Scrapie: Die grosse Suche nach dem schützenden Genabschnitt Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Scrapie: Die grosse Suche nach dem schützenden Genabschnitt

Nachdem im gerade vergangenen September ein weiteres Mal die Scrapie-Krankheit im Skagafjörður aufgekommen war und der gesamte Schafbestand des betroffenen Hofes hatte gekeult werden müssen, scheint nun die Hoffnung auf einen Genabschnitt aufgekeimt zu sein, welcher gegen Scrapie schützen könnte, berichtet das Bændablaðið.

Die deutschstämmige Schafhalterin Karólína Elísabetardóttir auf Hvammshlíð im Skagabyggð hatte ein weitreichendes Kooperationsprojekt zwischen deutschen, britischen und italienischen Wissenschaftlern, Scrapie-Experten des Forschungsinstitutes Keldur und Schafzuchtexperten der staatlichen Zuchtanstalt RML angestossen, welches nun tatsächlich einen Erfolg verzeichnete: die Experten fanden nämlich auf einem Hof im Nordwesten in zwei Schafen aus der gleichen Zuchtlinie den schützenden Genabschnitt T137.
“Die beiden Schafe mit T137 fanden sich auf dem Hof Sveinsstaðir im Þing bei Vatnsdalshólar. Þórður Pálsson von der Veterinäraufsichtsbehörde hatte mich im Frühjahr auf diese Herde hingewiesen, die ganz in der Nähe eines alten Scrapiegebietes lebt. Dort ist jedoch niemals Scrapie aufgekommen – was aussergewöhnlich ist.” erklärt Karólína.

Alte Garde hält Codontheorie für unrealistisch
Von den alten Hasen der Branche kommt Gegenwind. Der Tierarzt Sigurður Sigurðarsson argumentiert in einem Kommentar im Bændablaðið, die Suche nach dem schützenden Gen sei zwar löblich, doch halte er es für unrealistisch, dass man mit den jetztigen Bedingungen die Scrapie-Krankheit in 10 Jahren ausrotten könne. Auch Behauptungen, die Keulungen in betroffenen Gebieten hätten nichts gebracht, seien nachweislich falsch.
Der Leiter der Genforschungsabteilung bei Matís, Sæmundur Sveinsson, gab an, mindestens drei Abschnitte im Scrapiegen Prnp seien für eine Sensibilität für Scrapie verantwortlich. Dabei sei Codon T171 trotz umfangreicher Suche in Island nie gefunden worden. Die Genuntersuchungen zu diesem schützenden Codon sollen jedoch bei Matís und Keldur nun wieder aufgenommen werden.

Ergebnisse aus dem Ausland leicht auf Island übertragbar
Karólína sagt, T137 habe sich in umfangreichen Untersuchungen in Italien als ähnlich immunisierend wie andere bereits bekannte Abschnitte erwiesen, etwa T171 R oder ARR, welches in Europa bereits genutzt wird, um einen immunen Schafbestand aufzubauen.
“Ich weiss, zu erklären dass die Lösung gleich um die Ecke liegt, klingt für manche sehr optimistisch. Ich verstehe, dass Leute in Ämtern und Institutionen und Wissenschaftler da eher mit Vorsicht zur Sache gehen,” sagt Karólína. Allerdings weise alles darauf hin, dass das System, mit welchem im Ausland in den vergangenen 20 Jahren ein scrapieimmuner Bestand habe aufgebaut werden können, leicht auf Island zu übertragen sei. Die Sache sei ja eigentlich ganz einfach, wenn man die Methodik in anderen Ländern berücksichtige. Man müsse nur organisiert und offenen Auges das Erbgut suchen und dann eine gezielte Zucht aus den Tieren beginnen, bei denen das schützende Erbgut gefunden wurde.
Um ganz sicher zu gehen, könne man Tiere aus unterschiedlichen isländischen Scrapiebestände paaren und sehen, ob bei den Nachkommen eine Immunität entstehte.
Italienische Untersuchungen wiesen darauf hin, dass der immunisierende Codon T137 auch in gengemischter Form funktioniere. Wenn sich dies bestätige, spare man viel Zeit, weil schon die erste Generation durch den Codon gleich immun sei.

Da der Genabschnitt jedoch ausgesprochen selten vorkommt, besteht die Gefahr von Inzucht. “Am wichtigsten ist natürlich, im Originalgebiet der Scrapie im Skagafjörður und Húnavatnssýsla und in jenen Schutzvbezirken, wo Scrapie aufgekommen ist, einen immunen Bestand aufzubauen.” meint Karólína. Auf lange Sicht muss der schützende Codon jedoch auch in anderen Regionen gezüchtet werden, aus denen Zuchtlämmer in die Scrapiegebiete eingekauft werden

Jetztige Suche baut auf Ergebnissen aus den 80gern auf
Codon T137 war schon einmal im Institut Keldur gefunden worden, als die Scrapieexpertin Stefanía Þorgeirsdóttir in den 80ger Jahren dort forschte.
Die jetztige Suche nach dem Codon baute zum Teil auf den damaligen Informationen auf, T137 fand sich auf Núpsstaðir im Skaftárhreppur und auf Enni im Hofshreppur, sowie auf einigen anderen Scrapiehöfen – obwohl sie nicht mehr länger als Grundlage in Frage kamen.
So war es unter anderem gelungen, auf den Höfen Hvoll und Sandfell Nachkommen der T137-Schafe zu finden. Auf Hvoll ist der Codon offenbar ausgestorben, von Sandfell erwartet man in der kommenden Woche Ergebnisse.

Zur Zeit wird auf Hochtouren nach weiteren Schafen mit dem immunisierenden Codon T137 gesucht. Finanzielle Unterstützung gibt es dabei vom isländischen Schafzucht-Entwicklungsfonds, sowie von den ausländischen Studienteilnehmern, darunter das Justus-Liebig-Institut in Giessen und das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald.
Wenn alles nach Wunsch verläuft, sollten erste Ergebnisse um die Jahreswende 2022/2023 vorliegen.

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