Polizei trifft Minister auf Weihnachtsparty mit 50 Gästen an Skip to content
Photo: Ýrúrarí, Facebook.

Polizei trifft Minister auf Weihnachtsparty mit 50 Gästen an

Die Polizei in Reykjavík hat gestern Abend eine festliche Veranstaltung mit 40 bis 50 Teilnehmern aufgelöst, berichtet Vísir. Unter den Gästen befand sich auch ein Minister der isländischen Regierung.
Im Tagebuch der Polizei heisst es dazu: “Die Polizei rückte aus wegen einer Zusammenkunft in einem angemieteten Saal in der Innenstadt. Die Restauration im Saal befindet sich in der Kategorie II und hätte daher zu dieser Zeit geschlossen sein müssen. Es stellte sich heraus, dass zwischen 40 und 50 Personen im Saal zusammengekommen waren, darunter ein ehrenwerter Minister der isländischen Regierung.”
Die derzeit gültigen Seuchenschutzregeln in Island besagen, dass ohne explizite Ausnahmegenehmigung nicht mehr als 10 Personen zusammenkommen dürfen. Es gilt die Abstandsregel von zwei Metern, sowie das Tragen von Mund-Nasenschutz, wenn der Indivdualabstand nicht eingehalten werden kann.
Weiter heisst es im Tagebuch der Polizei, dass die Gesellschaft ziemlich alkoholisiert gewesen sei, als die Beamten den Raum betraten. Niemand habe einen Mund-Nasenschutz getragen, die Abstandsregel sei “fast nirgendwo” eingehalten worden. Gerade mal drei Flaschen mit Desinfektionsmittel hätten die Polizisten in dem Saal entdecken können.

“Die Polizisten sprachen mit den Verantwortlichen des Festes und kündigten an, dass ein Protokoll aufgenommen werde. Danach wurden die Gäste des Ortes verwiesen. Beim Hinausgehen hatten die meisten einen Mund-Nasenschutz angelegt.” Viele Gäste hätten sich mit Umarmung und Küssen voneinander verabschiedet. “Ein Gast war mit der Polizeiaktion nicht einverstanden und verglich uns mit Nazis,” heisst es im Tagebuch der Polizei.

Rätselraten um Minister, Bjarni Benediktsson entschuldigt sich
Die meisten Minister, mit denen Vísir und RÚV Kontakt aufnahmen, konnten glaubhaft machen, dass sie sich an anderen Orten als in jenem Saal befunden hatte. Am Mittag stellte sich dann heraus, dass es sich bei dem feiernden Regierungsmitglied um Finanzminister Bjarni Benediktsson samt Gattin gehandelt hatte.

Bjarni entschuldigte sich öffentlich in einem Beitrag auf seiner Facebookseite. Er sei von Freunden angerufen worden, ob er nicht vorbeischauen wolle, schrieb der Minister. “Als wir gestern Abend in den Saal kamen, hätte ich sehen müssen, dass sich da mehr Personen befanden als die Regeln erlauben.” Er schreibt weiter “Ich bin etwa 15 Minuten in dem Haus gewesen, und während der Zeit kamen immer mehr Gäste. Eine korrekte Reaktion wäre gewesen, die Galerie sofort zu verlassen, als ich bemerkte, dass sich die Personenzahl nicht an die Beschränkung hielt. Das habe ich nicht getan, und ich bitte inständig um Verzeihung für die Fehler.”

Auch die Betreiber des Ásmundarsalur, wo die Veranstaltung stattgefunden hatte, haben sich inzwischen entschuldigt. Der Saal als Ausstellungsraum mit Kunsthandel habe eine Betriebsgenehmigung bis 23 Uhr am Þorláksmessa-Tag gehabt. Die Veranstaltung sei eine Verkaufsschau unter dem Titel “Gleðileg jól” und für jeden zugänglich gewesen. Man habe da wohl die Übersicht über die Gästezahl verloren.

Reaktionen in der Öffentlichkeit
Bjarnis Fehltritt wird inzwischen in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Nicht nur machten sich Nutzer der sozialen Medien am Vormittag lustig über das Ministerraten und verlangen Konsequenzen, auch Parlamentarier fordern inzwischen den Rücktritt des Ministers.  Vor allem aber Mediziner zeigen sich besorgt bis verärgert.

Jón Magnús Jóhannesson, Oberarzt an der Uniklinik, bezeichnete den Fehltritt des Ministers als “absurde, beschämende Verletzung der Seuchenschutzregeln”, die, wie allgemein bekannt sei, ein COVID-19 Superspreader-Ereignis im Land in Gang setzen könne, mit Todesfolgen für manche, und forderte seinen sofortigen Rücktritt.
Die Art und Weise, wie Seuchenschutzregeln bei der Festivität igoriert worden seien, zeige einen “grotesken Mangel an Urteilsvermögen und Respektlosigkeit gegenüber der Allgemeinheit”.

Islands Chefepidemiologe kommentierte RÚV gegenüber, er habe von dem Vorfall in den Nachrichten gelesen, die Angelegenheit befinde sich in den Händen der Polizei, nicht auf seinem Tisch.

“Das ist einfach sehr schlimm, wenn die Staatslenker sich nicht an diese Regeln halten,” sagte Þóróldur Guðnason. Wenn es der Wahrheit entspreche, dass es sich bei der Veranstaltung, wo Finanzminister Bjarni Benediktsson gestern Abend angetroffen wurde, um eine Zusammenkunft vieler handle, dann seien die Seuchenschutzgesetze gebrochen worden. “Ich bedauere zutiefst, dass das geschehen ist.” sagte er.
Er hoffe, dass Bjarnis Verhalten von gestern Abend niemanden dazu ermutigten, es dem Minister gleichzutun.

Schon gestern hatte Þórólfur kritisiert, dass viel zuviele Leute am Tag vor Weihnachten unterwegs seien und offenbar alle Warnungen in den Wind schlügen. “Ich glaube, die Leute hören einfach nicht auf mich,” sagte der Chefepidemiologe, der gerade erst eine Quarantäne wegen Ansteckungsgefahr hinter sich gebracht hat und nach eigenen Angaben nicht mal dazu gekommen war, Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

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