Ungehinderter Landaufkauf bedroht traditionelle Landwirtschaft Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Ungehinderter Landaufkauf bedroht traditionelle Landwirtschaft

Der ungehinderte Aufkauf von Ländereien durch einheimische und ausländische Reiche bedroht die Erneurung vieler landwirtschaftlicher Zweige in Island.
Wie vielerorts in Europa konkurrieren auch auf der Insel finanzstarke Parteien darum, Land zu kaufen, um Kohlenstoffzertifikate zu produzieren, die sich zu einem viel lukrativeren Rohstoff entwickeln als traditionelle landwirtschaftliche Produkte, berichtet Fréttablaðið.
Auf der anderen Seite habe junge Landwirte kaum oder keine Möglichkeit mehr, Höfe mit dazugehörigen Gebäuden und Maschinen zu erwerben, um den landwirtschaftlichen Betrieb weiterzuführen.

Fehlende Zukunftsvision in Island
„So ist der Stand heute – und er ist eine Folge davon, dass es in Island keine Zukunftsvision gibt,“ kritisiert Trausti Hjálmarsson, Bauer auf Austurhlíð im Biskupstungur und Vorsitzende des Schafzüchterverbandes. “Lebensmittelsicherheit gibt es im isländischen Denken nur unter ferner liefen.”
Die Entwicklung bereite ihm Sorge. “Das Durchschnittsalter isländischer Schafbauern geht auf die 60 zu und wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen.”

Der Vorsitzende des Bauernverbandes, Gunnar Þorgeirsson, ist derselben Ansicht. “Generell steigt das Durchschnittsalter der Landwirte in Island. Bei Überprüfung des Agrarproduktegesetzes 2019 wurde deutlich, dass wir Gartenbaubetriebe zu den Ältesten der Branche geworden sind – da war ich doch etwas erschrocken,“ sagt Gunnar, der den Gemüseanbau Ártangi in Grímsnes betreibt.

Ländereien verschwinden aus der Produktion
Beide sind sich einig, dass diese Entwicklung bedenklich ist. Immer mehr subventionierte Ländereien geraten in den Besitz Reicher, wie etwa Höfe, die Land an Lachsfischflüssen besitzen. Der britische INEOS-Multimillionär Jim Ratcliffe etwa besitzt inzwischen über 40 Höfe im Osten des Landes, vorgeblich, um den wilden Lachsbestand in Island zu schützen. Er ist durch alle möglichen Beteiligungen neben dem Staat der grösste Landeigentümer in Island.
Andere Ländereien werden als Bauland für Sommerhäuser veräussert. Und dann sehen viele finanzstarke Investoren neuerdings ein neues Spielzeug im Landkauf zur Aufforstung, um dann die Kohlenstoffzertifikate verkaufen zu können.
„Die traditionelle Landwirtschaft kann mit dem enormen Kapital, das in diese Landaufkäufe fließt, nicht mehr konkurrieren,“ sagt Trausti. Gunnar nennt das Kind beim Namen: „Landkauf ist in diesem Land unbeschränkt. Und das bedeutet, dass wer auch immer was auch immer und wo auch immer kaufen kann, zu jedem Preis.“

Fordern Debatte um Gesamtbild
Immerhin die Hektarzahl ist vor zwei Jahren vom Parlament beschränkt worden, dem damals beschlossenen Gesetz nach ist bei 10.000 Hektar pro Rechtsperson Schluss. Ratcliffes Besitztümer liegt weit darüber, und er hatte seinerzeit mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gedroht.
Gunnar zufolge sei die Lage in Schottland ähnlich. Dem Bericht eines schottischen Landwirts zufolge befinde sich ein grosser Teil des Landes in der Hand von 400 Reichen.
In Dänemark hingegen gibt es zumindest eine Wohnsitzpflicht auf Höfen, ganz gleich, ob der Eigentümer den Hof verpachtet oder selbst dort wohnt.

Eine Debatte um das Gesamtbild sei dringend nötig. “Die Höfe werden für himmelhohe Summen verkauft, die kein normaler Mensch zahlen kann.”
„Die isländische Landwirtschaft hat einen Punkt erreicht, an dem sie die damit verbundenen Investitionen nicht mehr bewältigen kann.“ kritisiert Trausti.

 

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