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Photo: Björgunarsveitir Þingvellir.

Taucher haben sechs Minuten um Leichen aus dem Þingvallavatn zu bergen

Rettungstaucher haben sich heute vorbereitet, um voraussichtlich morgen die vier Leichen aus dem Flugzeugabsturz vom letzten Donnerstag aus dem Þingvallavatn zu bergen. Jeder Taucher hat nur einen Tauchgang pro Tag, der nicht länger als 20 Minuten dauern darf. Die Leichen befinden sich in mindestens 37 Metern Tiefe. Im Anschluss an die Bergung der Leichen soll sofort das Flugzeug aus dem Wasser geholt werden, um den Unfallhergang untersuchen zu können.

Die Cessna 172N war am letzten Donnerstag vom Radar verschwunden, nachdem sie um die Mittagszeit zu einem zweistündigen Sightseeingflug aufgebrochen war. An Bord hatten sich der isländische Pilot Haraldur Diego, sowie drei Passagiere befunden, deren Namen inzwischen veröffentlicht wurden: John Neumann (22), Tim Alings (27) und Nicola Bellavia (32). Mehr als 1000 Retter aus dem ganzen Land hatten sich an der Suche nach dem Flugzeug beteiligt, das schliesslich am Freitagabend von einem Unterwasserradar in Ölfusvatnsvík lokalisiert werden konnte. Die Leichen der Verunglückten befanden sich ausserhalb des Flugzeugs und wurden am Sonntag lokalisiert, kurz bevor eine heftige Schlechtwetterperiode einsetzte, die alle weiteren Bergungsversuche vereitelte.

Bergung beginnt morgen
Inzwischen ist am Þingvallavatn ein halbes Dorf errichtet worden, mit technischem Gerät, Fahrzeugen, Mannschaftszelten und Verpflegungseinheiten, sowie Sauerstoff und einem Drucksentlastungstank für die Taucher. Der Leiter der südisländischen Polizeidirektion, Oddur Árnason, sagte, die Vorbereitungen liefen gut, und wenn die Wetterbedingungen es erlaubten, werde man morgen mit der Bergung beginnen.
Dabei steht die Sicherheit der Taucher an oberster Stelle. Im Þingvallavatn herrscht um diese Jahrezeit extreme Kälte. 20 Spezialtaucher sind an der ausgesprochen schwierigen Aktion beteiligt, acht von der Küstenwache, sechs von der Polizei und acht von der Feuerwehr. Jeder Taucher darf nur einmal pro Tag einen Tauchgang unternehmen, und dieser darf insgesamt nur 20 Minuten dauern. Daher haben sie jeder nur sechs Minuten Zeit, sobald sie die Leichen erreicht haben. Jeder Handgriff muss da sitzen und wurde in den vergangenen Tagen geplant und eingeübt.
Sind die Leichen geborgen, soll das Flugzeug aus dem Wasser geholt werden. Dafür ist geplant, ein Luftpolster unter das Wrack zu schieben, um es an die Waseroberfläche zu bringen. Von dort soll dann ein Hubschrauber der Küstenwache die Maschine an Land ziehen. Kräne könnten auch zum Einsatz kommen. Wie Ásgeir Erlendsson, der Pressesprecher der Küstenwache mbl.is mitteilte, befinden sich Spezialisten vor Ort, die solche Aktionen schon des öfteren durchgeführt hätten.

Flugzeug ist wichtigstes Beweismittel
Ragnar Guðmundsson, ein Ermittler der isländischen Verkehrsbehörde, gab an, die Bergung des Flugzeugs sei ausgesprochen wichtig für die Untersuchung des Unfallhergangs. Das Flugzeug liegt auf 50 Metern Tiefe und scheint in gutem Zustand zu sein. Die Ermittler wollen herausfinden, wieviel Kerosin sich noch im Tank befindet, doch je länger das Wrack im Wasser liegt, desto wahrscheinlicher wird es, dass Spuren verwischen, etwa weil sich der Kraftstoff mit Wasser vermischt. Bislang gibt es nur Fotos der unbemannten Unterwasserboote.
An Bord der Cessna hatte sich keine Black Box befunden, die Fluggeschwindigkeit, Flughöhe und Geräusche aufzeichnet. Solche Aufnahmegeräte gehören beim Cessna 172N Modell nicht zur Standardausrüstung.
Wie die Polizei am Abend verlauten liess, wird die Zufahrtsstrasse Þingvallavegur ab morgen gesperrt.

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