Fast zwei Millionen tote Zuchtlachse seit Januar 2024 Skip to content
salmon, salmon farming, laxeldi
Photo: Screenshot Laxaþjóð, Youtube.

Fast zwei Millionen tote Zuchtlachse seit Januar 2024

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2023 sind in Island rund 1,3 Millionen Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet. In diesem Jahr liegen die Zahlen vermutlich weitaus höher. Jón Kaldal vom isländischen Naturschutzfonds fordert, dass die Regierung eingreift.

Zwei Millionen tote Fische
In den aktuellen Zahlen der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) sind auch die „Verluste“ – tote Zuchtlachse – nach Gebieten aufgelistet. Dabei sieht der Mai 2024 erheblich schlechter als der Mai 2023 aus, und die ersten fünf Monate diesen Jahres stehen viel schlechter da als die Vergleichsmonate im Vorjahr.
In den Monaten Januar bis Mai verendeten 1,3 Millionen Zuchtlachse in ihren Gehegen vor der Küste Islands. Inzwischen, Ende Juni, nähert sich diese Zahl der zwei Millionen Grenze. Das ist das Hundertfache der Laichpopulation des isländischen Wildlachses.
Jón Kaldal, der Sprecher des isländischen Naturschutzfonds, der seit Jahren gegen die kommerzielle Fischzucht in Islands Fjorden kämpft, fordert, die Regierung müsse jetzt eingreifen und den Betrieb von Unternehmen stoppen, die derart schlecht mit ihren Zuchttieren umgehen.
„Wir wissen, dass der Arbeitgeberverband in der Fischindustrie (SFS) mit Zähnen und Klauen gegen eine Gesetzgebung kämpft, die solche Methoden verbietet, weil Leiden und Massentod der Zuchtlachse buchstäblich Teil des Geschäftsmodells bei den Konzernen ist. Die erwarten, dass ein hoher Anteil des Besatzes die Zustände in den Zuchtbecken nicht überlebt,“ erklärt Jón.
Im Frühjahr hatten die grössten Verbände norwegischer Biologen und Fischzuchtexperten von der norwegischen Regierung verlangt, die Verluste auf unter fünf Prozent pro Jahr zu drücken. „Die Unternehmen bessern sich nicht freiwillig, weder hier noch in Norwegen,“ sagt Jón.

Behörden arbeiten gegeneinander
Eine Rahmengesetzgebung für die kommerzielle Fischzucht, die das Parlament eigentlich noch vor der Sommerpause hatte verabschieden wollen, wurde in den Schrank gepackt und auf den Herbst verschoben. Zu grosse Meinungsverschiedenheiten verhinderten eine Einigung.
Und während die Branche keine neuen Beschränkungen erfährt, erteilt MAST weiter Besatzlizenzen, obwohl diese klar gegen Regelungen verstossen, wie etwa die vor zehn Tagen erteilte Lizenz für den Fischkonzern Arnarlax, mit dem dieser 10.000 Tonnen geschlechtsreifen und nicht geschlechtsreifen Lachs im Ísafjarðardjúp züchten darf. MAST berücksichtigte nur die zulässige Belastungsgrenze für den Fjord, sowie das genetische Vermischungsrisiko.

Die Verkehrsbehörde hatte aber etwas gegen die Gehege einzuwenden. In einer Risikoanalyse, die von Küstenwache, Verkehrsbehörde und Strassenverwaltung erstellt worden war, wurde eine Gefährdung der Schifffahrtsrinne, sowie eine Störung des Lichtkegels am Leuchtturm gesehen, was die Schiffahrt ebenfalls gefährdet. Die Verkehrsbehörde geht daher davon aus, dass der Antrag auf Lizenz in der Region abgelehnt wird.

Macht Gewinn aus totem wie lebendigem Fisch
Und dann war da noch der vormalige Direktor des oben genannten Fischzuchtkonzerns Arnarlax, Kjartan Ólafsson. Der hält 49 Prozent der Anteile am Unternehmen Arctic Protein, welches Tierfutter aus nicht für den menschlichen Verzehr geeignetem Zuchtlachs aus isländischen Gewässern produziert. Verwendet werden tote und gekeulte Fische, sowie Schlachtabfälle, berichtet Heimildin. Kjartans Schiff Hordafor kommt regelmässig in isländische Gewässer, um toten Fisch und Schlachtabfälle abzusaugen. Das hat ihm im Jahr 2021 einen Gewinn von 21 Mio ISK in die Kasse gespült. Seinerzeit hatte er sich mit einem spekulativen Bubbledarlehen des norwegischen Hauptanteilseigners in den Konzern Arnarlax eingekauft. Als die Aktie im letzten Jahr in die Höhe schoss, verkaufte Kjartan seinen Anteil wieder an den Hauptaktionär, mit sattem Gewinn.
Kjartan ist der vielleicht bekannteste Befürworter der kommerziellen Fischzucht in Island. Er spricht gerne von den „blauen Äckern“ und wünscht sich eine Jahresproduktion von 500.000 Tonnen Lachs. Ob die Lachse tot oder lebendig sind, spielt keine Rolle, denn ein Geschäft sind sie für Kjartan in jedem Fall.

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

* indicates required

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter