Djúpavík: Neues Baskenmuseum in der Heringsfabrik eröffnet Skip to content
Photo: Abraham Storck, 1690. Vísindavefurinn..

Djúpavík: Neues Baskenmuseum in der Heringsfabrik eröffnet

In der alten Heringsfabrik in Djúpavík in Strandir ist der erste Teil eines Baskenmuseums eröffnet worden, berichtet RÚV. Dort kann man die tragische Geschichte baskischer Walfänger aus dem 17. Jahrhundert nachverfolgen, die im Reykjafjörður Schiffbruch erlitten und von den isländischen Konkurrenten erbarmungslos gejagt worden waren.

Massaker mit ungeklärtem Hintergrund
„Im Jahr 1615 trug sich zu, dass hier im Reykjafjörður drei Walfangschiffe strandeten, und darauf begannen dramatische Ereignisse, die damit endeten, dass der Amtmann Ari auf Ögri die Schiffbrüchigen im Ísafjarðardjúp töten liess,“ fasst Héðinn Birnir Ásbjörnsson vom Baskasetrið die Geschichte kurz zusammen.
Die Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden waljagenden Nationen in isländischen Gewässern waren offenbar nicht immer friedlich, und als im harten Winter 1615 drei baskische Walfangschiffe in den Westfjorden strandeten und die übriggebliebenen 32 Schiffbrüchigen sich an Land durch Einbrüche und Diebstähle am Leben hielten, wurden sie von Einheimischen gejagt und brutal getötet. Amtmann Ari auf Ögri legitimierte die Tat aufgrund der Jónsbók von 1261, nach der die Schiffbrüchigen, die keine Almosen erbeten hatten, kurzerhand zu Gesetzlosen erklärt wurden. Der Isländer Jón Guðmundsson “der Gelehrte”, der selbst mit den Schiffbrüchigen gesprochen hatte und hernach die Tat des Ari kritisierte, wurde ebenfalls für gesetzlos erklärt.  Ein Mann entkam dem Massaker, 50 hatten sich gleich nach dem Schiffbruch auf einem gestohlenen Boot retten können. Die exakten Hintergründe des Ereignisses sind bis heute ungeklärt.

Entschuldigung nach 400 Jahren
„Das waren keine Piraten, sie waren nur Seeleute und wurden vielleicht aus ganz einfachen Gründen getötet,“ meint Héðinn. Spätere Spekulationen führten zu der Annahme, dass der Amtmann möglicherweise seine Spuren verwischen wollte, weil er derjenige war, der in den Westfjorden die Walfanglizenzen verkaufte, und Steuern hinterzogen haben könnte.
400 Jahre später bat Ólafur Engilbertsson, der Vorsitzende des Vereins der Baskenfreunde in Island, die Basken formal um Entschuldigung. Der Verein war im Jahr 2012 gegründet worden, um die Beziehungen zwischen Isländern und Basken zu pflegen und Forschung zu betreiben. Im Jahr 2015 war ein Buch erschienen, welches das Massaker aus der Sicht von Jón dem Gelehrten beleuchtet. Ende April 2015 wurde in Hólmavík ein Gedenkstein zum Massaker enthüllt. In einer Zeremonie hatte der amtierende Landrat das Dekret des Ari auf Ögri formell zurückgenommen.

Kunst und Geschichte im Fischöltank vereint
Ein Zuschuss vom Regionalentwicklungsbüro in Árneshreppur habe für das neue Museum den Ball ins Rollen gebracht, erklärt Héðinn, und die Zusammenarbeit mit Ólafur, baskischen Kunsthandwerkern, Künstlern und Forschern habe sich als fruchtbar erwiesen. Auch Geld aus dem EU-Fonds Creative Europa war geflossen.
An der Wand des Gewölbes im alten Fischöltank von Djúpavík findet sich ein Seefahrergebet in baskischer Sprache. „Die Leute möchten glauben, dass die Basken Barbaren waren, aber schaut man sich die Geschichte genauer an, dann sind die Beziehungen zwischen diesen Nationen wahrscheinlich nur positiv gewesen.“ Das erste isländische Wörterbuch etwa war ein baskisch-isländisches Wörterbuch.

In der Ausstellung gibt es auch Boote wie die zu sehen, mit denen die Basken den Atlantischen Nordkaper jagten, eine Walart mit besonders dicker Fettschicht. „Die Txalupa (Schaluppe), ist ein Leichtboot, ein Walfangboot das auf der Grundlage von 400 Jahre alten Zeichnungen mit skandinavischen Merkmalen gebaut wurde.  Möglicherweise haben die Basken die Bootsbaukunst von skandinavischen Völkern gelernt.“ Diese Leichtboote wiesen übrigens auch Ähnlichkeit mit isländischen Fangbooten auf.
Die Ausstellung ist kostenlos, alle Informationen kann man sich per QR-Code ins Handy herunterladen.

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