"Sie sind bei mir": Isländer zeigen Unterstützung für Asylbewerber Skip to content
Photo: Facebook.

“Sie sind bei mir”: Isländer zeigen Unterstützung für Asylbewerber

Die isländische Polizei hat offiziell Informationen über den Aufenthaltsort der ägyptischen Familie Khadr aus der Bevölkerung gefordert. Der Asylantrag der Familie war in der vergangenen Woche abgelehnt worden, und die Leute sollten deportiert werden. Als die Polizei das Ehepaar mit vier kleinen Kindern in der Frühe abholen wollte, waren sie nicht an dem Ort, wo sie sich aufhalten sollten.

#siesindbeimir
Die Entscheidung, die Familie zu deportieren, wird derzeit kontrovers diskutiert. Zahlreiche Leute haben in den sozialen Medien Beiträge mit dem hashtag #þaueruhjámér (sie sind bei mir) gepostet und die Polizei per Email mit irreführenden Informationen bombardiert.
Wenn man den Hinweisen auf Twitter und Facebook unter dem hashtag Glauben schenkt, dann hält sich die Familie gleichzeitig in Hafnarfjörður, im Westen Reykjavíks, auf einem Spazierhang in der Stadt, bei jemandem zuhause zum Musik hören, an der Südküste, auf mindestens drei Bauernhöfen in Árnessýlsa und auf einer Couch vor dem Fernsehen auf. Mitfühlende Isländer schlugen der Polizei auch vor, doch mal im Anne Frank Museum in Amsterdam nachzuschauen, oder auch in Seattle.

Mit den Beiträgen wollen die Bürger ihre Unterstützung für die Familie Khedr demonstrieren. Viele geben auch vor, die Flüchtlinge aufgenommen zu haben und sich um die Kinder zu kümmern. Und immer wieder gibt es die Aufforderung, der Polizei eine Email an die angegebene Adresse zu schicken.

16-monatige Bearbeitungsfrist verstrichen
Als die Polizei am Tag der Deportation die Familie abholen wollte, waren die sechs Flüchtlinge verschwunden und sind seither auch nicht mehr aufgetaucht. Die Familie hatte um Asyl ersucht, weil der Vater als Mitglied der Muslimischen Bruderschaft politisch verfolgt wurde. Sie hatten sich seit mehr als zwei Jahren in Island aufgehalten und auf den Ausgang ihres Asylverfahrens gewartet. Ihr Fall wird zum Teil kontrovers bewertet, denn dem Gesetz nach muss Familien mit Kindern, die länger als 16 Monate auf Bearbeitung ihres Asylantrags gewartet haben, das Asyl aus humanitären Gründen gewährt werden. Familie Khedr soll sich immer noch im Land aufhalten.

Anklage und beschleunigtes Verfahren gefordert
Der Anwalt der Familie, Magnús Davíð Norðdahl, hatte vorgestern stellvertretend für die Familie im Reykjavíker Bezirksgericht Klage erhoben und gefordert, dass die Bearbeitung des Falles beschleunigt wird. Er wirft den Behörden zudem vor, keine unabhängige und umfassende Untersuchung zum Wohl der Kinder durchgeführt zu haben. Das Amt für Einwanderung habe niemals untersucht, ob die Mutter und die 10-jährige Tochter in einer besonders sensiblen Lage seien, da mehr als 90 Prozent aller Frauen in Ägypten an den Genitalien verstümmelt worden seien.
“Es hat keine Untersuchung darüber gegeben, ob Mutter und Tochter Opfer einer solchen Gewalt geworden sind oder ob sie in Gefahr schweben,” sagte Magnús Vísir gegenüber. “Das Amt für Einwanderung hatte im Fall einer anderen ägyptischen Familie Anfang 2019 geurteilt, und in dem Urteil wurde über die Häufigkeit der Genitalienverstümmelung bei Frauen ausführlich geschrieben, wie zuvor gesagt, haben mehr als 90 Prozent aller Frauen solche Gewalt erlitten,” erklärt Magnús. In dem Fall von 2019 war der Familie Asyl gewährt worden.

Anklage und die verlangte beschleunigte Bearbeitung des Falles sind nun in Händen von Richter Símon Sigvaldason beim Bezirksgericht Reykjavík.

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

* indicates required

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter