Deutscher Tourist zerstört Þjórsárver mit 14-Tonner Skip to content
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Photo: YouTube Screenshot: .

Deutscher Tourist zerstört Þjórsárver mit 14-Tonner

Ein deutscher Abenteuertourist hat mit seinem 14 Tonnen schweren Armeetruck im Naturschutzgebiet Þjórsárver ausgedehnte Erdschäden verursacht. In seinem Youtube-Kanal Pete Ruppert Universe ist ein entsprechendes Abenteuervideo zu finden, welches auf der Insel heftige Kritik hervorgerufen hat.

Ruppert war mit seinem Riesentruck im isländischen Hochland unterwegs gewesen. Als der Truck im weichen Erdreich einer Piste versinkt, greift Ruppert zu drastischen Massnahmen und hinterlässt heftige Schäden in der Natur. Die Piste, auf der sich Ruppert und sein Kumpan befanden, ist allenfalls für leichte Fahrzeuge ausgelegt und befindet sich in der Nähe der Berghütte Tjarnarver, an der Furt Sóleyjarhöfðavað im Naturschutzgebiet Þjórsárver südlich des Hofsjökull.

War nicht offroad unterwegs
Daníel Freyr Jónsson von der isländischen Umweltagentur sagte RÚV gegenüber heute, Ruppert sei nicht offroad gefahren, sondern auf einem Weg unterwegs gewesen. Dennoch sei sein Verhalten alles andere als vorbildhaft in einem unter Naturschutz stehendem Gebiet.

Der deutsche Tourist hat indes alle Vorwürfe zurückgewiesen. Niemals sei er ausserhalb markierter Wege unterwegs gewesen, aber viele Wege seien schlecht markiert, da sei er eben den Fahrspuren anderer gefolgt. Die Landschaft in der Gletscherregion sei wegen der Flussläufe in ständigem Wandel begriffen. Island solle solche Pisten entweder sperren oder besser markieren, damit Leute sich nicht verirren. Im Übrigen wolle er ohnehin nicht mehr nach Island kommen.

Piste dient keinem Zweck und gehört gesperrt
Die Vorsitzende der Þjórsárvinir (Freunde der Þjórsár), Sigþrúður Jónsson, sagte Vísir gegenüber, sie habe schon lange darauf gedrängt, genau diese Piste zu sperren. “Als das Naturschutzgebiet im Jahr 2017 ausgeweitet wurde, war das ein langer Prozess und wir haben damals eingewandt, dass diese Pisten gesperrt gehören. Darauf wurde nicht reagiert, da haben wir die Umweltbehörde gebeten, die Piste zu markieren. Wenn du in das Naturschutgebiet reinfährst, weisst du nämlich gar nicht, dass du in ein Naturschutzgebiet gefahren bist.” erklärt Sigþrúður, die das Þjórsárver wie wohl kaum ein anderer kennt.

Die fragliche Piste sei bis 1984 genutzt worden, als zuletzt Schaftreiber in Bolstað bei Sóleyjarhöfði übernachtet hätten. Seither diene sie keinem Zweck mehr und sei daher auch nicht instandgehalten worden. In den letzten Jahren seien immer wieder Leute dort unterwegs gewesen und hätten die Piste mit ihren Fahrzeugen beschädigt. Sigþrúður hält es daher für sinnvoller, die Piste ganz zu sperren.
“Wir haben versucht, Druck auf die Umweltagentur auszuüben, die Verantwortung liegt ganz klar bei denen. Es gibt viele Pfade auf der Karte, die da gar nicht hingehören. Diese Piste war ein Reitweg, ein alter Weg zwischen dem Norden und Süden. Und jetzt hat es dort einen schlimmen Umweltunfall gegeben.”
Den deutschen Touristen bezeichnet Sigþrúður als frech.
“Dort fehlt eine Kennzeichnung, aber mit einem schweren Truck auf eine Piste aus Erdreich zu fahren, da fehlt es auch an gesundem Menschenverstand.”  Jeder der in einem anderem Land unterwegs sei, müsse sich mit den Bedingungen vertraut machen.

Sie habe in letzter Zeit viele dieser schweren Armeetrucks gesehen, die unbeaufsichtigt im Hochland unterwegs seien, meist kämen diese Fahrzeuge aus Deutschland oder Österreich. “Diese Leute fahren da völlig unkontrolliert herum, weil es in diesem kaum besuchten Gebiet keine Aufsicht gibt, dort ist auch kein Ranger postiert.” sagt Sigþrúður.

Þjórsárver – einzigartige Natur auf 600 Metern Höhe
Das Feuchtgebiet Þjórsárver liegt zwischen dem Gletscher Hifsjökull und der Hochlandpiste Sprengisandur. Es ist ein einzigartiges Gebiet in der isländischen Natur, weil dort auf 600 Metern Höhe eine dichte Vegetation zu finden ist. Ausserdem hat ein Drittel aller Kurzschnabelgänse ihr Brutgebiet im Þjórsárver.
Es gibt dort zahlreiche Seen, Inselchen, sowie Gletscherflüsse aus dem Hofsjökull. Das Gebiet ist sehr flach und eins der grössten Permafrostgebiete Islands, trotzdem beeindruckt der Reichtum von Flora und Fauna: mindstens 663 Pflanzen, Moose und Flechten kommen dort vor, darunter einige der seltensten Pflanzen der Insel, sowie 47 Vogelarten, davon brüten 27 in dem Gebiet, einige davon stehen auf der Liste der bedrohten Arten.
Þjórsárver steht seit 1981 unter Naturschutz, für Vögel und Feuchland gilt das Ramsar-Abkommen.

Wegen der vielen Seen und Flussarme sind die Schaftreiber der Gemeinde Skeiða-og Gnúpverjahreppur im Þjórsárver immer noch ausschliesslich zu Pferd unterwegs. Sie müssen das Gebiet von Þjórsarver bis zum Berg Arnafell hið Mikla nach Schafen absuchen, denn dort oben endet der Hochlandzaun, der die Schafseuchenschutzgebiete des Landes voneinander trennt.

Generell wird davor gewarnt, nach Mitte September ins Hochland zu fahren. Wo es nicht schon geschneit hat, führen starke Herbstregenfälle dazu, dass Pisten aufweichen und aus kleinen Pfützen tiefe Schlammkuhlen werden, in denen auch geländegängige Fahrzeuge versinken. Immer wieder war in den letzten Jahren von Touristen berichtet worden, die mit ihren Fahrzeugen ausserhalb der Saison schwere Schäden auf Pisten oder ganz Offroad angerichtet hatten.

 

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