Grascob-Fabrik bei Húsavík in Planung Skip to content
icelandic cows
Photo: archive.

Grascob-Fabrik bei Húsavík in Planung

In Nordisland soll eine Fabrik für Grascobs entstehen, berichtet Vísir. Grascobs bestehen aus feingehacktem und getrocknetem Gras, das zu kleinen Kugeln gepresst wird, und im Ausland vor allem als Pferdefutter bekannt ist.  Die Fabrik soll um die zwei Mrd. ISK kosten und, wenn alles gut geht, im Jahr 2025 in Hveravellir im Reykjahverfi ihren Betrieb aufnehmen.
Das Besondere an der Sache ist, dass für die Trocknung und Herstellung Restwärme aus dem Geothermiegebiet in Hveravellir genutzt werden soll.
Hinter dem Projekt stehen der Investor Fjárfestingarfélag Þingeyinga, der Bauernverband Suður-Þingeyinga, der Energieversorger Orkuveita Húsavíkur, KEA, die Landwirtschaftshochschule und das Ingenieurbüro Efla.
Projektleiter Pétur Snæbjörnsson erklärt, für die Grascobherstellung soll in ländlichen Regionen Gras eigens für diese Produktion angebaut und damit eine Innovation in der Landwirtschaft geschaffen werden, die nicht nur besondere Kenntnisse erfordere, sondern auch eine vermehrte Wertschöpfung aus den Resourcen vor Ort bedeute.

Derzeit werden pro Jahr 200.000 Tonnen Futtermittel importiert. Pétur findet, da sei durchaus Spielraum zur Selbstversorgung, wenn man die richtigen Hilfsmittel verwende: in diesem Fall die Erdwärme, die vielerorts geradezu verschwendet werde. Das Pelletwerk könne die Erdwärme gut nutzen. Im Reykjahverfi steigt das Wasser mit 120 Grad an die Erdoberfläche.
Wenn die Fabrik sich einst im Vollbetrieb befindet, kann sie pro Jahr 50.000 Tonnen Grascobs herstellen. Im kommenden Sommer soll eine Versuchsproduktion gestartet werden.

Grascobs waren einst gross in Mode – und verschwanden
Grascobs sind allerdings keine Neuheit auf der Insel. Schon vor mehr als 50 Jahren gab es in Gunnarsholt im Süden Islands ein solches Werk, und weitere folgten im ganzen Land. Das Gras in Säcken half den Bauern, über die Runden zu kommen, wenn ein nasser Sommer für schlechte Heuernte gesorgt hatte und senkte die Notwendigkeit, zusätzliches Kraftfutter für das Vieh zu importieren. Mit der Heuernte beschäftigt waren in Gunnarsholt die Bewohner eines Heims für Alkoholabhängige. Da die Erdwärme noch nicht so weiträumig genutzt wurde wie heute, war die Produktion eher teuer.

Im Jahr 1987 exportierte Island 70 Tonnen Grascobs aus dem Hornafjörður nach Deutschland. Hinter dem Geschäft stand der Reiter und Trainer Sigurbjörn “Diddi” Bárðarson, der die Grascobs auf dem deutschen Islandpferdemarkt verkaufen wollte. Nach dem Jahr 2000 kam die Produktion von Grascobs in Island fast vollständig zum Erliegen, vor allem, weil ausländische Importe, etwa aus Dänemark, bis zu 40% billiger waren.  Im Sommer 2014 stellte der Bauernverband die Möglichkeit in Aussicht, den Proteinbedarf von Milchvieh durch kleereiche Grascobs decken zu können, anstelle des Imports von Sojapellets.

 

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter

Recommended Posts