ESA: Blutgewinnung aus tragenden Stuten verstösst gegen EFTA-Bestimmungen Skip to content
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Photo: Bloodmare in restraint. Screenshot AWF/TSB.

ESA: Blutgewinnung aus tragenden Stuten verstösst gegen EFTA-Bestimmungen

Die Aufsichtsbehörde der Europäischen Freihandelsgemeinschaft (EFTA) ist der Auffassung, dass die isländische Regierung mit dem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten die Richtlinie der EFTA zum Schutz von Tieren verstößt, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden, berichtet RÚV.

Gestern Morgen war von der Aufsichtsbehörde ESA ein Erinnerungsschreiben bei der Regierung eingegangen. Demnach ist die ESA der Ansicht, dass die isländische Regierung ihren Verpflichtungen gegenüber der Tierschutzrichtlinie nicht nachgekommen ist, indem sie bei der Verwendung von Tieren für diesen Zweck das in den Richtlinien festgelegte Verfahren und die darin festgelegte Bewertung nicht befolgt habe.
Die Verordnung, die das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel letztes Jahr im August herausgegeben hatte, habe die Rechtsunsicherheit bei der Blutgewinnung nur weiter erhöht. Islands Regierung hat nun zwei Monate Zeit, auf den Brief der ESA zu reagieren.

Der Vorgang der Blutgewinnung aus tragenden und laktierenden Stuten war jahrelang unter dem Etikett ‘zu wissenschaftlichen Zwecken’ praktiziert worden, damit hatten auch die Bestimmungen für Versuchstiere gegolten. Auf Betreiben des blutverarbeitenden Gewerbes wurde die Blutgewinnung dann in ein ‘landwirtschaftliches’ Gewerk umbenannt. Die ESA ist jedoch der Ansicht, dass es sich bei den Blutstuten um Versuchstiere handelt. In Europa geht das grundsätzliche Bestreben dahin, die Zahl der Versuchstiere zu verringern, zumal für PMSG bereits Alternativsubstanzen vorhanden sind.

Mehr zum Thema Blutstuten in Island.

Jeden Sommer wird den tragenden Stuten mit Saugfohlen bei Fuss acht Wochen lang einmal pro Woche bis zu fünf Liter Blut aus der Halsvene abgezapft. Aus dem Stutenblut extrahiert das Pharmaunternehmen Ísteka das Hormon PMSG, welches zur Zyklusregulierung in der europäischen Massentierzucht verwendet wird. Nach Veröffentlichung eines Undercover-Videos  hatten Tierschützer und Veterinäre im In- und Ausland die zum Teil tierschutzwidrigen Praktiken sowie die grosse Blutmenge kritisiert, zumal weder genaue Daten zur Gesamtblutmenge eines Islandpferdes noch zur Verträglichkeit vorliegen. Eine von der Ministerin gegründete Arbeitsgruppe hatte daraufhin im letzten Jahr vor der Blutsaison Grundlagen für eine neue Verordnung festgelegt, und die Praktik als solche auch weiterhin als ethisch vertretbar bezeichnet.
Insgesamt 18 Gruppierungen aus Tierschutz und Naturschutz hatten daraufhin bei der ESA Klage eingereicht.

Die Blutgewinnung wird in Island auf rund 110 Höfen praktiziert, es gibt etwa 5400 Stuten, die auschliesslich zu diesem Zweck gehalten werden. Die Fohlen aus diesen Stuten werden nach Ende der Blutsaison der Schlachtung zugeführt. Grösster Pferdehalter der Branche ist das Pharmaunternehmen Ísteka, dem das PMSG-Geschäft einen Umsatz von rund zwei Mrd. ISK beschert, nachdem die EU vor einigen Jahren den Handel mit PMSG aus Südamerika aus Tierschutzgründen untersagt hatte.
Das ESA-Schreiben im Einzelnen findet man hier.

 

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