Solidaritätsbekundung für ausländische Brandopfer Skip to content
fire Vesturgata Bræðraborgarstígur
Photo: A screenshot from RÚV.

Solidaritätsbekundung für ausländische Brandopfer

Etwa 400 Leute hatten sich gestern vor dem isländischen Parlament versammelt, um ihre Solidarität mit den Opfern des verheerenden Brandes am Freitag zu bekunden, bei dem drei Personen starben und zwei sich immer noch in kritischem Zustand befinden. Die Gruppe begab sich nach der Kundgebung zu dem verbrannten Gebäude, wo viele Blumen im Gedanken an die Opfer niederlegten. Die Teilnehmer der Veranstaltung forderten strengere Regeln für die Unterbringung von eingewanderten Arbeitskräften.

Das Feuer war am Freitagabend in einem Haus am Bræðraborgarstígur in der Altstadt Reykjavíks ausgebrochen. Das Haus stand auf einer Liste illegaler Unterkünfte, die die Feuerwehr schon im Jahr 2017 veröffentlicht hatte.
Das investigative TV-Magazin Kveikur hatte sich damals mit dem Thema illegale Unterbringung befasst. In den vergangenen Jahren hatten auch Anwohner ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass das Haus schlechten Brandschutz hat und insgesamt in einem schlechten Zustand war.

Ausländische Arbeitskräfte oft ausgebeutet
Das Feuer hatte eine Debatte über die schlechten Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeitskräfte in Gang gesetzt. “Der Arbeitsmarkt wird missbraucht und es gibt viele illegale Aktivitäten auf diesem Markt, vor allem gegenüber Immigramten, weil viele von uns oft genug kein isländisch sprechen und manche nicht mal englisch,” sagte Kaja Balejko, Fotografin und eine der Organisatoren der Veranstaltung, RÚV gegenüber.
“Die polnische Gemeinschaft hier hat Glück, weil es viele von uns gibt, aber es gibt eine Menge anderer Nationalitäten, die nicht so zahlreich vertreten sind und niemanden haben, den sie um Hilfe bitten können.”
Kaja sagt, Unterstützung für Immigranten müsse gar nicht teuer oder kompliziert sein. Es würde schon ausreichen, jedem Ausländer, der eine Personenkennziffer (kennitala) beantragt, ein pdf-Dokument in die Hand zu drücken, wo Hilfsorganisationen und nützliche Adressen in der jeweiligen Muttersprache aufgeführt sind.
“Nicht nur die regierungsnahen Organisationen, und nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Wohltätigkeitsorganisatonen, die Leuten in Momenten wie diesen helfen können, wo diese nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen können.”

Kritik an Prioritäten der Justiz
Als Hausbesitzer eingetragen ist das Bauunternehmen HD Verk, doch dort war niemand für einen Kommentar zu erreichen gewesen. Das Gebäude war zuvor von den Zeitarbeitsfirmen Seigla und Menn í vinnu angemietet worden.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Efling, Viðar Þorsteinnson, sagte, seine Gewerkschaft müsse immer öfter Arbeitskräften zu Hilfe kommen, die in Bezug auf Wohnraum von ihrem Arbeitgeber abhängig seien.
Solche Arbeiter würden in Situationen hineingezogen “die ich mich traue zu sagen, eher dem Menschenhandel ähneln als einer normalen Beschäftigungsbeziehung.” sagte Viðar.
Sowohl die Zeitung Stundin als auch das TV-Format Kveikur hätten den Zustand des Hauses und die Bedingungen für ausländische Arbeitskräfte thematisiert, der Mangel an Reaktion könne daher nicht auf Ignoranz zurückgeführt werden.

Die Falschen werden kontrolliert
Viðar kritisierte die Prioritäten von Polizei und Justiz in Bezug auf ausländische Arbeitskräfte. “Wir hatten hier eine jahrelang eine tickende Zeitbombe in Bezug auf die Ausstattung der Leute […] Stattdessen wird dieses neue Verhaftungsfahrzeug losgeschickt, der neuste Beitrag von Polizei und Justizministerium, um kriminelle Aktivitäten auf dem Arbeitsmarkt aufzudecken, und Arbeitskräfte zu verhaften, während die verantwortlichen Arbeitgeber, die die Täter auf dem isländischen Arbeitsmarkt sind, weiter frei herumlaufen.”
Das erwähnte Fahrzeug war Mitte Mai vom Justizministerium vorgestellt worden. Es soll dazu dienen, illegale Arbeitskräfte und Leute, deren Visa abgelaufen ist, aufzuspüren, sowie bei Deportationen genutzt werden. Das Fahrzeug kann als mobile Grenzstation zum Einsatz kommen und etwa bei der Kontrolle von Kreuzfahrtschiffen dienlich sein.

Viel öfter ist es jedoch in der Arbeitsplatzkontrolle im Einsatz.
Wie die Polizei freizügig zugab, wird das Fahrzeug auch dazu genutzt, “Autos mit Albanern und Rumänen anzuhalten. Dann überprüfen wir, um zu sehen, ob die Leute sind was sie sagen.” Seit Mitte Mai sind durch das Fahrzeug 100 Personen überprüft worden, etwa 60 von ihnen sind an ihrem Arbeitsplatz polizeilich kontrolliert worden.

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