Rätsel um einen 71 Jahre alten Dachbodenfund gelöst Skip to content

Rätsel um einen 71 Jahre alten Dachbodenfund gelöst

Das Rätsel eines Briefes zwischen zwei Brüdern aus dem Jahr 1948, der auf einem Speicher in Reykjavík gefunden worden war und seiner Finderin jahrelanges Kopfzerbrechen bereitet hatte, ist gelöst worden. Der Sohn eines der Brüder sagt, er sei nun hinter das 71 Jahre alte Geheimnis gekommen, berichtet mbl.is.

Vor sieben Jahren hatte Guðrún Dóra Þórudóttir auf dem Speicher ihres Hauses jenen Brief gefunden, der jedoch weder Adressaten noch Absender aufwies. Aus dem Text geht hervor, dass ein gewisser Magnús den Brief in Virginia in Minnesota aufgesetzt und an seinen Bruder schrieb, der allerdings nicht namentlich genannt wird. Im Brief werden aber die Kinder des Schreibers erwähnt.

Guðrún Dóra versuchte erfolglos, die Nachkommen des Schreibers zu finden, schliesslich übergab sie den Brief der staatlichen Dokumentensammlung, nicht jedoch ohne ihn vorher fotokopiert zu haben.

Da ihr die Sache keine Ruhe liess, postete sie kürzlich diesen Brief auf ihrer Facebookseite und fragte, ob irgendwer wohl die Leute rund um den Brief kenne.

Es gab allerlei Hinweise, unter anderem bot sich ein Ahnenforschungsunternehmen, welches sich auf die isländischen Auswanderer in den Vereinigten Staaten und Kanada spezialisiert hatte. In dieser Datenbank fanden sich tatsächlich die beiden Brüder.

Kurz darauf meldete sich ein Mann bei Guðrún Dóra, der überzeugt war, dass der Brief an seinen Onkel Jón Jónsson gerichtet gewesen war. Und in der Tat, seine Gattin Dominique Plédel Jónsson konnte bestätigen, dass der Brief von Magnús Magnússon an ihren Schwiegervater Jón Magnúson gerichtet war.

Jón der Jüngere sagt, er habe weder von dem Brief gewusst, noch dass er einen Onkel in den USA gehabt habe, sein Vater habe diesen Bruder nie erwähnt. Doch dann gab es da den Grossonkel Eiríkur Magnússon, einen Bibliothekar in Cambridge, der seinen elfjährigen Neffen Magnús aufgenommen hatte. “Ich wusste nie, warum mein Grossonkel Magnús zu sich genommen hat.” sagt Jón.

Das Mündel des Bibliothekars ging dann nach Amerika und blieb dort. Jón sagt, die beiden Brüder seien 1871 und 1873 geboren, der Brief sei jedoch geschrieben worden, als beide schon ein recht hohes Alter erreicht hatten.

Aus dem Brief geht hervor, dass begleitend eine Taschenuhr von Magnús an Jón geschickt worden sei. Offenbar wusste Magnús, dass sein Bruder daheim in Island erblindet war, denn er schreibt, dass er zwar eher wenig Nutzen aus einer Taschenuhr ziehen könne, aber er könne sich ja das Ticken anhören. Er bezeichnete sich als den faulsten Briefeschreiber der Welt, doch die Uhr “könnte dir jedesmal, wenn du sie an dein Ohr hälst, sagen, dass ich noch am Leben bin und an dich denke,” schreibt Magnús und endet seinen Brief mit den Worten “Dein dich liebender Bruder Magnús.”

Jón hat keine Ahnung, woher Magnús wusste, dass sein Bruder blind war. “Aber Geschichten verbreiten sich ja immer, damals wie heute. Und als ich von diesem Brief hörte, löste sich ein 71 Jahre altes Geheimnis. Papa hatte nämlich eine wunderbare goldene Uhr in seiner Westentasche. Das war eine sehr schöne Uhr, ich erfuhr jedoch niemals, woher er sie hatte, obwohl ich ihn danach gefragt habe. Jetzt weiss, ich woher sie kam.” freut Jón sich.

Jón mit der Taschenuhr starb 1950. Der Brief, so vermutet Jón der Jüngere, befand sich wohl in dem Haus, weil seine Schwester dort einmal gewohnt habe.

Er versteht sehr gut, warum das Schreiben ein solches Interesse bei den Leuten geweckt habe und ist der Finderin sehr dankbar, dass sie ihn nicht weggeworfen hat, wie es zweifellos viele getan hätten.

Der Brief sei eins der wenigen Dinge, die ihm von seinem Vater geblieben seien.

Ich weiss nicht, warum die Brüder 45 Jahre lang keinen Kontakt hatten. Da gab es ganz offensichtlich ein altes Problem zwischen den beiden. Aber es ist vielsagend, dass Magnús seinem Bruder, meinem Vater, diese wertvolle goldene Uhr geschickt hat.”

Guðrún Dóra hingegen freut sich, dass ein altes Familienrätsel auf diese Weise gelöst werden konnte. Ein richtiges Abenteuer, findet sie, eins von der Sorte, die sie sich nie hätte träumen lassen.

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