"Weihnachtsangst" bei Isländern auf dem Vormarsch Skip to content
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Photo: Jólaskraut Jólaljós Jólin Jól Miðborgin.

“Weihnachtsangst” bei Isländern auf dem Vormarsch

Im isländischen Volksglauben frisst die Weihnachtskatze alle, die keine neuen Kleider zu Weihnachten bekommen haben. Als ob das nicht schon genug Anlass zur Sorge bereitet, gibt es auch noch das Riesenweib Grýla, das unartige Kinder in ihrem Topf kocht. Ihre 13 Söhne ärgern seit Generationen die Bewohner der Insel, indem sie in den langen Nächten vor dem Heiligen Abend mit Türen knallen, Milch, Fleisch und Skyr aus den Bottichen klauen und ähnliche Heinzelmännerscherze verüben.

“Weihnachtsangst” ist wohlbekannt
Das Konzept der „Weihnachtsangst“ ist daher ein wohlbekanntes auch auf der Insel, wo man in den Wochen vor Weihnachten gestresst die Tage damit verbringt, das Haus auf Vordermann zu bringen, Geschenke zu kaufen und das perfekte Weihnachtsmenü auf die Beine zu stellen. Der Terminus Weihnachtsangst hat damit sowohl eine soziale als auch eine wirtschaftliche Note. In einer Umfrage von Maskína hatten 15,3 Prozent der Befragten angegeben, sich vor dem Weihnachtsfest zu fürchten, berichtet Heimildin. Im letzten Jahr waren es noch 13,7 Prozent gewesen, im Jahr 2019 mit 7,5 Prozent der Befragten nur halb soviele Befragte. Allerdings hat auch die Zahl der Personen abgenommen, die sich überhaupt keine Sorgen um Weihnachten machen, und zwar von 71,3 Prozent im letzten Winter auf 64,4 Prozent in diesem Jahr.
Am meisten über Angst vor den Festtagen klagen Leute mit dem niedrigsten Einkommen, ein Drittel aller Haushalte mit weniger als 400.000 ISK (2700 EUR) pro Monat fürchten sich vor Weihnachten. Nur einer von zehn Haushalten mit einem Monatseinkommen von 1,2 Mio ISK (8000 EUR) gab an, dass er Angst vor den Feiertagen hat.

Wenig Angst in wohlhabenden Häusern
Die momentane wirtschaftliche Situation spielt Heimildin zufolge durchaus eine Rolle, denn die Kaufkraft ist im vergangenen Jahr inflationsbedingt immer weiter gesunken. Momentan liegt die Inflationsrate in Island bei 7,7%, dazu gibt es hohe Zinsen, was vielen Haushalten immens steigende Kosten bei der Abzahlung ihrer Immobilie beschert.
Leute aus dem oberen Einkommensdrittel freuen sich der Befragung zufolge eher auf Weihnachten. Mehr als die Hälfte der gesamten Bevölkerung, oder 52,3 Prozent, freute sich, sowie 63,5 Prozent aller Befragten mit hohem Einkommen.

Dabei spielt auch die politische Ausrichtung offenbar eine Rolle, denn Unterstützer der Linksgrünen und der Unabhängigkeitspartei, beides Mitglieder der Regierungskoalition, schauen mit Zuversicht auf das Weihnachtsfest. Unterstützer von Piratenpartei, Volkspartei und Sozialdemokratischer Allianz sind eher pessimistisch gestimmt, wenn es um das „Fest aus Licht und Frieden“ geht, wie Weihnachten in Island gerne genannt wird.

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