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Rekordlawine in Flateyri – Verschüttete war guter Hoffnung

Lawinenexperten des isländischen Wetteramtes haben in den vergangenen Tagen die Schneemassen der beiden Lawinen von Flateyri untersucht, berichtet RÚV. Ihren Messungen zufolge war dies eine der grössten Schneelawinen, die weltweit auf eine Verbauung gefallen war. Die Verbauung in Flateyri soll Lawinen nicht aufhalten, sondern in eine andere Richtung lenken.

Nach Angaben des Wetteramtes haben sich die Lawinen oberhalb von Flateyri auf einem langen Abschnitt über die Verbauung geschoben, auch sind enorme Schneemassen am Verbindungsstück der beiden Verbauungsäste oberhalb der Stadt zu finden. Sie waren mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 km/h zu Tal gegangen. Von der Schneemenge her dürfte die Lawine, die in den Hafen abgegangen war, der Lawine vom Jahr 1995 entsprechen. Damals waren 20 Menschen ums Leben gekommen.

Halldór Halldórsson, der Leiter des isländischen Fonds für Verbauungswerke, kritisierte RÚV gegenüber, das Parlament habe die finanziellen Mittel für Verbauungswerke in gefährdeten Gebieten zu knapp bemessen. Im Fonds befänden sich ungenutzte 23 Mio. ISK, und geplante Verbauungsprojekte hätten bis 2010 vollendet sein sollen. Die Projektdauer wurde per Gesetz auf das Jahr 2020 verlängert, doch glaube er nicht an eine Fertigstellung vor dem Jahr 2050.

Bei dem Unglück war niemand getötet oder verletzt worden, jedoch war ein Mädchen in ihrem Zimmer verschüttet worden. Iin einem Interview mit RÚV sagt die 14-jährige Alma, sie habe nicht daran gezweifelt, dass sie aus ihrer Notlage gerettet werden würde.

Das war wie Beton,” berichtete sie. “Ich war eigentlich wie in einer Form. Ich konnte mich vielleicht zwei Zentimeter weit bewegen. Ich konnte eine Faust machen und ein bisschen den Kopf heben. Aber ich konnte mich nicht aufrichten oder mich in eine andere Lage bringen.” Die ganze Zeit habe sie daran geglaubt, dass man sie retten würde. Sie habe viel mehr Sorge um ihre Familie gehabt als um sich selber.

Ich glaube, ich habe das Bewusstsein verloren, aber ich glaube dass ich fünf oder sechs Minuten wach gewesen bin. Ich dachte an Mama und meine Geschwister, weil ich glaubte, dass die auch in der Lawine liegen. Ich hoffte, dass mit denen alles in Ordnung war. Ich hab eigentlich erwartet, dass irgendwer kommen würde.” Der Mutter war es gelungen, mit den beiden Geschwistern durch ein Fenster ins Freie zu klettern. Etwa 30 Minuten später hatte man die verschüttete Tochter ausgegraben.

Gestern hatten sich die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, Finanzminister Bjarni Benediktsson und Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannesson per Hubschrauber auf den Weg in die Westfjorde gemacht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Bei dem Lawinenunglück am Dienstag hatte eine der beiden Lawinen ein Wohnhaus verschüttet, ein junges Mädchen hatte gerettet werden müssen. Die grössere Lawine war in den Hafen von Flateyri abgegangen und hatte sechs der sieben Fischerboote des Ortes versenkt. Der Ort war zwei Tage lang nur vom Wasser aus erreichbar gewesen, das Küstenwachschiff Þór hatte den Transport von Rettungspersonal, Ausrüstung und Versorgungsgütern übernommen.

Gestern Abend hatte dann erneut die Ungewissheitsstufe ausgerufen werden müssen, nachdem auf unbewohntem Gebiet in der Nachbarschaft eine kleinere Lawine abgegangen war. Die Strassen nach Flateyri sind aus diesem Grund noch nicht wieder freigegeben worden, und auch die Koordinationsstelle für Katastrophenschutz in Skógarhlíð in Reykjavík bleibt weiterhin aktiv. Rund 20 freiwillige Retter sind in Flateyri im Einsatz, sie räumen Schnee und helfen dabei, Wertgegenstände aus betroffenen Häusern zu bergen. Auch die Auffangstation des Roten Kreuzes ist noch geöffnet, das Team für Traumaersthilfe widmet sich dort Bewohnern, bzw besucht die Leute in Suðureyri, wo nach einem Lawinenabgang am gegenüberliegenden Berg eine Flutwelle das Dorf getroffen hatte. Das Küstenwachschiff Þór konnte gestern endlich im vereisten Hafen anlegen, und erste Reinigungsarbeiten haben begonnen, nachdem etwa 15.000 Tonnen Öl aus einem beschädigten Öltank in den Hafen ausgelaufen waren.

Im Wetterweb blika.is ist zu lesen, dass Lawinenserien wie diese nur alle 10 bis 20 Jahre vorkommen. Die Voraussetzungen für die Lawinen seien gut gewesen, schreibt der Meteorologe Einar Sveinbjörnsson, es habe soviel in den Bergen geschneit dass alle Spalten und Vertiefungen mit Schnee gefüllt gewesen seien. Die Berghänge seien bis an die Bergkämme glatt gewesen und an vielen dafür bekannten Orten seien Lawinen abgegangen, selbst an Berghängen die nach Südwesten zeigten.

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