Blutstuten: Monopolstellung der Ísteka bleibt ohne Konsequenzen Skip to content
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Photo: Dagmar Trodler.

Blutstuten: Monopolstellung der Ísteka bleibt ohne Konsequenzen

Das Pharmaunternehmen Ísteka benutzt seine starke Marktposition dazu, Preisverhandlungen mit Blutfarmern zu normalen Bedingungen zu vermeiden. Zu diesem Ergebnis ist die isländischen Wettbewerbsbehörde in einer aktuellen Resolution gekommen, berichtet Bændablaðið. Ísteka ehf. ist der größte Pferdehalter in Island und führt im Wettbewerb mit Blutfarmern die Blutgewinnung aus eigenen Blutstuten durch.  Im Dokument der Wettbewerbsbehörde heißt es, das Unternehmen sei an allen Gliedern der Wertschöpfungskette beteiligt, was als vertikale Integration definiert werden kann (also die Internalisierung von vor- oder nachgelagerten Fertigungsstufen). Ísteka ist das einzige Unternehmen, das Stutenblut in Island kauft, verarbeitet und exportiert.

Fehlen jeglicher Transparenz
Die Wettbewerbsbehörde stellt fest, dass Ísteka den Preis für Stutenblut einseitig und ohne jede Transparenz festlegt. Blutlieferanten erhalten keine Informationen über Ergebnisse aus den durchgeführten Blutproben (die Stuten müssen dazu ebenfalls regelmässig punktiert werden, zusätzlich zur Punktion an den Blutgewinnungstagen)
Die Bauern finden es wichtig, Zugang zu den Daten zu erhalten, die sich auf die Blutgewinnung aus Nutztieren in ihrem Besitz beziehen. Offenbar hat die Ísteka aber auch weiterhin nicht vor, Informationen über die Blutqualität an die Besitzer der Tiere herauszugeben. Da der Zugriff der Landwirte auf die von Ísteka gesammelten Daten begrenzt ist, trägt dies zu Informationsungleichgewicht bei und fördert Misstrauen auf dem Markt.
Ísteka selbst hält Blutstuten im Wettbewerb mit den Landwirten und verfügt über Informationen über seine Konkurrenten auf dem Markt. Ísteka kann daher im Gegensatz zu den Landwirten fundierte unternehmerische und züchterische Entscheidungen treffen. Beispielsweise hat die Ísteka erfolgreich Stuten mit einem höheren PMSG-Gehalt im Blut gezüchtet.

Monopolstellung der Ísteka
Ísteka steht auf dem Standpunkt, die isländischen Blutfarmer könnten ihr Blut ja ausländischen Produzenten verkaufen. Bei der Wettbewerbsbehörde sieht man jedoch nicht, wie das zu bewerkstelligen ist. Nur wenige Unternehmen führen solche betrieblichen Aktivitäten auf internationaler Basis durch. Ísteka ist das einzige Unternehmen in Island, das über eine Lizenz zur Herstellung von eCG/PMSG verfügt, welches aus dem Blut tragender Stuten extrahiert wird.
Die Wettbewerbsbehörde ist daher der Ansicht, dass die Ísteka als einziger Blutaufkäufer eine Monopolstellung im Land hält. Die hohen Kosten in der Biotechnologie stellen ein großes Hindernis für den Markteintritt dar, der Eintritt anderer Unternehmen in den Wettbewerb gilt daher als unwahrscheinlich.
Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde handelt es sich bei zwischen Ísteka und Blutfarmern geschlossenen Verträgen um sogenannte Alleinkaufverträge. Die Pferdezüchter verpflichten sich, während der Vertragslaufzeit ausschließlich der Ísteka Blut zu verkaufen. Der Privatverkauf umfasst sämtliche Stuten des jeweiligen Landwirts, ganz gleich ob die Ísteka sie zur Blutgewinnung auswählt oder nicht.

Kein Geld für Abschlussbericht
Die Feststellungen der Behörde drohen nun jedoch ohne Konsequenzen zu bleiben, denn „aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Personalmangel war die Wettbewerbsbehörde nicht in der Lage, ihre Ermittlungen gegen Ísteka durch formelle Intervention abzuschließen.“
Stattdessen geht eine Stellungnahme an das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei als für die Blutbranche zuständige Behörde.
Gleichzeitig wird Ísteka über ihre Marktposition informiert und erhält Hinweise auf mögliche Maßnahmen, mit denen das Unternehmen die Wettbewerbsgesetze besser befolgen könnte. Die Stellungnahme diene auch der Information der Landwirte.
Mehr zum kontroversen Thema Blutstuten finden Sie hier.

Blutlizenz bis Oktober 2025
Zuletzt hatte die Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) geprüft, ob Anlass für eine Einziehung der bestehenden Betriebslizenz besteht. Diese Lizenz war im letzten Jahr auf der Basis einer bestehenden Verordnung erteilt worden. Die Regulierungsbehörde der EFTA hatte im Herbst verfügt, dass die Blutstutenhaltung nicht unter diese Verordnung fallen soll, sondern unter eine Verordnung zum Schutz von Tieren, die für wissenschaftliche Zwecke benutzt werden. Momentan gelten Blutstuten in Island als „landwirtschaftliche Nutztiere“. Dagegen hatten Tierschützer bei der EFTA Beschwerde eingelegt.

MAST sieht jedoch keinen Grund, die bis zum Oktober 2025 geltende Betriebslizenz einzuziehen. Es brauche schon schwerwiegende Gründe für den Einzug einer Lizenz, die der Lizenzhalter bereits nutze, hiess es bei der Veterinäraufsichtsbehörde.

Der Stellung des Tierschutzes in der Blutstutenbranche scheint trotz Videodokumentation durch ausländische Tierschutzorganisation und durch Journalisten der staatlichen Sendeanstalt RÚV, und trotz Fachartikel von in- und ausländischen Tierärzten in Bezug auf die enorme Blutmenge, um die isländische Blutstuten allsommerlich erleichtert werden, weniger Gewicht zugestanden zu werden als dem jährlichen Exportertrag des Hormons von mehr als zwei Milliarden ISK. Hauptabnehmer des Trächtigkeitshormons ist weiterhin Deutschland und die deutsche Schweinezuchtindustrie.

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