Geplanter neuer Nationalpark im Hochland stösst auf Protest Skip to content

Geplanter neuer Nationalpark im Hochland stösst auf Protest

Energieunternehmen und einige Gemeinden protestieren energisch gegen einen neuen Vorschlag, den Naturschutz im isländischen Hochland auszuweiten, berichtet RÚV.

Das Ministerium für Umwelt und Resourcen hatte vorgeschlagen, dass ein neuer und vergrösserter Nationalpark den bereits bestehenden Nationalpark Vatnajökull (Europas grösster Nationalpark), sowie 85 Prozent des zentralen Hochlands umfassen soll.

Im April vergangenen Jahres hatte das Ministerium einen Ausschuss gebildet, welcher aus Abgeordneten aller Fraktionen sowie Vertretern des isländischen Gemeindeverbandes besteht. Nach Einschätzung des Ausschusses würde eine Ausweitung der Grenzen des geschützten Gebietes in keinster Form den neuen Status des Vatnajökull Nationalparks als Bestandteil des Wetkulturerbes behindern.

Der Vorschlag auf samráðsgatt.is kann noch bis zum 13. August öffentlich kommentiert werden.

Auch wenn der isländische Gemeindeverband an der Erarbeitung des Vorschlags beteiligt war, sind viele Gemeinden als Grenzanrainer zum Nationalpark der Ansicht, dass sie nicht angemessen konsultiert worden sind.

Ásta Stefánsdóttir, die Gemeindevorsteherin von Bláskógabyggð in Südisland, sagt, es sei Aufgabe der Arbeitsgruppe, Vorschläge zum neuen Nationalpark zu machen, aber nicht die Vor- und Nachteile eines solchen abzuwägen. Ihre Gemeinde findet, diese Arbeit müsse erst noch kommen. Der aktuelle Vorschlag sei ein Eingriff in die Grenzpolitik von Gemeinden.

Es gibt grosse Gebiete im Hochland, die innerhalb des Bláskógabyggð liegen, und Bauern und Einwohner haben eine Menge Arbeit darin investiert, Land urbar zu machen, zum Beispiel, indem sie Reitwege ausgewiesen haben und den Verkehr dort hin lenken etc., und damit sicherstellen, dass die Leute keine empfindlichen Regionen betreten und ähnliches. Die Leute sind besorgt, weil wenn da eine Art zentralisierte Behörde, eine Art Regierungsbehörde, das alles kontrolliert, dass dies in gewisser Weise die freiwillige Arbeit beschneidet, die die Leute geleistet haben.”

Von Landeigentümern Bauern und anderen Landnutzern sind nach Aussage von Ausschussvorsitzendem Óli Harðarsson bereits eine Vielzahl von Anmerkungen und Kritikpunkten eingegangen, schreibt RÚV.

Dem Regionalblatt dfs.is war in der vergangenen Woche in einer Ankündigung der obersten Planungsbehörde zu entnehmen, dass in der Gemeinde Hrunamannahreppur (im Süden des geplanten grossen Nationalparks) 11 alte und bestehende Wander- und Viehtreiberhütten bis hin zum Naturschutzgebiet Þjórsárver unterhalb des Hofsjökull für einen touristischen Ausbau angedacht sind.

Im Bláskógabyggð befinden sich sechs solcher Hütten bereits in der Planungsphase. Für den gesamten Bereich würden diese 17 Hütten etwa 500 Übernachtungsplätze samt infrastrukturellem Ausbau im geplanten Nationalpark schaffen.

Kritik und Anmerkungen dazu können noch bis zum 14. August (für die 11 Hütten), sowie bis zum 4. September (für die sechs Hütten) an die zuständige Planungsbehörde eingereicht werden.

Doch nicht nur Einheimische sehen die Ausweitung des Nationalparks kritisch. Auch Energieunternehmen haben ihre Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Samorka, der Verband der Energieversorger in Island, sagt, dass mit neuen Schutzmassnahmen sämtliche neue Generationen an Energieformen und Energietransport in so gut wie dem halben Land untersagt würden. Damit wären derzeitige Gesetze zum Schutz der Energiegewinnung irrelevant.

Der nationale Energiekonzern Landsvirkjun betonte, es sei wichtig dass alle Kraftwerke auserhalb der geschützten Bereiche zu liegen kämen. Die Nutzung der Energieresourcen im Hochland hätten grosse wirtschaftliche Bedeutung für das ganze Land. Im Hochland produzierte erneuerbare Energie stelle nicht nur die Grundlage für die isländische Wirtschaft sondern auch für die heutige Lebensqualität dar.

Einer Befragung aus dem Jahr 2018 nach sprachen sich 63 Prozent aller Isländer für die Schaffung eines ausgeweiteten Nationalparks im zentralen Hochland aus, berichtete RÚV im vergangenen Jahr. 75 Prozent der Befürworter waren der Ansicht, dass ein Nationalpark im zentralen Hochland Orte schützen würde, die bislang keinen Schutz geniessen, 68 Prozent waren der Ansicht, ein solcher Nationalpark würde das Verständnis für den Wert der Region steigern.

Auch 9000 Touristen waren für diese Statistik befragt worden, 300 von ihnen hatten ein Interview gegeben. Aus diesen Daten ging hervor, dass die Touristen bei der Attraktion “Hochland” vor allem die einzigartige und kaum berührte Natur, die Einfachheit, Stille und die Menschenleere schätzten.

 

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