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Photo: Off-road tire tracks in the highlands.

Verkehrs-Symposium: Sollte das Hochland asphaltiert werden?

Nach einem Symposium zur Zukunft der isländischen Hochlandpisten will die Strassenverwaltung Vegagerðin nun nach einem Vermittler Ausschau halten, um die Interessensverbände mit ihren ausgesprochen unterschiedlichen Haltungen zu konstruktiven Gesprächen an einen Tisch zu bekommen, berichtet Vísir. Die Verbindungswege im Hochland sind Teil des aktuellen Verkehrswegeplans, in dem Weichen für die Zukunft gestellt werden.
Bei dem Symposium war es darum gegangen, ob man die Hochlandpisten asphaltieren soll oder unverändert als ausschliesslich von Geländefahrzeugen benutzbaren Pisten beibehält.

Tief ausgefahrene Schotterwege mit brückenlosen Furten, das ist das Bild, was einem bei dem Begriff Hochlandstrasse spontan in den Sinn kommt. Aber Hochlandstrassen warten bisweilen auch mit bestem Fahrkomfort auf, wie etwa in den Kraftwerksgebieten von Þjórsá und Tungnaá oder im Mývatns- und Möðrudalsöræfi.
Beim Symposium vertrat der Parlamentsabgeordnete Njáll Trausti Friðbertsson die Ansicht, man müsse die Hochlandstrasse Kjölur unbedingt modernisieren, damit sie den grössten Teil des Jahres befahrbar sei. Kjölur verbindet den Norden des Landes mit dem Süden, er beginnt bei Blönduós und endet am in der Gemeinde Bláskógabyggð befindlichen Gullfoss.

Mit einer Asphaltierung dieser Strassen zeigte sich der Vorsitzende der Naturschutzorganisation Landvernd, Tryggvi Felixson, gar nicht einverstanden. Seiner Meinung nach bringe eine vermehrte Nutzung der Strassen die Zerstörung des Hochlandes mit sich.
“Wir finden nicht, dass das Hochland eine Hauptverkehrsader zwischen den Siedlungsgebieten sein sollte. Dafür sollten wir das vorhandene Verkehrswegenetz nutzen. Aber wir können die Strassen reparieren, die vorhanden sind,” meinte Tryggvi auf Njálls Vorschlag.

Der Gemeindedirektor von Bláskógabyggð, dem südlichen Ende des Kjölurweges, will am liebsten, dass die grossen Hochlandtangenten Kjölur und Sprengisandur ausgebaut werden. “Ich denke, das sollte das Ziel unserer Landsleute sein, dies zu tun. Dann können hier Leute [die Strasse] geniessen, das zieht Leute an. Das ist auch ein Umweltaspekt.” meint Helgi Kjartansson. “Indem man Offroadfahren verhindert, es gibt weniger Abnutzung an den Autos, es geht den Leuten besser und so weiter.”
“Wir müssen das, was das eigentliche Herz des Landes ist, vor der Zerstörung schützen,” konterte der Landvernd-Vorsitzende. “Dabei müssen wir sehr vorsichtig vorgehen. Da gibt es keinen normalen Strassenbau, der da funktioniert.”
Die Asphaltbefürworter kritisierten die waschbrettartige Oberfläche der Pisten und die Staubentwicklung. “So wie der Zustand jetzt ist, geht das einfach nicht,” findet Gemeindedirektor Helgi.

Der Geländewagenclub 4×4 vertrat die Ansicht, dass man die isländische Reisekultur bewahren müsse, indem man die besondere Atmosphäre der Einöde schütze und schwer befahrbare Pisten beibehalte. Das sei wichtig für kommende Generationen.
“Wir finden, dass das zentrale Hochland absolut nicht dem Massentourismus geopfert werden darf. Leider habe ich einen solchen Wunsch festgestellt, [das Hochland] dafür zu nutzen,” kritisierte 4×4 Club-Sprecher Snorri Ingimarsson.

Eine Kategorisierung der Pisten sei dringend nötig, darin waren sich alle Sprecher einig, nicht jedoch in dem Punkt, wieweit die Pisten für den Normalverkehr präpariert werden sollen und wieviele Servicestationen und verkehrsbezogene Gebäude es im Hochland geben sollte.
Der 4×4-Club denkt noch einen Schritt weiter und will den Begriff “Geländewagen” (auf isländisch “jeppi”) schützen lassen, weil allzuviele Fahrzeuge als ‘jeppi’ verkauft und vermietet würden, die keine Eigenschaften eines Geländewagens hätten und für das Hochland ungeeignet seien.

Die Diskussion um einen Ausbau der Hochlandtangenten ist nicht neu. Schon im Jahr 2015 hatte ein Flächenordnungsexperte eine Asphaltierung der Sprengisandroute als wünschenswert bezeichnet, damit das zentrale Hochland nicht private Spielwiese von Geländewagenfahrern und Bergwanderern bleibe. Auch eine Verbindung der beiden Landesteile hielt er für praktisch. In neuerer Zeit waren auch Forderungen lautgeworden, den inländischen Frachtverkehr auf asphaltierte Hochlandstrassen zu verlegen, um die Belastung der Ringstrasse durch den Schwerlastverkehr zu mindern.

 

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