Sand-LKW vom Mýrdalssandur belasten Ringstrasse wie eine Million PKW pro Tag Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Sand-LKW vom Mýrdalssandur belasten Ringstrasse wie eine Million PKW pro Tag

Ein vollbeladener LKW nutzt eine Asphaltstrasse genauso ab wie 10.000 PKW. Bei 164 Fahrten pro Tag entspräche die Strassenabnutzung der von einer Million PKW pro Tag – sollten die Pläne der deutschen STEAG Power Minerals, Vulkansand per LKW vom Mýrdalssandur nach Þorlákshöfn zu transportieren, in die Tat umgesetzt werden.
Um diese enorme Zusatzbelastung des ohnehin schwachen Straßennetzes, das auf Steuerzahlerkosten erheblich gestärkt werden müsste, geht es unter anderem im Gutachten der Strassenverwaltung zur Umweltverträglichkeitsstudie über den geplanten Sandabbau im Mýrdalssandur. Der Vulkansand soll nach Europa exportiert werden, wo er in der Zementherstellung beigemischt wird, berichtet Kjarninn.

Umgehungsstrassen für vier Ortschaften
Die Umweltbehörde hatte in ihrem Gutachten errechnet, dass ein sechsachsiger LKW (Zugmaschine mit Anhänger) die Strasse soviel abnutzt wie 20 bis 30.000 PKW, bei 164 Fahrten sind das sogar bis zu drei Millionen PKW, pro Tag, und das ganze Jahr über.  Die Hälfte der Fahrten findet als Leerfahrt statt, alle sieben Minuten ein LKW quer durch Südisland, durch vier Ortschaften hindurch und an beliebten touristischen Highlights vorbei.
Ein derartiger Anstieg des Schwerlastverkehrs hätte gesellschaftliche Auswirkungen, darunter Umweltverschmutzung, Lärmbelästigung, aber auch Auswirkungen auf Tourismus, Verkehrssicherheit und auf die Strassenabnutzung, heisst es im Gutachten der Strassenverwaltung. Der Schwerlastverkehr mache zur Zeit um die 10 Prozent des Gesamtverkehrs im Lande aus, mit dem Sandtransport der Deutschen könnte er auf bis zu 20 Prozent ansteigen.

Langfristig sei es unbefriedigend, wenn ein solcher Schwerlastverkehr durch die Ortschaften Vík, Hvolsvöllur, Hella und Selfoss führe. Die Umweltbehörde weist darauf hin, dass es sich immerhin um ein Transportvorhaben für die nächsten 100 Jahre handle.
In den Plänen des Grossvorhabens wird davon ausgegangen, dass die Ringstrasse die Ortschaften Vík und Selfoss umgeht. Die Strassenverwaltung weist darauf hin, dass eine Umgehung von Hvolsvóllur zwar geplant sei, es sich aber schwieriger gestalte, die anderen Ortschaften mit Umgehungsstrassen zu versorgen. Auch sei die Ringstrasse östlich des Markarfljóts mit sechs bis sieben Metern weitaus schmaler als in den Bestimmungen zum Bau neuer Strassen.

LKW-Verkehr gefährdet Sicherheit
Der Strassenabschnitt hinter Vík liegt auf 119 Metern Höhe, dort gibt es enge Kurven, eine 12 prozentige Steigung, und im Winter viel Schnee und Eis – eine Strasse, auf der sich schon viele schwere Unfälle ereignet haben.
Ein massiver Anstieg des Schwerlastverkehrs, wie die deutsche STEAG Power Minerals ihn für den Sandexport anstrebt, hat Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit der gesamten Region. Die Strassenverwaltung errechnet in ihrem Gutachten, dass sich die Zahl der Unfälle um bis zu neun pro Jahr erhöht, mit allen gesellschaftlichen Folgekosten, die so ein Unfall nach sich zieht.

Massive Abnutzung, Instandhaltung auf Staatskosten
Nicht zuletzt nutzt der Schwerlastverkehr die Strassen weitaus schneller ab, damit müssten Instandhaltung und Strassenneubau mehr vorangetrieben werden als der jetztige Verkehrswegeplan es vorsieht. Instandhaltungen könnten zudem weitaus teuerer werden, weil der Schwerlastverkehr möglicherweise breitere Strassen und eine andere Asphaltierung notwendig macht.
Bislang reiche es aus, den Strassenbelag alle sechs bis sieben Jahre zu erneuern, solange der LKW-Anteil unter 10 Prozent des Gesamtverkehrsvolumens bleibe. Mit dem Anstieg auf bis zu 20 Prozent müsse die Asphaltschicht öfter erneut werden. Die Strassenverwaltung weist darauf hin, dass eine solche Fahrbahnerneuerung jedesmal gesondert bezuschusst wird.
Eine Verbreiterung des Strassenabschnittes auf neun Meter bringe Kosten von 80 bis 200 Millionen Kronen pro Kilometer mit sich. Die Gesamtkosten könnten sich auf bis zu sieben Mrd. Kronen belaufen, Wartungskosten nicht eingerechnet, die der Staat zu übernehmen habe. Zur Zeit sind das 1-1,5 Mio. Kronen pro Kilometer und Jahr. Die Mehrbelastung durch den Schwerlastverkehr der deutschen STEAG könnte sich auf bis zu 3,5 Mio Kronen pro Kilometer und Jahr belaufen.

“Um einen zufriedenstellenden Zustand des Straßennetzes zu gewährleisten, müssten die im Verkehrswegeplan vorgeschlagenen Bauprojekte beschleunigt, ein größerer Teil der Ringstrasse neugebaut und die Mittel für die Instandhaltung erhöht werden.“ heisst es in dem Gutachten.
Die Straßenverwaltung kommt zu dem Schluss, dass die Auswirkungen des Projekts auf den Verkehr erheblich negativ ausfallen, und nicht nur ein bisschen negativ, wie der Bauträger in seinem Gutachten behauptet.

 

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