Nikotin- und Energydrinks: isländische Jugendliche konsumieren am meisten in Europa Skip to content
Photo: Screenshot from RÚV.

Nikotin- und Energydrinks: isländische Jugendliche konsumieren am meisten in Europa

Isländische Jugendliche konsumieren mehr Energydrinks und Oraltabak als ihre europäischen Altersgenossen. Beide Produkte enthalten anregende Substanzen, die nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gelangen sollten, berichtet RÚV.

Vor allem der Konsum von Oraltabak, dem in kleinen Päckchen verpackten ‘Snús’, den man sich unter die Oberlippe schiebt, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Und die Energydrinks gehören bei sehr vielen Jugendlichen zum täglichen Standardgetränk, obwohl die in den Produkten enthaltenen Stimulanzien allerlei Auswirkungen auf den Körper haben.

Junge Menschen konsumieren reines Nikotin
Der 19-jährige Róbert Laufdal Arnarson sagt dem Abendmagazin Kastljós gegenüber, er konsumiere Oraltabak seit etwa zwei Jahren, acht bis zehn Päckchen am Tag. „Ich hab versucht, damit aufzuhören,“ sagt er, „aber als ich unkontrolliert in Tränen ausbrach, hab ich aufgegeben. Das ist sehr schwer, damit aufzuhören. Ich bin davon abhängig.“
Die kleinen Nikotinpäckchen, die sich in Island grosser Beliebtheit erfreuen, enthalten eins der stärksten bekannten Nervengifte, und nicht gerade in geringer Konzentration. Beide Produkte wirken blutdrucksteigernd und haben Auswirkungen auf den Verdauungstrakt. „Am schlimmsten beim Nikotin ist das Suchtpotential,” sagt Þórhallur Ingi Halldórsson, ein Professor für Ernährungswissenschaften an der Universität Islands. „Die Hersteller sichern sich da ein Leben lang feste Kunden, und allein schon das ist in Bezug auf junge Leuten und Kinder schwerwiegend.“ Dabei wisse man nicht mal, was für Langzeitwirkung der Konsum von Oraltabak mit sich bringe.
„Zum ersten Mal haben wir hier Leute, die reines Nikotin konsumieren, und wir wissen nicht, wie sich das auf längere Zeit auswirkt.“ Oraltabak gelte zwar als weniger schädlich als die Zigarette, dennoch sei bekannt, dass das Nikotinpäckchen nicht ohne Gefahren daherkomme.

Sportausschüsse verteilen Dosen
Auch der Konsum von Energydrinks bereitet den Gesundheitsexperten grosse Sorge, unter anderem, weil die Drinks als gesundheitsfördernde Produkte beworben werden. Die Jugendliche geben bereitwillig Auskunft: bis zu 10 Dosen konsumiert so mancher, und ihnen ist auch klar, dass der süsse Saft abhängig macht. Der 16-jährige Balthasar Yogi etwa trinkt bis zu vier Dosen am Tag, und manchmal bekommt er Herzstiche, wenn er seine Drinks nicht über den Tag verteilt.  Aber die Dose am Morgen bereite sie für den Tag vor, erzählt Ronja. Die allermeisten die sie kenne, konsumierten Energydrinks, sagt Þóra Fanney, und auch Nikotin, wie man an den vielen herumliegenden Päckchen unschwer erkennen könne. Das sei eine Art Routine oder Gewohnheit. Svanhildur Sif erklärt, der Sportausschuss verteile die Energydrinks, gerne auch wenn eine neue Sorte auf den Markt komme.

Kein Regelwerk für Umgang mit Energydrinks
Dass Energydrinks mehr Energie für den Sport liefern, habe bislang wissenschaftlich nicht bewiesen werden können, erklärt Jóhanna Eyrún Torfadóttir, eine Ernährungswissenschaftlerin beim isländischen Gesundheitsamt.
Dafür wisse man, dass die Drinks den Schlaf negativ beeinflussen, und Schlaf sei nun mal das wichtigste bei sporttreibenden Jugendlichen.
Sie hält es für katastrophal, dass junge Menschen als Zielschreibe bei Marketingkampagnen benutzt werden, und dass diese Drinks in Schulen und Sporthallen verkauft werden, noch schlimmer, wenn die Drinks frei erhältlich seien.
„Bei Umfragen konnten wir sehen, dass ein grosser Teil der Mittelstufenschüler im Gruppensport die Drinks umsonst erhalten haben. Wir möchten, dass die Kinder so weit wie möglich ins Erwachsenenalter hineinkommen, ohne diese Drogen zu konsumieren, und man fragt sich, warum diese Produkte den Kindern aufgedrängt werden. Vielleicht damit sie davon abhängig werden?“
Es fehle an Regelwerk, und solange dies nicht geschaffen sei, renne man immer nur der Entwicklung hinterher, sagt Eyrún. Vor allem arbeite man mit Schulen und Sportvereinen zusammen, die grossen Einfluss darauf hätten, ob Energydrinks vor Ort zu kaufen seien oder nicht.

 

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