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Vom Kampf um Vornamen und Nachnamen

Der gelehrte Arngrímur Jónsson war der erste Isländer, der sich in Island einen besonderen Familiennamen zulegte. Er wählte den Namen Víðalín, nach seinem Geburtsort Víðidalur, und seine Enkel führten die Tradition des Nachnamens Víðalín weiter. Immer mehr Personen folgten seinem Beispiel und legten sich neue Familiennamen zu, bis die ersten Namensgesetze dem Ganzen einen Riegel vorschoben.
Der nachweislich zweite Name, der in dieser Form angenommen wurde, war Thorlacius, erläutert die Namensexpertin Anna Sigríður Þráinsdóttir im Morgenradio.

Besorgnis über “skandalöse” Namen
Die meisten Isländer “fanden” ihre Namen im Ausland, wenn sie dort studierten oder reisten und Modenamen von dort mitbrachten. Im 18. und 19. Jahrhundert folgten immer mehr Familien der neuen ausländischen Mode, und im Jahr 1914 sah man daher Anlass zur Schaffung eines ersten Regelwerks zur Namensgebung.
Die ehrenwerten Herren im isländischen Parlament (eine Frau schaffte es erst im Jahr 1923 auf die Bank) sorgten sich, dass neue Namen skandalös und falsch zusammengesetzt sein könnten. Der Debatte folgte nicht nur das Regelwerk, sondern auch der erste Namensausschuss, welcher aus drei Herren bestand. Aufhänger der parlamentarischen Namensdebatte waren übrigens die Kreationen Kristjúlía, Katriníus og Samúelína, sowie ausländische Vornamen.
“In jener Zeit hing das mit der Mode zusammen. Die Namensgebung folgt der Mode,” erklärt Anna Sigríður.

Das neue Namensgesetz von 1914 erlaubte nun die Verwendung eines neuen Familiennamens, doch musste man dafür bezahlen. Die Bestätigung des Namens kostete zwei Kronen, für die Übernahme als Familienname waren zehn Kronen zu zahlen. Ein weiteres Projekt des neugeschaffenen Namensausschusses war eine Liste von erlaubten isländischen Vornamen. Und wieder waren es drei Männer, die darüber entschieden.

Vatersnamen war vielerorts üblich
Die Ableitung des Familiennamens vom Vater, wie sie in Island, aber auch in den nordischen Ländern, Grossbritannien, Russland und slawischen Ländern üblich ist, stammt aus einer Zeit, da nur wenige Menschen an einem Ort lebten. Damals reichte ein Vorname, vielleicht noch ein Name als besondere Kennzeichnung. Vatersnamen, Ortsnamen und angehängte Berufsbezeichnungen entstanden, als die Bevölkerungszahlen zunahmen und Personen in der Gruppe identifizierbar werden mussten.
Islands Justizministerin hat einen Gesetzvorschlag ins Parlament eingebracht, nach dem der Namensausschuss abgeschafft werden soll. Danach soll es auch wieder möglich sein, einen neuen Nachnamen anzunehmen.

Der lange Kampf des Jón Gnarr
Der ehemalige Reykjavíker Bürgermeister und Schauspieler Jón Gnarr hatte dafür seinerzeit noch einen komplizierten Umweg gehen müssen: ihm wurde verwehrt, den Namen Gnarr (ein Spitzname für Gunnar) als Nachnamen anzunehmen, daraufhin zog er für einige Zeit in die USA. Dort bestätigte ein Gericht nach nur drei Monaten seinen Antrag auf Namensänderung. Bei der Rückkehr nach Island wollte ihm der Namensausschuss den neuen Familiennamen erneut verwehren, doch das Innenministerium urteilte, dass der isländische Namensausschuss nicht das Recht habe, die Entscheidung eines ausländischen Gerichts anzufechten. Jón Gnarrs Kampf um die Anerkennung seines Namens hatte 30 Jahre gedauert.

 

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