Blutstuten: Ísteka behält Betriebslizenz für Blutgewinnung Skip to content
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Photo: Bloodmare in restraint. Screenshot AWF/TSB.

Blutstuten: Ísteka behält Betriebslizenz für Blutgewinnung

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist der Ansicht, dass es keine ausreichenden rechtlichen Gründe für einen Widerruf der Betriebslizenz des Pharmaunternehmens Ísteka gibt, und dass der Betrieb auf der Grundlage einer bis Oktober 2025 gültigen Lizenz weitergeführt werden kann. Ísteka ehf. ist das einzige Unternehmen in Island, welches das Blut tragender und laktierender Stuten aufkauft und daraus ein Hormon extrahiert, das in der europäischen Nutztierindustrie zum Einsatz kommt.

Daten und Standpunkte geprüft
Auf der Webseite heisst es, dass Mitarbeiter der Behörde verfügbare Daten und den Standpunkte der Ísteka geprüft worden seien. Das Blutfarming steht seit 2021 in Island in der Kritik, nachdem ausländische Tierschutzverbände Videos veröffentlicht hatten, in denen katastrophale Einrichtungen für die Blutgewinnung und brutale Misshandlungen der tragenden Stuten zu sehen gewesen waren. Im Jahr 2022 waren acht Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung gemeldet worden, Tierschützer vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. MAST und Ísteka hatten die Verantwortung für die Todesfälle auf ausländische Veterinäre geschoben.

MAST schreibt, dass die Ísteka seit Jahrzehnten über eine Lizenz zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten verfügt. Die derzeit gültige Lizenz des Unternehmens war im Jahr 2022 nach Veröffentlichung einer entsprechenden Verordnung ausgestellt worden und ist bis zum 5. Oktober 2025 gültig.

Trotz EFTA-Mahnbrief keine “starken Gründe”
Im vergangenen Jahr hatte die Überwachungsbehörde der EFTA (ESA) Islands Regierung darauf hingewiesen, dass die Stuten unter die Verordnung Nr. 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere fallen müssen. Dort waren sie zwei Jahre zuvor herausgenommen worden, stattdessen hatte man damals die Blutgewinnung als „landwirtschaftliche Tätigkeit“ umgemünzt. In einer neuen Verordnung aus dem vergangenen Jahr ist ein Widerruf der Lizenz nicht erwähnt, vielmehr wird ausdrücklich auf der Vorliegen der Betriebslizenz verwiesen.
Daraufhin hat MAST geprüft, ob das Verwaltungsrecht eine Grundlage für den Widerruf der Lizenz hergibt, und ist auch dort nicht fündig geworden. Vielmehr müssten „starke Gründe“ vorliegen, um eine Verwaltungsentscheidung wie die des Ministeriums aus dem vergangenen Jahr zu widerrufen.

Keine ausreichenden Quellen vorhanden
„Die Veterinäraufsichtsbehörde ist der Ansicht, dass die derzeit verfügbaren Kontroll- und Forschungsergebnisse keinen Anlass zur Annahme geben, dass ausreichende Quellen im Hinblick auf das Wohlergehen und die Gesundheit der für die Blutentnahme verwendeten Stuten vorliegen.“ Mit anderen Worten, die Beweise für tierquälerische Vorgänge bei der Blutgewinnung sind der Behörde nicht ausreichend.
 Eine Anzeige wegen Tierquälerei aus dem Jahr 2022 wurde wegen Mangel an Beweisen fallengelassen, eine weitere aus dem letzten Jahr ist bei der Polizei in Reykjavík anhängig.
„Der Widerruf einer bereits genutzten Lizenz bedarf zwingender Gründe und ist inhaltlich und zeitlich begrenzt.“ heisst es weiter bei MAST. Zudem habe die Behörde die betriebswirtschaftlichen Erwartungen des Lizenzinhabers berücksichtigt.

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Misshandlungen und merkwürdige Studie
Kritiker des Blutgeschäfts hatten der Branche nicht nur systematische Misshandlung von Stuten und Fohlen vorgeworfen, sondern auch die grosse Blutmenge angeprangert. Über acht Wochen lang werden jeder Stute wöchentlich rund fünf Liter Blut entnommen, in der Summe ist diese Blutmenge grösser als das Gesamtblutvolumen der Stute. Mediziner hatten zudem kürzlich darauf hingewiesen dass die Studie zum Gesundheitszustand der Stuten, auf die Behörde und Befürworter sich beziehen, auf unzureichenden Daten beruht und falsche Schlüsse zieht.
Die Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere, sowie die Forderungen der ESA sehen eine weitaus geringere Blutmenge vor, die aus jeder Stute entnommen werden darf. Bislang ist nicht zur Sprache gekommen, wie dieses Problem betriebswirtschaftlich gelöst werden soll. Im Februar hatte Ísteka wegen dieser Verordnung gegen den isländischen Staat geklagt, ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

In Island gibt es ca 5000 Blutstuten auf rund 90 Höfen. Das extrahierte Hormon PMSG hat einen Exportwert von rund 2 Mrd ISK. Hauptabnehmer ist die industrielle Schweinezucht in Deutschland. In Island ist kein PMSG-haltiges Medikament für die Nutztierhaltung registriert, stattdessen kommt das synthetische Prostaglandin Cloprostenol zum Einsatz. Für eine Registrierung in der Arzneimittelliste müsste eine Ausnahmeregelung beantragt und der Einsatz vom PMSG besonders begründet werden.

 

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