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Photo: GISS Surface Temperature Analysis Map, .

Blue Blob verlangsamt das Schmelzen isländischer Gletscher – vorerst

Islands Gletscher haben seit der kleinen Eiszeit an Masse eingebüsst, doch dieser Prozess hat sich im vergangenen Jahrzehnt etwas verlangsamt. Verantwortlich dafür ist ein Phänomen, das Wissenschaftler den Blue Blob nennen, “ein Gebiet im Nordatlantik südlich von Grönland, wo es regional abkühlt,” heisst es bei Euronews. Im Bild oben ist der blaue Fleck südlich von Grönland und Island deutlich zu erkennen. Blue Blob ist nur einer der Funde in einer Studie, an der isländische und dänische Wissenschaftler gearbeitet haben. Demnach ist die Verlangsamung der Gletscherschmelze wohl leider nur temporär.

Wenn sich im Winter auf den Gletschern weniger Schnee ansammelt als im Sommer schmilzt, nennt man dies Negative Massenbilanz, was dann zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt. In Island hat sich dieser Prozess zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschleunigt, seit 2011 verzeichnet man jedoch eine Verlangsamung. Das gilt als besonders überraschend, weil der Masseverlust in nahegelegenen arktischen Gletschern, vor allem dem grönländischen Eisschild, der als der grösste Verursacher für den Anstieg der Meeresspiegels gilt, sich nicht verlangsamt hat. Über einen Zeitraum von 12 Monaten, von August 2020 bis August 2021, hat der grönländische Eisschild 166 Milliarden Tonnen Eis verloren.

Im Laufe der Untersuchungen bemerkte das isländisch-dänische Forscherteam, dass der langsamere Masseverlust der isländischen Gletscher offenbar mit dem Auftauchen des Blue Blob zusammenfiel. Da Island den maritimen Einflüssen weitaus mehr ausgeliefert ist als Grönland, könnte eine kältere Luftkonvektion aus dem Blue Blob die isländischen Gletscher vor einer negativen Massebilanz bewahrt haben.

Das Mysterium im arktischen Meer
Blue Blob
ist ein Mysterium, das Wissenschaftlern seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet. Im Zeitraum der letzten 100 Jahre sind die globalen Temperaturen um durchschnittlich ein Grad gefallen. In der gleichen Zeit ist jedoch auch die Temperatur des Blue Blob fast direkt proportional um neun Grad gefallen. Eine Hypothese besagt, dass die nordatlantische Meeresströmung schwächer geworden ist, wodurch die nordischen Gewässer weniger warmes Wasser aus den Tropen erhalten. Im Jahr 2016 bot der norwegische Klimaexperte Peter Langen eine recht simple Erklärung: der Blob sei durch einen extrem kalten Winter entstanden, und die Kälte habe eine verstärkte Durchmischung von Oberflächenwasser mit kälteren Wasserschichten aus der Tiefe bewirkt. Ein Erklärungsversuch aus 2020 besagt, der kalte Ort sei menschengemacht, durch tiefliegende Wolken, die das Sonnenlicht ablenken.

Wie auch immer der Blue Blob enstanden sein mag, seine Auswirkung auf die isländischen Gletscher ist deutlich sichtbar. Der gebremste Masseverlust der Gletscher wird jedoch nicht ewig anhalten, meinen Forscher. Klimamodelle, in denen Satellitenbilder wie Feldforschungen Eingang fanden, legen nahe, dass es bis in die 2040er Jahre ein kurzes Zeitfenster geben wird, wo die isländischen Gletscher auf eine Massenbilanz von Null gehen. Ab den 2050ern übernimmt die globale Erwärmung dann das Ruder.

Islands Gletscher könnten ein Drittel ihres Volumens verlieren

Blue Blob wird irgendwann nicht mehr kühlen, meinen die Wissenschaftler. Dann werden Islands Gletscher schneller schmelzen. Wenn es keine Intervention gibt, um den Klimawandel aufzuhalten, dürften die Gletscher der kleinen Atlantikinsel zum Ende des 21. Jahrhunderts ein Drittel ihres Volumens verloren haben. Allein dieses Drittel könnte bereits desaströse Auswirkungen auf der ganzen Welt haben. Doch noch besteht Hoffnung.

“Die Arktis erwärmt sich rasch, und es kann schwierig werden, damit zu leben,” meint einer der Autoren der Studie, Brice Noël, vom Institut für Marine und Atmosphärische Forschung in Utrecht Euronews gegenüber. “Aber Klimaprojektionen zeigen uns Verläufe, an denen wir erkennen können, was wir tun müssen, um die Gletscherschmelze abzumildern.”
Die ganze Studie findet man hier.

 

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