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Photo: Dagmar Trodler.

Grindavík: 350 Schafe aus dem evakuierten Ort geholt

Die 350 in Grindavík befindlichen Schafe werden heute von ihren Besitzern abgeholt. Zunächst hatte es für die Schafe, die an fünf verschiedenen Stellen aufgestallt sind, nicht gut ausgesehen, denn seitens des Zivilschutzes und der Behörden hatte man der Bergung von Wertgegenständen aus dem von Erdbeben und Lavaströmen bedrohten Ort Vorrang gegeben.
Der isländische Tierschutzbund hatte daraufhin in den sozialen Medien einen Aufruf gestartet und darauf verwiesen, dass Schafe lebendige Wesen mit Empfindungen seien, die per Gesetz vor Leid und Unbill geschützt werden und Vorrang vor toten Gegenständen geniessen müssten.
Die Schafbesitzer waren allesamt gut organisiert und warteten nur darauf, eine Sondergenehmigung für den Zutritt zum evakuierten Ort zu bekommen, wo trotz der grossen Gefahr durch Erdspalten Retter, Arbeiter und auch Journalisten unterwegs sind.

Genehmigung kam, wenn auch zäh
Heute morgen war es dann soweit, obwohl Schafhalter Viðar Guðmundsson, der seine 30 Schafe in einem Stall am Hafen hält, mbl.is gegenüber sagte, es sei nicht leicht gewesen, von den Behörden eine Sondergenehmigung zu bekommen. Auch der Vorsitzende des Grindavíker Schafzuchtvereins, Grétar Jónsson, dessen Familie ein Haus an die Lava verloren hat, und der um die 30 Schafe hält, musste sich einer erbitterten Debatte mit der bewaffneten Spezialeinheit der isländischen Polizei stellen, die den Zugang zum Ort bewachte und ihm trotz seiner Sondergenehmigung die Einfahrt verwehrte. Erst ein Besuch in der Polizeidirektion in Keflavík brachte den Durchbruch, und Grétar konnte seine Tiere verladen und in Sicherheit bringen.

Wohin mit 30 Schafen?
Die Tatsache, dass die Schafe erst am 10. November unter dramatischen Umständen aus dem Ort geholt und dann wieder zurückgebracht worden waren, hatte für einige Kritik gesorgt. Auch die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte dies vorgestern kritisch angemerkt, aber zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass die Tiere aus dem Gefahrenbereich geholt werden dürfen.  Immerhin hatte Islands Staatspräsident Guðni Th. Jóhannesson vor einigen Tagen die freiwilligen Tierschützer, die sich im November für die Rettung der zurückgebliebenen Haustiere, Pferde und Schafe stark gemacht hatten, während einer Zeremonie in seinem Amtssitz Bessastaðir geehrt.

Und so mancher hat auch keine Wahl gehabt, als seine Tiere zurückzubringen. Sigrún Eggertsdóttir etwa, die zwar in Kópavogur lebt, aber aus Grindavík stammt und dort 30 Schafe hält, sagt, sie habe ihre Schafe seinerzeit in einem Pferdestall unterbringen können, allerdings nur vorübergehend. Auch jetzt hat sie wieder Platz in einem Pferdestall gefunden, aber wie es langfristig weitergehen soll, das weiss Sigrún nicht. Sie ist erst mal nur froh, dass alles gut gegangen ist. Man habe sie gestern, so erzählt sie, telefonisch informiert, dass der Transport genehmigt wurde, und heute sei sie dann in Begleitung von Rettungsleuten zum Stall am Hafen gefahren. Ihren Schafen gehe es gut, Freiwillige der Rettungseinheit hätten gestern nach ihnen geschaut.

Wenig Vieh, wenig Ställe
Auf der Halbinsel Reykjanes gibt es naturbedingt nur wenig Weidevieh, man findet Lava und Geröll, aber nur sehr wenig Grasland. In Fischerorten wie Grindavík war es hingegen immer schon üblich, einige Schafe für die Fleischversorgung der eigenen Familie zu halten.

Zur Problematik, auf die Schnelle einen neuen Stall finden zu müssen gesellt sich die Tatsache, dass Island aus Seuchenschutzgründen in Schutzbezirke eingeteilt ist. In der Regel (mit einigen wenigen Ausnahmen) ist es nicht gestattet, Schafe und Ziegen über die Grenzen der Bezirke zu transportieren – das Verbot gilt auch für Grindavík. Der Schutzbezirk Landnámshólf ist zwar nicht gerade klein, hier findet sich aber auch die meiste Bebauung im Süden, und die meiste Lava. Umso schwieriger kann es werden, für die 350 Grindavíker Schafe innerhalb des Schutzbezirks eine langfristige Bleibe zu finden.

 

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