Untersuchung von Reykjavíker Waisenhäusern gefordert Skip to content
Photo: Reykjavík city hall.

Untersuchung von Reykjavíker Waisenhäusern gefordert

Fünf Männer, die während ihrer Kinderheit im letzten Jahrhundert in Reykjavíker Waisenhäusern untergebracht waren, verlangen eine behördliche Untersuchung dieser Einrichtungen, sowie der Auswirkungen auf die Kinder, die sich in der Obhut der Heime befunden haben, berichtet Vísir.

In einer Schlagzeile aus dem Jahr 1967 waren die Heime als “Brutstätte für psychische Erkrankungen” bezeichnet worden. Die fünf Männer sind der Ansicht, dass ihr Aufenthalt in diesen Einrichtungen ihnen und ihren Familien Schaden zugefügt hat.

Árni H. Kristjánsson, Fjölnir Geir Bragason, Hrafn Jökulsson, Tómas V. Albertsson und Viðar Eggertson verlangen von der Stadt Reykjavík die Gründung eines Expertenteams, welches den Betrieb des Waisenhauses Hlíðarendi sowie der Einrichtung der Thorvaldsengesellschaft untersucht, die beide von der Stadt in den Jahren zwischen 1949 und 1973 betrieben worden sind. In einem Brief an die Stadtverwaltung zitiert die Gruppe Worte des ehemaligen Stadtrates Dr. Sigurjón Björnsson, der seinerzeit aufgezeigt hatte, dass in Waisenhäuser untergebrachte Kinder dauerhafte Schäden davontragen, weil sie eine “Zerrüttung ihrer emotionalen Entwicklung” erleiden.

Die Kinder in den Waisenhäusern hatten oft noch lebende Eltern. Ihre Mütter waren benachteiligt, entweder jung, alleinstehend oder verarmt, und sahen sich dem Druck der Behörden ausgesetzt, die sie als nicht in der Lage ansahen, für ihre Kinder zu sorgen. RÚV berichtet, die Einrichtungen hätten Ähnlichkeiten mit Krankenhäusern gehabt: weiss gestrichene Wände ohne Bilder, kaum Möbel, sowie Mitarbeiter, die sich ausschliesslich um die physischen Bedürfnisse der Kinder kümmerten, ihnen aber die für die emotionale Entwicklung wichtige Berührung, Liebe und Stimulation versagten.
Eltern durften ihre Kinder nur selten besuchen, und bekamen sie dann nur durch eine Glasscheibe zu sehen.
Die Waisenhäuser hatten sogar zu ihrer Zeit unter heftiger Kritik gestanden. “Es ist notwendig zu überprüfen, wieviele Kinder in diese Waisenhäuser während ihrer aktiven Zeit untergebracht wurden, wie sich ihre Gesundheit nach dem Aufenthalt gestaltete und wie es ihnen gelungen ist, im Leben Fuss zu fassen.” heisst es in dem Brief der fünf Männer, die sich heute mit Bürgermeister Dagur B. Eggertson zu einem Gespräch treffen werden.

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