus die Lava wie durch ein Wunder zum Stehen gekommen war, kämpft währenddessen unverdrossen für seine Mitbürger und setzt sich dafür ein, dass von der Regierung langfristiger Wohnraum geschaffen wird. Noch ist nicht klar, ob die Stadt überhaupt noch einmal bewohnbar sein kann. Strom und Wasser sind ausgefallen bzw Wasserleitungen zerstört, und damit Einsatzkräfte arbeiten können, wurde am Nachmittag ein Dieselaggregat aufsetzt. Vom Versorgungsunternehmen HS Veitna hiess es, momentan sehe man aufgrund der zerstörten Leitungen keine Möglichkeit, heisses Wasser in die Stadt zu leiten.
Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte am Mittag gesagt, die Regierung habe entschieden, den Wohnort Grindavík mit den Wällen zu schützen, und an diesen Wällen arbeite man weiter, immerhin hätten sie ihren Wert bewiesen. Allerdings müssten die Bewohner selbst entscheiden, wie sie ihre Zukunft sähen.

“Wir geben nicht auf”
Gestern Abend hatte Katrín in einer Rede die schwere Herausforderung angesprochen, in der vor allem Solidarität, Ruhe und Mitgefühl den Weg weisen müssten. „Das ist ein schwarzer Tag für Grindavík, und ein schwarzer Tag für Island als Ganzes, aber die Sonne wird wieder scheinen.“ hatte sie gesagt. Man werde alles Menschenmögliche tun, um den Betroffenen zu helfen.

Auch Staatspräsident Guðni Th. Jóhannesson hatte sich gestern Abend um 20 Uhr mit einer Ansprache an die Nation gewandt. Der studierte Historiker verwies auf Islands tragödienreiche Geschichte, in der man stets zusammengestanden habe, um die Probleme gemeinsam zu meistern.
„Das ist es, was wir Isländer zusammen tun,“ sagte Guðni, „wir geben nicht auf.“

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