Die Islandmuschel, das älteste lebende Tier der Erde Skip to content
Photo: Kúskel, Iceland quahog. Wikimedia..

Die Islandmuschel, das älteste lebende Tier der Erde

Die älteste Islandmuschel, die in isländischen Gewässern gefunden wurde, stammte aus dem Jahr 1499 – dem Jahr als die Schweiz Selbstständigkeit erlangte, als Vasco da Gama von seiner ersten Indienfahrt zurückkehrte, und als die Insel Aruba in der Karibik entdeckt wurde.
Die Muschel war im Sommer 2006 auf dem Meeresgrund vor Grímsey in 80 Metern Tiefe gefunden worden und hatte es gleich ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft, als ältestes noch lebendes Tier der Welt, berichtet das Bændablaðið. Man taufte sie Hafrún, weil sie in ihrem Kalkmantel die Geschichte des Meeres aufgeschrieben hatte. Hafrún war an Bord des Forschungsschiffs Bjarni Sæmundsson eingefroren und danach untersucht worden.
Da die 507 Jahre alte Hafrún für die Wissenschaft ihr Leben lassen musste, ist bis heute nicht bekannt, wie alt Islandmuscheln eigentlich werden können.

Muschelkalender bietet Datengrundlage
Die Untersuchung der chemischen Zusammensetzung von Hafrún und 28 weiteren Islandmuscheln zeigten, dass sich hier wichtige Informationen zum Zustand des Polarmeeres bis zu 1000 Jahre zurück finden lassen. Der Kalkmantel dient dabei als eine Art Kalender und bildet eine Datengrundlage, in der jährliche Veränderungen wie zum Beispiel der Meeresströmungen auf der Nordhalbkugel registriert sind. Dieser „Muschelkalender“ ist damit eine wichtige Grundlage zur Untersuchung der Erderwärmung, heisst es in einem Artikel der Zeitschrift Náttúrufræðingur aus dem Jahr 2017.

Grosser Bestand im Sand vergraben
Die Islandmuschel, Arctica islandica, ist rund um Island häufig anzutreffen. Sie liebt den Sandboden bis auf eine Tiefe von 100 Metern. Dort liegt sie gerne im Verband mit anderen Muscheln 10 bis 15 Zentimeter tief eingegraben und taucht nur alle paar Tage aus dem Sand auf, um Sauerstoff aufzunehmen. Aber sie kann mit ihrem kräftigen Fuss auch wandern. Sie filtert ihre Nahrung aus dem Meerwasser, bis zu sieben Liter am Tag, und wird bis zu 12 Zentimeter lang. Bislang hat man eher wenig Aufwand betrieben, um das Alter gefangener Islandmuscheln anhand der Jahresringe im Kalk zu bestimmten, so Stefán Áki Ragnarsson, ein Meeresbiologe beim Marineforschungsinstitut.
Weil es so viele Islandmuscheln gibt, ist es daher nicht unwahrscheinlich, dass man auch ältere findet. In den USA ist die Muschel wegen ihres hohen Eiweissbedarfs beliebt, und auch in Island ist sie zwischen 1920 und 1945 vor allem in Þorshöfn auf das Halbinsel Langanes gefangen worden. Heute interessieren sich nur noch Gourmets für die Islandmuschel, und in Europa steht sie unter Schutz. Gut für die Muschel, deren Bestand sich an den Küsten der USA durchaus in kritischem Zustand befindet. In Island hingegen ist der Islandmuschelbestand gross und gesund und könnte den Fang vertragen. Allerdings muss dafür der Meeresboden aufgegraben werden.

Schlechtes Wetter schlecht für Muscheln
Das hohe Alter der Islandmuschel könnte mit dem langsamen Stoffwechsel zusammenhängen. Stefán Áki meint, die Muschel verfüge über hervorragende Adaptionseigenschaften und könne über eine lange Zeit im Meeresboden eingegraben verweilen, bei Sturm etwa, oder in kalten Wintern.
Stürme können der Islandmuschel nämlich den Garaus machen, wenn sie den Meeresboden aufwühlen und die Muschel an Land oder zwischen Felsen spülen, wo sie sich nicht eingraben kann, und leichte Beute für hungrige Beutejäger darstellt.

Und die Klimaerwärmung? Übersäuerung der Meere? Stefán Áki macht sich da weniger Sorgen um die Islandmuschel. Er glaubt, dass die Muschel dann einfach weiter nach Norden und in kältere Gefilde abwandert. Die Übersäuerung der Meere könnte ihr durchaus zu schaffen machen, andererseits habe sie eine dicke Schale, die sie vor äusseren Einwirkungen gut schütze.

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