Wochenmarkt in Mosó schliesst seine Tore Skip to content
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Photo: Útimarkaður í Móso, Facebook.

Wochenmarkt in Mosó schliesst seine Tore

Islands wohl einziger echter Wochenmarkt unter freiem Himmel im Wald Mosskógar im Mosfellsdal schliesst seine Tore. Über 30 Jahre lang konnte man auf diesem Markt an Samstagen im Juli, August und September direkt vom Erzeuger frisches Gemüse, Biolebensmittel, frisches Brot, Forellen, Rosen, Marmeladen und vieles mehr aus der Region erwerben, berichtet Vísir.

Marktidee aus Frankreich mitgebracht
Bei Marktbegründer Jón Jóhannssen quillt jetzt der Postkasten über mit Nachrichten, Traurigkeit, Dankbarkeit, Liebesgrüsse, und ja, der Markt war schon ein besonderer Ort. Er sei eine Art Begegnungsort gewesen, wo die Leute aus der Stadt hinfuhren, und sich auf einen Kaffee trafen. „Man traf sich eher hier als in der Strasse zuhause,“ erinnert sich Jón. „Ich versteh das sehr gut, aber irgendwann muss man für sich selber entscheiden, damit aufzuhören.“
Jón, oder Nonni wie ihn alle nennen, hatte den Markt mit zwei anderen vor rund 30 Jahren gegründet. Da die anderen beiden Jobs hatten, blieb die meiste Arbeit mehr oder weniger an ihm hängen.
„Ich hab diese Idee aus Frankreich mitgebracht, ob das so klappen könnte,“ erzählt er. Und die Nachfrage sei sofort da gewesen. „Und dann vergingen 30 Jahre. Der Marktplatz fing langsam an vor sich hin zu rotten und man hätte jetzt so einiges erneuern müssen. Wir beschlossen daher, dass es jetzt mal reicht.“

Beliebt für Kaffeeklatsch
Dabei war es eher träge losgegangen, und viel konnten die Marktbeschicker anfangs nicht verkaufen. Eher trafen sich die potentiellen Kunden auf einen Kaffeeklatsch. Das Interesse für den Ort war jedoch die ganze Zeit vorhanden. Und wuchs. Die Leute wollten aus der Stadt raus und sich einen schönen Tag machen. Und direkt vom Erzeuger kaufen.
Mit dem Interesse wuchs allerdings auch die Arbeit, für Marktleiter Nonni. „Das ist zeitaufwendig, jedes Wochenende einzeln zu organisieren und zuzusehen dass es auch Waren zu kaufen gibt. Man hat mit vielen zusammengearbeitet, auch wenn sich immer einer um alles kümmern muss. Ich hatte damit gerechnet dass da mehrere mitmachen, aber die Leute sind nie lange dabeigeblieben,“ rekapituliert Nonni. Am Ende wuchs die Belastung ins Unermessliche. Denn neben dem Samstagsmarkt gibt es ja noch den Campingplatz und einen dazugehörigen Laden. Das sei einfach zuviel gewesen.

Parkplatz- und andere Luxusprobleme
Der anschwellende Verkehr habe zu Problemen mit dem Parkplatz geführt, denn der Campingplatz teilt sich das Gelände mit einer Einrichtung für behinderte Menschen, und dort brauchte man zuverlässig Platz für den Krankenwagen.
„Wie gesagt, da kam eins zum anderen, was man vielleicht noch Luxusproblem nennen könnte.“ meint Nonni. „Aber man sollte auch aufhören, wenns am schönsten ist, oder nicht?“
Eine treue Kundin hat inzwischen auf Facebook schon mal die Ärmel hochgekrempelt und sucht nach Mitstreitern, um den Samstagsmarkt vielleicht in veränderter Form als Kulturevent zu neuem Leben zu erwecken.

Land ohne Wochenmarkt
Wochenmärkte wie man sie aus Europa kennt, gibt es in Island nicht, und das Wetter spielt da sicher eine entscheidende Rolle. Vor allem auf dem Land sind zudem die meisten Leute daheim mit allem gut versorgt, und was man nicht selber herstellt, kauft man von Nachbarn oder Bekannten bei Basaren und Benefizveranstaltungen. Die Entfernungen sind zu weit, um für ein Pfund Kartoffeln und ein Bund Möhren loszufahren. In der Regel begibt man sich einmal die Woche zum Grosseinkauf in den Supermarkt, und in manchen Regionen ist man dafür 150 Kilometer und mehr unterwegs.
Die Region Skagafjörður hat vor einigen Jahren ein Hofverkaufs-Mobil ins Leben gerufen, der Waren von regionalen Kleinerzeugern an Bord nimmt und an bestimmten Orten für den Verkauf bereitsteht.
Für den Grossraum Reykjavík und den Süden des Landes hat sich das finnische REKO-Verkaufssystem gut bewährt. Landwirte und Kleinerzeuger, die sich REKO angeschlossen haben, bieten auf einer Facebookseite ihre Waren an, wer etwas kaufen möchte, kommentiert unter dem Artikel, wickelt den Kauf per Privatnachricht ab, und der Treffpunkt – zumeist einmal im Monat – wird nur dazu genutzt, die bezahlten Waren abzuholen, und vielleicht mit dem Erzeuger ein Schwätzchen zu halten. So erhalten auch Erzeuger, die weit ab vom Schuss wohnen, eine Chance, sich einen Kundenkreis aufzubauen, ohne Geld an Zwischenhändler zu verlieren.

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