Namensausschuss: Kraftsportler will seinen "krassen" Namen einklagen Skip to content
Photo: Zachary Kadolph, Unsplash.

Namensausschuss: Kraftsportler will seinen “krassen” Namen einklagen

Gestern hat der isländische Namensausschuss drei Namensentscheidungen verkündet: genehmigt wurden die männlichen Vornamen Freysi und Klaki. Keine Genehmigung erhielt der männliche Vorname Hroði.

In seiner Begründung führte der Ausschuss an, dass der Name zwar den isländischen Sprach- und Grammatikregeln entspreche, seinem Träger aber Ungemach bescheren könne. Das isländische Wörterbuch verzeichnet für hroði Bedeutungen wie Flegelei, Feindseligkeit, Brutalität, Erbrochenes, Schleim aus der Lunge, Müll und Schmutz, der Name sei daher negativ behaftet. Auch das Adjektiv hroðalegur (schauderhaft) und seine Ableitungen seien würdelos.

Kraftdreikämpfer mit Spitznamen
Das Namensgesuch hat allerdings eine Vorgeschichte, und es handelt sich diesmal nicht um Eltern, die ihrem Kind einen ganz besonderen Namen geben wollten, sondern um den Kraftdreikämpfer Rúnar Hroði Geirmundsson, der diesen Namen verliehen bekam, als er mit dem Kraftsport begann.

„Das ist einfach meine Identität. Das ist mein Charakter. Seit 17 Jahren werde ich so genannt,“ sagte Rúnar Vísir gegenüber.
Im Morgenradio erzählte er, wie es dazu kam: „Als ich mit den Wettkämpfen anfing, war ich nicht besonders stark. Dann aber hab ich Gewichte gehoben, die ein verstorbener Freund als schauderhaft bezeichnete.” Auf seiner Facebookseite schreibt Rúnar Hroði, das Gewicht sei ja nur 58 Kilo schwer gewesen, aber sein Freund habe ausgerufen: ‚Du bist unglaublich – affengeil – voll krass brutal! Du bist der brutal Krasse!“ Damals habe er seiner Familie versprochen, Weltmeister zu werden, egal wie lange das dauern mochte.
Und tatsächlich ist Rúnar Hroði Weltmeister im Kraftdreikampf geworden. „Da stand ich nun, der brutal Krasse, der das Ding durchzog, wie alles was ich mir vornehme. 12 Jahre hat es gedauert, Weltmeister zu werden, keinen Tag hab ich aufgegeben. Das ist etwas was brutal Krasse tun. Das ist das was der brutal Krasse mich gelehrt hat. Es bedeutet Optimismus, Fleiss, Härte, Trotz, und siegen, egal wie.”

Kampf mit imaginärem Gewicht
Jetzt findet er, dass es an der Zeit ist, den Namensausschuss mit seinem Namen zu beschäftigen, und nicht nur weil sein verstorbener Freund ihn immer so genannt hat. „Ich war mir sicher, dass das durchkommt,“ meint Rúnar Hroði, der sich vorher darüber informiert hatte, was nötig ist, um einen Namen registrieren zu können. Und warum sollte Hroði da eine Ausnahme sein?

Er wurde eines Besseren belehrt. „Man erklärt mir, dass man das für zu schauderhaft halte. Das sei brutal und negativ behaftet.“ Rúnar Hroði findet es ausgesprochen seltsam, dass die subjektive Einschätzung eines Ausschussmitglieds darüber entscheidet, wie er genannt werden darf. „Wo sonst könnte man nicht so genannt werden, wie man genannt werden möchte?“ Deswegen will er sich nicht geschlagen geben und hat sich einen Anwalt genommen, der die Sache für ihn durchfechten soll. Rúnar will unbedingt Hroði heissen dürfen.

Wer entscheidet über Ungemach?
Hroði beschäftigt inzwischen sogar das Parlament der Isländer. Der Abgeordnete der Piraten, Gísli Rafn Ólafsson, nahm sich des Themas heute an und nannte es ein typisches Beispiel für Bevormundung durch den Namensausschuss. Der Name erfülle alle Kriterien bis auf die zuvor erwähnte subjektive Bewertung. Warum dürfe man so nicht heissen? Weil der Name seinem Träger kein Ungemach bringen darf.
„Und wer hat zu entscheiden, was Ungemach bringt und was nicht? Ja, der Namensaussschuss, der kam nämlich zu dem Schluss, dass es sich um einen schlechten Namen handeln muss, da er soviel wie „Erbrochenes“, „Schleim in der Lunge“, „Müll“, „Abfall“ und „Dreck“ bedeuten kann.” so der Parlamentarier in seiner Rede.

Gísli Rafn wies darauf hin, dass in der gleichen Sitzung des Ausschusses der männliche Vorname Klaki genehmigt worden war.
„Wenn man sich das Wörterbuch der Árnastofnun anschaut und das Wort hroði nachschlägt, sieht man, dass eine der Bedeutungen ‘matschiges Eis auf dem Meer oder dem Wasser’ lautet. Und was ist da der Unterschied zwischen diesem und klaki (Eis)?“
Man darf gespannt sein, wie es mit dem krassen Hroði weitergeht.

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