Ausbeutung in der Pferdebranche immer noch Thema Skip to content

Ausbeutung in der Pferdebranche immer noch Thema

Menschenhandel und Ausbeutung sind wachsende Probleme in der isländischen Gesellschaft, und liegen oft näher als man denkt.
Ein Radiobeitrag über die moderne Sklaverei beschreibt, wie Unternehmer aller Art sich in den Wintermonaten sozialer Medien bedient haben, um Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Was da so romantisch, nett und familiär rüberkam, endete für so manchen mit Tränen. RÚV berichtet, die größte Gruppe, die dieser Gewaltform zum Opfer fällt, seien Ausländer.

Traumjob Pferd
Das dänische Pferdemädchen Metta hatte einen Traumjob bei einem Pferdeverleih im Süden des Landes erhalten, leider erwies der Traum sich als Albtraum.
„Ich hab mindestens zehn Stunden am Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche. Der Arbeitgeber hatte nicht erwähnt, dass wir von morgens um 7 oder 8 bis 17.30 Uhr arbeiten mussten, und nach der Heimkehr dann noch Pferde füttern. Frei hatten wir nie,“ erzählt Metta von ihrem ehemaligen Job. „Wir waren quasi in einem Gefängnis auf dem Hof, wo wir mit den Pferden lebten.“ Menschenhandel wird oft als Sklaverei ohne Ketten beschrieben. Auch wenn allein die Idee weit hergeholt scheint, so existiert diese Form der Ausbeutung, und sie wächst im Ausland wie auch in Island. Sie kann wo auch immer, wann auch immer, und mit wem auch immer betrieben werden, denn die Opfer befinden sich in einer schwierigen und sensiblen Lage, die von den Tätern weidlich ausgenutzt wird.

Metta hatte beschlossen, eine Pause zwischen Studium und Arbeitsleben einzulegen und den Sommer mit Pferden in Island zu verbringen, immerhin ritt sie schon seit vielen Jahren. „Ich dachte, das wäre eine tolle Gelegenheit, einen Sommerjob in Island zu bekommen, mit Pferden zu arbeiten, viele neue Leute kennenzulernen und als Reiter mehr Erfahrung zu sammeln.“

Facebookinserate unter dem Radar
Ihren Job fand sie in einer Facebookgruppe, in der Sommerjobs für Pferdeleute und Rittführer inseriert waren. Im Einstellungsgespräch via Internet versprach der zukünftige Arbeitgeber ihr 400.000 ISK Bruttomonatslohn und eine 40-Stundenwoche, ausserdem freie Unterkunft. Metta fand das ganz in Ordnung.
Schnell stellte sich heraus, dass der Pferdetraum etwas anders ablief als sie gedacht hatte, und das obwohl sie wusste dass die Arbeit mit Pferden anstrengend und arbeitsreich ist. „Ich hätte nie gedacht dass ich so schlecht bezahlt werde. Ich hab meinen Stundenlohn ausgerechnet und kam auf 750 Kronen pro Stunde,“ sagt sie. „Das ist Wahnsinn. Der helle Wahnsinn.“
„Ich hab mindestens zehn Stunden pro Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche, und keinen freien Tag,“ beschreibt sie das „Gefängnis“ wo sie nach eigener Aussage lebte. Von den versprochenen 400.000 ISK vor Steuern erhielt sie alle zwei Wochen 100.000 ISK. Als sie sich nach der fehlenden Summe beim Arbeitgeber erkundigten, sagte der, 100.000 seien für die Miete und den Autogebrauch berechnet worden, die anderen 100.000 seien an das Finanzamt gegangen. Allerdings fand Metta durch eigene Recherchen heraus, dass der Fiskus nicht eine einzige Krone erhalten hat.
Das Unternehmen habe nur junge Mädchen unter 20 Jahren eingestellt, Metta war die älteste unter ihnen. Der Chef sei ein furchteinflössender Typ gewesen, der mit schlechten Umgangsformen und Kommunikationsproblemen glänzte. Ausserdem seien überall Kameras angebracht gewesen, nicht nur im Stall sondern auch im Wohnhaus, angeblich aus Sicherheitsgründen.

Kein sicheres Land für solche Jobs
Viereinhalb Monate hielt sie es dort aus. „Die Pferde und wir wurden schlecht behandelt,“ sagt sie. Als eine verängstigte Kollegin, der es sehr schlecht ging, fristlos vor die Tür gesetzt wurde, war das Mass für Metta voll. Sie kündigte zu gleichen Bedingungen wie der Kollegin gekündigt worden war – eine Woche. Der Chef sei ausgeflippt, erzählt sie, er habe alle Pferdemädchen gleichsam bedroht. Daraufhin sei sie auf Empfehlung von wohlmeinenden Isländern zur Gewerkschaft gegangen. Obwohl sie längst wieder nach Dänemark zurückgekehrt ist, liegen dem Unternehmen immer noch die Lohnforderungen der Angestellten des letzten Sommers vor. Metta sagt, der Mann bedrohe nun sie und ihre Familie. „Ich will sagen, dass das nicht richtig ist, dass Island ein sicheres Land ist, jedenfalls nicht in der Tourismusbranche,“ erklärt Mette RÚV gegenüber. „Ich bin von meinem früheren Arbeitgeber bedroht worden, weil er wegen dieser Sache wütend ist, weil wir viel Geld von ihm verlangen. Ich habe versucht, die isländische Polizei zu kontaktieren, aber die nehmen die Drohungen nicht ernst, weil ich in Dänemark bin.“

Mettas Fall fällt unter Ausbeutung und schlechte Behandlung. RÚV schreibt, dieser Pferdeverleih sei kein Einzelfall, immer wieder gebe es Hinweise auf Ausbeutung in der Branche, doch bis heute arbeiten zahlreiche junge Mädchen schwarz für ein Taschengeld und ohne jede Absicherung in den sogenannten Traumjobs der Pferdebranche.

Icelandreview hatte 2018 über das Thema eingehend berichtet.

Hier und hier findet man Gehaltstabellen für Jobs in Landwirtschaft und Tourismus.

 

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