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Photo: Trú.

Ásatrú-Gemeinschaft von Rechtsextremisten bedroht

Der isländische Gode Hilmar Örn Hilmarsson hat schon mehrere Morddrohungen von Rechtsextremisten erhalten, die versuchen, heidnische Traditionen zu missbrauchen. Er sieht auch heilige Zeichen wie das Sonnenkreuz und den Thorshammer in Missbrauchsgefahr und bezeichnet ihre Benutzung als feindliche Übernahme heiliger Symbole, die die Gemeinschaft der Heiden als unangebracht und abstossend empfinde, berichtet Vísir.

Hilmar Örn ist der geistliche Führer des Ásatrú-Vereins, der vor gut einem halben Jahrhundert gegründet worden war. Die Zusammenkünfte der Leute, die sich mit Sonnenkreuz und Thorshammer fremdschmückten, seien nicht immer friedlich. Er nennt als Beispiele die Heathen Front und die Asatru Folk Assembly, die sich heidnisch nennen, aber Rechtsextremismus predigten. Die meisten von ihnen seien in den USA beheimatet, aber auch in Deutschland und Spanien, und Hilmar sagt, sie hätten auch in Island Gefolgsleute, die ihn übel beschimpften. Bislang sei es seiner Gemeinschaft gelungen, sich von diesen Extremisten abzugrenzen.

Nächtliche Morddrohungen
„Ich habe vier oder fünf Jahre keine Morddohungen mehr erhalten, was ich vermisse“ sagt Hilmar. Jetzt sei das anders. Da sei mitten in der Nacht angerufen und gedroht worden, doch er habe sich schliesslich darüber lustig gemacht, und da hätten die Anrufer aufgegeben.
Hilmar zufolge missverstünden Rassisten die Ásatrú, willentlich oder unwillentlich, denn die Idee einer Volkszugehörigkeit habe es zur Zeit der Landnahme ja gar nicht gegeben.
“Die Isländer haben sich als nordisch betrachtet und sprachen dänisch. Das steht in unseren ältesten schriftlichen Quellen. Als der Alte Vertrag 1262 aufgesetzt wurde, waren wir immer noch nordische Leute.” erklärt der Gode. Die nordische Idee der Extremisten stamme aus der Denkwelt der deutschen Romantik des 19. Jh und sei alle andere als wissenschaftlich, denn eigentlich sei Skandinavien im Mittelalter ein kultureller Schmelztiegel gewesen.
„Hier sind alle möglichen Leute hingekommen. Es gab viele Sami, es gab Kelten und möglicherweise Leute aus der Mongolei, wie Guðmundur heljarskinn, über den das Buch Der schwarze Wikinger berichtet. Auch aus dem Süden kamen Leute hierher. Das sei alles per DNA belegt. “Den blonden, blauäugigen Wikinger hat es quasi gar nicht gegeben. Das ist eine Fantasie des 19. Jahrhunderts.”

Bislang, so Hilmar, sei es den Rechtsextremisten nicht gelungen, Sonnenkreuz und Thorshammer zu “stehlen”, auch wenn sie es versucht hätten.
Und die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft sind auch nicht die einzigen, die sich von Rechtsextremisten abgrenzen müssen – davon könnten Hardrockbands wie Sororocide oder Skálmöld ein Lied singen.
“Diese Bands haben diese Typen weggebissen, was ich sehr schön finde,” sagt Hilmar, der selbst Musiker ist und mit einigen der Bands zusammengearbeitet hat. “Das beste was man da machen kann, ist das mit Humor zu nehmen, weil diese Typen keinen Humor haben.”

 

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