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Photo: Saxo Grammaticus: Danmarks Krønike (Gesta Danorum) – tr. Frederik Winkel Horn (Danish) – illust. Louis Moe (1898).

Neidingsstange auf Privatland errichtet: “Ich fühle mich bedroht”

Am vergangenen Donnerstag ist auf dem Landstück Skrauthólar in Kjalarnes eine sogenannte Neidingsstange mit einem abgetrennten Pferdekopf errichtet worden, berichtet RÚV.
Neidingsstangen haben ihren Ursprung in einer alten heidnischen Tradition und werfen einen Fluch über den Adressaten. Die Bewohner von Skrauthólar – zwei Pferdeleute und die Leiterin der spirituellen Gemeinschaft Sólsetrið – hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Streitigkeiten ausgetragen und sind beide der Meinung, die Neidingsstange beziehe sich auf diese Fehden – oder die Berichterstattung in der Presse über die Auseinandersetzungen.

Spirituelle Gemeinschaft erregt Missfallen
Linda Möll Stefánsdóttir leitet die spirituelle Gemeinschaft Sólsetrið in Skrautholar 4, wo Kakaozeremonien, Gesang, Tanz und Trommeln angeboten werden. Auch tantrische Festivals finden hier statt, und genau diese Veranstaltungen haben offenbar Ärger bei den Nachbarn in Skrauthólar 2 hervorgerufen. „Das ist die Grundlage dafür, und das respektiere ich,“ hatte Linda Möll vor kurzem in einem Interview angegeben. „Gleichzeitig respektiere ich aber auch, dass ich ein individuum bin, welches anders ist, welches anders an das Leben herangeht, einen Lebensweg wählt, der vielleicht eine andere Sicht auf die Welt hat, und vielleicht kann ich eine Brücke zu einer besseren Welt bauen.“

Pferdeleute entsetzt über den Pferdekopf
Die unterschwellige Drohung der Neidingsstange ist Linda Mjölls Nachbarn nicht entgangen, die als Pferdeleute den Vorfall entsetzlich finden. “Ich nehme das als Bedrohung,” sagt Lindas Nachbarin Kristjana Þóarinsdóttir. “So ist das einfach. Da gibt es nichts anderes zu sagen. Mein Ehemann Guðni ist der Vorsitzende des isländischen Dachverband der Reitvereine – wie sollen wir das anders verstehen? Wir sind Pferdeleute und ich denke, wenn irgendjemand Guðni kennt oder etwas über ihn weiss, das erste was man über ihn denkt ist dass er ein Pferdemann ist. Das charakterisiert ihn am allerbesten, und du kannst das da nicht anders als eine Bedrohung interpretieren.” meint Kristjana.
Zumal es wirklich schwierig ist, wem die Neidingsstange da eigentlich gilt: Kristjana und ihrem Mann, oder Linda Möll und ihrer Gemeinschaft.
Nachdem Kristjana die Stange entdeckt hatte, sei sie sofort zum Stall gerannt, um sicherzugehen dass es sich nicht um ihr eigenes Pferd handelt. Zum Glück ging es allen Pferden gut, aber jetzt hat Kristjana Angst nach Hause zu gehen. “Mir geht es schlecht,” sagt sie, “das ist ekelhaft.”

Monstrosität ohne Absender
Kristjana glaubt nicht, dass Linda Möll hinter der Monstrosität steckt. Die Streitigeiten rund um die spirituelle Gemeinschaft hingegen waren schon oft Thema in den Medien, und jeder könne dahinterstecken.
Die Bewohner von Skrauthólar versuchen immer noch, den Vorfall zu verstehen. “Das kann nicht wegen eines Nachbarschaftsstreites sein,” meint Linda. “Wir hätten diese Diskussion doch über einer Tasse Kakao führen können. Und wer verdient es, eine solche Botschaft zu erhalten? Ich denke, niemand verdient das.”
Am Freitag wurde die Stange durch die Polizei entfernt, und die Veterinäraufsichtsbehörde untersucht nun die Herkunft des Kopfes, denn der Pferdekopf hat kein typisches Einschussloch in der Stirn, aus einem Schlachthof stammt er damit wohl eher nicht.

Neidingsstangen in den Sagas
Eine der berühmtesten Geschichten rund um die Neidingsstangen ist in der Egils Saga zu finden
“Und als alles zum Ablegen bereit war, ging Egill auf die Insel. Er nahm mit seiner Hand einen Haselnussstange, und begab sich zu einem felsigen Ort, der ins Inland zu blicken schien. Dann trennte er einen Pferdekopf ab und befestigte ihn auf der Stange. Danach sprach er folgenden Fluch: “Hier setze ich eine Fluchstange auf, und diesen Fluch richte ich gegen König Eirík und Königin Gunnhildur. (hier drehte er den Pferdekopf landeinwärts) Diesen Fluch richte ich gegen die Schutzgeister, die auf diesem Land leben, dass sie alle abwandern, oder ihr Heim nicht mehr finden, bevor sie nicht König Eirik und Gunnhildur vertrieben haben.”
Nachdem er dies ausgesprochen hatte, pflanzte er die Stange in eine Felsspalte und liess sie dort stehen. Den Pferdekopf drehte er landeinwärts, aber in die Stange ritzte er Runen, um dem Fluch eine Form zu geben.”

In jüngerer Vergangenheit erlangte die Neidingsstange im Þjórsárdalur Berühmtheit, die von Bauern aus der Region in alter Tradition errichtet worden war, und sich gegen den Bau der Talsperre Hvammsvirkjun richtete. Die Wortführer hatten damals angegeben, der Fluch gelte  nicht  Landsvirkjun, sondern solle dafür sorgen, dass aus dem Kraftwerksvorhaben nichts werde.

 

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