Parlamentarier verlangen Rückgabe der "Volkssagen" von Deutschland Skip to content
Jón Árnason, collector of Folk Stories
Photo: Photo: Hans Peter Hansen. Jón Árnason, collector of Folk Stories.

Parlamentarier verlangen Rückgabe der “Volkssagen” von Deutschland

Die isländischen Volkssagen, þjóðsögur, spielen eine wichtige Rolle in der isländischen Kultur. Sie berichten von Interaktionen zwischen dem Menschen und der übernatürlichen Welt, in der Trolle, Elfen, Geister und magische Wesen oft keinen Steinwurf entfernt vom Menschen leben. Jetzt verlangen Parlamentarier, dass das historische Manuskript von Deutschland an Island zurückgegeben wird, berichtet RÚV.

Zwei Historiker sammeln Geschichten
Die Volkssagen waren im Geiste der Gebrüder Grimm vom Bibliothekar Jón Árnason im 19. Jahrhundert gesammelt und zwischen den Jahren 1862 und 1864 veröffentlicht worden. Jóns Originalmanuskript war für die Drucklegung nach Deutschland geschickt worden, und zwar auf Betreiben des deutschen Rechtshistorikers Konrad Maurer, der im Sommer 1858 Island bereiste und ebenfalls Volksmärchen und Abenteuergeschichten sammelte. Maurer zeigte grosses Interesse an der Insel und ihrer Geschichte und soll sehr gut isländisch gesprochen haben. Sein Buch über isländische Folklore, „Isländische Volkssagen der Gegenwart“, wurde 1860 veröffentlicht.
Maurer, der sowohl mit dem Volkshelden und späteren Staatspräsidenten Jón Sigurðsson als auch mit Jón Árnarson befreundet war, vermittelte letzerem einen Herausgeber in Leipzig und hat das Manuskript offenbar zur Drucklegung begleitet. Danach verlor sich die Spur des Manuskriptes. Nun ist es zufällig in den Akten von Konrad Maurers Vater in der Bayerischen Staatsbibliothek in München gefunden worden.

Nationales Erbe
Die 15 Parlamentarier, allesamt dem rechten Flügel zugehörig, wollen nun, dass das Manuskript zurückgegeben wird. „Es ist nicht angemessen, dass unsere isländischen Volkssagen anderswo als in Island aufbewahrt werden,“ gab der Abgeordnete der Volkspartei, Jakob Frímann Magnússon RÚV gegenüber an. Die Volksmärchen von Jón Árnason seien als Teil eines erwachenden Nationalgefühls des 19. Jh zu verstehen. Die Isländer hätten ihre Existenz mit einem ähnlichen nationalen Erbe beweisen wollen wie andere europäische Nationen.
Mit dem Vorschlag zum Parlamentsbeschluss werden Aussenminister und Kultusminister aufgefordert, sich für eine Rückgabe der Handschrift einzusetzen.

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