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Keflavík airport
Photo: Flug Flugvöllur flugáhöfn Flugfélög.

Reaktionen auf die neue Quarantäneregel

Die neue Quarantäneregel, die ab heute um Mitternacht in Kraft tritt, und die neben zwei COVID-Tests auch eine fünftägige Quarantäne umfasst, ist von der Tourismusbranche scharf kritisiert worden.
Jóhannes Þór Skúlason, der Vorsitzende des isländische Tourismusverbandes äusserte, der isländische Tourismus sei geschlossen worden. Die Regierung habe bewusst wirtschaftliche Interessen geopfert, bei der Entscheidung habe allein der Aspekt des Seuchenschutzes eine Rolle gespielt. Er rechnet damit, dass nun massenhaft Buchungen widerrufen werden, weil niemand vier Tage in einem Hotelzimmer verbringen wolle.

In den vergangenen Wochen sind weit mehr Touristen ins Land gereist als erwartet. Seit Januar haben nach Angaben eines Wirtschaftsexperten der Íslandsbanki immerhin 400.000 ausländische Touristen das Land bereist, viele hatten ihre Reiseentscheidung erst spontan im Sommer getroffen, als die zweiwöchige Quarantänepflicht am 15. Juni zugunsten des COVID-Testes wegfiel.

Für morgen werden am internationalen Flughafen in Keflavík 19 Flugzeuge erwartet, berichtet turisti.is. Acht von ihnen sind Maschinen der Icelandair, sowie eine Maschine im Auftrag der Icelandair aus Teneriffa. Icelandair habe, so das Magazin, seine Passagiere über die neue Quarantänepflicht und das Registrierungsformular aufgeklärt. Die anderen Maschinen fliegen für ausländische Gesellschaften. Bislang ist nicht bekannt, wie und ob die Fluggesellschaften ihre Passagiere über die aktuelle Lage informiert haben.

Islands Regierung hatte anlässlich der Vorstellung der neuen Regel betont, dass vor allem Gesundheits- und Seuchenschutzaspekte im Vordergrund gestanden hätten. Die Regierung stehe geschlossen hinter ihrer Entscheidung.
“Wir hoffen darauf, dass die Verschärfung, zu der wir an den Grenzen nun greifen, dazu führt, dass wir langsam die Seuchenschutzmassnahmen im Land lockern können. Denn die sind immer noch in Kraft,” sagte Premierministerin Katrín Jakobsdóttir. Man sei sich jedoch der Tatsache bewusst, dass die zweifache Testung kostenträchtig sei und Auswirkung auf den Reisewillen der Leute habe.

Eine Insel ist anders
Schützenhilfe bekommen Krisenstab und Regierung von einem weiteren Mediziner der Uniklinik. Magnús Gottfreðsson, Internist und Facharzt für Infektionskrankheiten, sagte RÚV gegenüber, Inseln hätten anderen Ländern gegenüber den Vorteil, dass sie die Einreise besser kontrollieren könnten. Daher sei es realistisch und ratsam für eine Insel, seine Grenzen gut zu bewachen und die Einschleppung von Infektionen durch Einreisende abzuwehren. Er bezeichnete die zweifache Testung als vernünftig. Bislang seien die Isländer durch die isolierte Lage ihres Landes in Bezug auf Seuchen gut weggekommen. Der wachsende Flugverkehr in und aus dem Land verspiele diesen Vorteil. Magnús hält die Kurzquarantäne mit zwei COVID-Tests für eine gute Kompromisslösung. Immerhin gebe es Länder wie Neuseeland oder Taiwan, die jeden Einreisenden ausnahmslos in eine 14-tägige Quarantäne setzten.
Vor zwei Tagen hatte das isländische Gesundheitsamt Isländer vor Reisen ins Ausland gewarnt. Angesichts der steigenden COVID-Infektionszahlen überall im Ausland sind nun alle Länder wieder in der Risikokategorie zu finden.

Quarantäneregel gilt für länger
Islands Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason sagte im Abendmagazin Kastljós, die neue Regel – Test an der Grenze, fünf Tage Quarantäne und ein weiterer Test – müsse für Monate gelten. Bislang waren alle Massnahmen im Rhythmus von zwei bis drei Wochen auf ihre Notwendigkeit überprüft worden. Es sei nun nötig, eine neue Arbeitsweise einzuführen und sich von Aktionismus und Krisenmanagement zu verabschieden. Am Donnerstag wird der neugegründete Seuchenschutzrat, ein fachübergreifendes Expertengremium im Auftrag der Regierung, seine Tätigkeit aufnehmen.

Viel habe man in den Wochen seit dem 15. Juni, als die Reisebeschränkungen zugunsten der Grenztestung aufgehoben wurden, über das Virus gelernt, vor allem darüber, wie es sich verhalte.
Insgesamt seien seit dem 15. Juni 60 Infektionsfälle an den Grenzen festgestelt worden. Heute wisse man, dass ein einziger Reisender ausreiche, um eine Infektionskette im Land in Gang zu setzen. Bei ihren Entscheidungen könne die Regierung das gesammelte Wissen der vergangenen Wochen nun nutzen. Zum Thema Infektionskette hatte Kári Stefánsson, der Chef des isländischen Genforschungsinstitutes deCODE, heute ein erläuterndes Video veröffentlicht (nur in isländischer Sprache).

Quarantänetaugliche Hotels und Angebote
Inzwischen hagelt es zwar Absagen aus dem Ausland, doch Islands Unternehmer sind nicht auf den Kopf gefallen, um den Touristen das Reisen trotzdem schmackhaft zu machen.
Der isländische Tourismusverband hat eine Liste von quarantänetauglichen Unterkünften im ganzen Land veröffentlicht, die man hier findet.
Viele Hotels, Gästehäuser und Kleinunternehmer bieten zusätzliche Serviceleistungen wie Besorgungen und Verpflegung zum Sonderpreis, manche Touranbieter stellen die Quarantänetage nicht in Rechnung.

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