Staatsanwalt bezichtigte homosexuelle Asylbewerber der Lüge Skip to content
Photo: Screenshot, Academy for Cultural Diplomacy, YouTube. Taken from keynote address given Helgi Magnús at the Annual Conference on Cultural Diplomacy 2018.

Staatsanwalt bezichtigte homosexuelle Asylbewerber der Lüge

Der stellvertretende Staatsanwalt Helgi Magnús Gunnarsson ist mit einem Facebookkommentar über Asylbewerber, die in Island aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung um Schutz bitten, negativ aufgefallen.
Im Vorspiel dazu hatte der Rechtsanwalt Helgi Þorsteinsson Silva in einem Interview am Dienstagabend angegeben, die Regierung habe einen seiner Klienten beschuldigt, eine Homosexualität vorzugeben und ihm daraufhin das Asyl verweigert. Helgis Ansicht nach gehe die Regierung davon aus, dass Asylbewerber, die um internationalen Schutz aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung ersuchen, die Unwahrheit sagten. Er hege den Verdacht, dass es sich dabei um ein Muster von unbegründeten Anschuldigungen und abgelehnten Asylanträgen handle. Der Fall seines Mandanten war später zugunsten des Asylbewerbers revidiert worden.

“Natürlich lügen sie.”
Die Vísir-Nachricht zu diesem Interview postete der obengenannte Staatsanwalt auf seiner Facebookseite und kommentierte “Natürlich tun sie das. Die meisten Leute kommen wegen des Geldes und eines besseren Lebens hierher. Wer würde nicht lügen, um sich selbst zu retten? Davon abgesehen – gibt es einen Mangel an Schwulen in Island?”
Auch wenn der Staatsanwalt seinen Beitrag inzwischen gelöscht hat, so ist dies nicht das erste Mal, dass er öffentliche Kritik auf sich zieht. Im Jahr 2019 hatte er fremdenfeindliche Bemerkungen sowohl im Internet als auch auf einer internationalen Konferenz zu Menschenrechten und Migration in Berlin geäussert und war dafür vom Magazin Stundin thematisiert worden. Im Jahr 2021 setzte er like-Häkchen an Facebookbeiträge, in denen die Zeugnisse von Opfern sexueller Gewalt in Zweifel gezogen wurden.

Systematische Vorurteile
Von der LGBTQIA-Organisation kam sofort Kritik, der Vorsitzende Álfur Birkir Bjarnarson kommentierte, Helgi Magnús Kommentare zeigten die systematischen Vorurteile des isländischen Rechtssystems gegen die LGBTQIA-Gemeinschaft.
“Ich weiss nichts davon, dass es zuwenige oder zuviele Rothaarige, Schwule, Männer oder Frauen gibt,” schrieb Álfur. “Das sind alles nur Leute, und wir nehmen sie so in unserer Gesellschaft, auf wie sie kommen.” Die Kommentare des Staatsanwaltes sagten mehr über ihn selbst aus als über Asylbewerber und offenbarten nur schmerzhafte Realitäten im Rechtssystem.

Hat Homosexuelle richtig gerne
In einem Interview nach seinem kontroversen Beitrag trat Helgi Magnús den Rückzug an, es sei weder unnormal dass Leute in ihren Asylanträgen zu ihrer sexuellen Ausrichtung lügen würden, noch würde die Regierung die sexuelle Ausrichtung besonders untersuchen. Er habe ja nur allgemein kommentiert und hinterfrage, ob die Sexualität einer Person ein Faktor sein sollte, wenn ihr das Bleiberecht vor einer anderen Person zugesprochen werde.
Ausserdem habe er homosexuelle Menschen richtig gerne und nie etwas gegen sie gehabt. Weiter wolle er nicht kommentieren, denn dazu gebe es keinen Grund. Für ihn sei die ganze Angelegenheit ein Sturm im Wasserglas, weil es sonst keine Nachrichten gebe.

Álfur Birkir kommentierte darauf, es sei ja sehr schön dass der stellvertretende Staatsanwalt Homosexuelle Menschen richtig gern habe, aber das müsse er jetzt auch zeigen. “Als Arm der Staatsgewalt trägt er grosse Verantwortung, nicht nur indem er keine Feindseligkeit zeigt, sondern durch sprichwörtliche Zuneigung als Teil des Systems.” Heterosexuelle Menschen müssten sich niemals zu ihrer Sexualität äussern.

Island braucht keine weissen Heteros in Machtpositionen
Auch die Linksgrüne Abgeordnete Jódís Skúladóttir hat sich zu der Angelegenheit geäussert, nicht nur gegen Helgi Magnús Kommentare, sondern auch gegen die Ungerechtigkeit, dass Asylbewerber ihre sexuelle Ausrichtung beweisen müssten.
“Das sind sehr deprimierende Kommentare, die sich in Wirklichkeit selbst verurteilen. Natürlich ist das eine sehr ernste Sache, wenn Leute in Machtpositionen, von ganz unten bis ganz oben, sich solche Äusserungen gestatten. Ich nehme das sehr ernst.” Sie sei der Ansicht, dass Island keine weissen, heterosexuellen Männer im mittleren Alter in Managementpositionen brauche.
Es sei vollkommen verrückt, dass Asylbewerber allen Ernstes grosse Schritte unternehmen müssten um ihre sexuelle Ausrichtung zu beweisen, besonders wenn sie in einer Beziehung oder verheiratet seien. Einen Beweis, den Heterosexuelle niemals würden erbringen müssen.
“Ich möchte hervorheben, dass hier in unserer Gesellschaft, die sich als progressiv und in vielerlei Hinsicht als tolerant bezeichnet, es eine Menge Leute gibt, die zögern, sich in Bezug auf ihrer Sexualität zu öffnen,” erklärte Jódís. “Leute werden geächtet, zurückgewiesen, Gegenstand von Gewalt – und das in dieser guten, offenen Gesellschaft. Stell dir nur mal vor, du wärst ein Flüchtling, aus einem Land, wo dich möglicherweise die Todestrafe erwartet. Sell dir vor, du schwebst in tödlicher Gefahr, wenn du dich zu deiner Sexualität bekennst. Es ist wohl offensichtlich, dass du das nicht in den sozialen Medien breitrtisst, dass du es öffentlich nicht zugegeben hast.”

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