Erster Achtsitzer seit 100 Jahren aus isländischem Holz gebaut Skip to content
Rowing boat, áttæringur
Photo: Screenshot Vísir. Áttæringur.

Erster Achtsitzer seit 100 Jahren aus isländischem Holz gebaut

Bootsbauer haben vorgestern das erste Ruderboot seit mehr als 100 Jahren fertiggestellt, berichtet Vísir. Das Holz, aus dem der Achtsitzer gebaut wurde, stammt aus isländischen Wäldern.

In einem Schreinerschuppen im Reykjavíker Hafenabschnitt Sundahöfn hatte Bootsbauer Hafliði Már Aðalsteinsson seit Januar an dem Boot gearbeitet. Letzter Arbeitsschritt am Donnerstag war der Anstrich mit Leinöl gewesen, nicht etwa Teer, wie es einmal Tradition gewesen ist. “Wenn das nur Teer wäre, dann schmilzt der in der Sonne und die Leute finden Flecken an ihrer Kleidung. Aber weil das ein Ausstellungsstück wird, für Leute in guter Kleidung, und nicht für Seeleute in Ölzeug, wie früher,”, so Hafliði, benutze man Öl, um das Holz zu schützen. Initiiert hatten den Bootsbau Privatleute und der Seemannsverein aus Grindavík. “Es gab kein solches Boot mehr. Die sind verschrottet worden. Wir haben die ja alle fleissig an Silvester verbrannt,” hatte Hafliði bei Baubeginn im Januar erklärt.  Hier sieht man, wie im Jahr 2004 eins der wenigen noch erhaltenen Ruderboote ins Nationalmuseum getragen wird.

Im Achtsitzer auf Haifischjagd
Ein solches Boot, so der Bootsbauer, sei zuletzt vor gut 100 Jahren in Island gebaut worden. Es wird zwar Achtsitzer genannt, hat aber mit seinen elf Metern Platz für zehn Ruderplätze. “Die waren nicht grösser, als man sowas benutzte. Das hier ist natürlich ein Ruderboot aus dem 19. Jahrhundert, bevor die Schiffsmotoren kamen.”
Von den Achtsitzern gab es ohnehin nicht viele. Fischer benutzten eher Sechssitzer, mit denen man auf See die Netze auswarf. Grössere Schiffe konnten die Leute nicht bewegen, denn vor allem an der Südküste gab es ja keine Häfen und Boote mussten von Hand an Land gezogen werden.
Die Achtsitzer wurden eher zur Haifischjagd eingesetzt, und für den Gütertransport, etwa vom Schiff zum Strand. Im Osten der Insel gab es einige davon, im Westen waren sie seltener zu sehen.

Isländisches Holz, zum ersten Mal?
Hafliði ist der achte Bootsbauer in Folge in seiner Familie, hat den Beruf von seinem Vater im Breiðafjörður gelernt, wo um 1906 das letzte derartige Ruderboot entstanden war, damals jedoch nicht aus isländischem Holz.
“Unsere Vorväter haben Treibholz dafür genutzt. Doch nun kommt kein Treibholz mehr. Da benutzen wir halt isländisches Holz.” meint er. Kiel und Boden sind aus Lärche aus dem Þjórsárdalur entstanden, riesige Bäume, so Hafliði, immerhin messe der Kiel sieben Meter. “Es gibt durchaus anständige Baumstämme hier.” Auch für weitere Boote, sagt der Bootsbauer, wüchsen inzwischen brauchbare Bäume in Island. Er bezweifelt hingegen, dass die ersten Siedler auf der Insel solches Holz vorgefunden hätten. Die Insel war zwar zu 60 Prozent bewachsen, und 40 Prozent davon bestanden aus Wald, doch niemand kann heute mehr sagen, wie hoch die Bäume damals gewesen sind. Hingegen weiss man, dass viele Siedler ihre Häuser in Einzelteile zerlegt aus Norwegen mitbrachten.

Der jüngste Bootsbauer des Landes, Einar Jóhann Lárusson, ist an dem Projekt mit beteiligt. Er freut sich darüber, mit isländischem Holz arbeiten zu können. “Lärche aus dem Þjórsárdalur und der Heiðmörk, Fichte aus Finnland, die Nägel aus Norwegen. Ein gesamtnordisches Werk sozusagen,” meint Hafliði.
Das fertige Boot kann beim Seemannstag in Grindavík besichtigt werden.

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