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Der Jurtenkrieg in Strandir

Ein bemerkenswerter Kleinkrieg trägt sich dieser Tage in der abgelegenen Region Strandir in den Westfjorden zu.

Dort entsteht in der Gemarkung Seljanes, die sich im Besitz von sieben Landeigentümern befindet, eine 30 Quadratmeter grosse Jurte, in der in diesem Sommer Veranstaltungen und Kurse rund um die isländische Volkskultur stattfinden sollen. Im Herbst soll die Jurte dann wieder abgebaut werden.

Initiatorin und Veranstalterin ist Elin Agla Briem, eine alleinerziehende, besitzlose Mutter in Saisonarbeit, wie Stundin schreibt, und Volkskulturbäuerin, die für das Sommerprojekt Fördergelder unter anderem von der Initiative Brotthættir byggðar (Zerbrechliche Siedlungen) erhalten hat.

Elin hatte die Erlaubnis für den Bau der Jurte auf einem Holzrahmen von all jenen Landeigentümern eingeholt, die vor Ort leben. Die Jurte hinterlässt so gut wie keine Spuren der Bautätigkeit.

Ich habe alles gegeben, um das Material zu kaufen und das Projekt auf den Weg zu bringen,” sagt sie. Das Zelt soll den Betrieb der Volkskulturwirtschaft und eine Volkskulturschule beherbergen, sowie das Leben an sich pflegen. “Das ist seit vielen Jahren mein Traum gewesen, in Árneshreppur solch ein Zelt zu errichten,” erklärt Elin.

Einer jedoch ist gegen das Zelt, und macht der Volkskulturbäuerin nun die Hölle heiss. Der in Reykjavík ansässige pensionierte Kellner Gísli Baldur Jónsson ist nämlich einer der sieben Landeigentümer der Gemarkung Seljanes zwischen dem Ófeigsfjörður und dem Ingólfsfjörður in Strandir, und er hat mit Jurten und Volkskultur absolut nichts am Hut, stattdessen hat er Elin Agla in einem Brief mit Massnahmen gedroht, die sie “Millionen” kosten würden. Überdies sei sein Land in Seljanes von jeglichem Müll wie kaputten Autos, Maschinen und Schrott der Bewohner von Dranga zu reinigen.

Der Brief war auch an die Bezirksleitung, den Bauausschuss und den Bauamtsvertreter gegangen. In einem weiterem Brief drohte er Elin Agla mit ernsten rechtlichen Schritten und einem Abrisstrupp.

Jurtengegner Gísli Baldur hat sich den Schrieb an die Behörden von der Tochter von Pétur Guðmundsson im Ófeigsfjörður und deren Ehemann bezeugen lassen. Jener Pétur Guðmundsson hatte es im vergangenen Jahr in die Medien geschafft, nachdem er die Wasserrechte auf seinem Land an die Betreiber des umstrittenen Wasserkraftwerks Hvalárvirkjun verkauft hatte.

Gísli Baldur zufolge sei die Hälfte der Landeigentümer gegen die Jurte.

Elin Agla kann jedoch die Erlaubnis von Sveinn Kristjánsson stellvertretend für alle Landeigentümer der Gemarkung vorweisen.

Die eine Hälfte der Landbesitzer (die Leute von Dranga) will zudem das Gebiet nördlich und westlich der Drangaskörð unter Naturschutz stellen, damit dem Kraftwerksbau ein Riegel vorgeschoben wird. Die andere Hälfte unterstützt den Kraftwerksbau – auch der 81-jährige Reykjavíker Gísli Baldur, dessen Grossvater in der Region geboren wurde und dessen Vater als Kind die Sommer dort verbrachte. Er selber, Gísli, sei “immer hin und wieder” vor Ort.

Mit dem Kraftwerksbau und den dazugehörigen Trassenbauarbeiten habe er kein Problem. Nördlich und westlich von Seljanes müssen die Wege in den Ingólfsfjörður verbreitert und aufgeschüttet werden, damit die Bagger sich ihren Weg in eine Region bahnen können, wo zur Zeit niemand ganzjährig lebt.

Er sei vor 40 Jahren dahin gefahren und habe sich das [Kraftwerksgebiet] angeschaut, sagt Gísli. Er habe keine Sorge, dass Wasserfälle zerstört werden und verschwinden, wie es im Umweltgutachten angemerkt wird.

Vor einigen Tagen hatte sich, wie Stundin berichtet, ein Einwohner der Gemeinde vor den Bagger gestellt und es geschafft, dass die Denkmalbehörde die Trassenbauarbeiten offiziell stoppte, weil völlig unklar war, ob sich auf der anvisierten Strecke nicht vielleicht unentdeckte archäologische Stätten befinden.

Währenddessen baut Volkskulturbäuerin Elin Agla unverdrossen weiter an ihrer Jurte, die, wenn sie im Herbst abgebaut wird, keinerlei Spuren in der Natur hinterlassen wird. Viele freiwillige Helfer sind nach Seljanes geeilt, denn am 12. Juli soll das Kursprogramm für isländische Volkskultur beginnen.

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