Messer im Rücken: Arctic Truck Jeep versinkt in Inuit Jagdgründen Skip to content
Photo: via Transglobal Car Expedition, Facebook.

Messer im Rücken: Arctic Truck Jeep versinkt in Inuit Jagdgründen

Die Transglobal Car Expedition, ein Arktisexpedition mit Teilnehmern aus Island, der Ukraine, Russland, Kanada und den USA, hat eine Entschuldigung an die Inuit Gemeinde von Taloyoak in Nunavut, Kanadas nördlichstem Territorium, übermittelt, welches von den dortigen Inuit autonom regiert wird. Die Entschuldigung erfolgte, nachdem eins der Teams an Bord eines vom isländischen Unternehmen Arctic Trucks  modifizierten Ford F150s durch das Eis gebrochen war, während das Expeditionsteam sich Ende März auf dem Weg durch die Tasmanische Inselwelt befand.

Der kanadische Staatssender CBC berichtet, dass eingeborene Jäger und Trapper in der Region wegen des gesunkenen Trucks besorgt sind, denn die 40 Liter Diesel, Motorflüssigkeiten, sowie ein Generator an Bord können das empfindliche Ökosystem verschmutzen, von dem die dort jagenden und fischenden Gemeinden abhängig sind.
Emil Grimsson, der Gründer von Arctic Trucks und eins der isländischen Teammitglieder, gab an, die Ereignisse täten ihn “sehr sehr leid”, und es sei “sehr wahrscheinlich”, dass der versunkene Truck geborgen werde, doch könne bis Ende Mai nichts unternommen werden, bis dahin soll eine Risikoanalyse erstellt werden, die auch Kostenfaktoren und Genehmigungen einschliesst.

Inuit fühlen sich von den Abenteurern verraten
Der Vorfall komme wie ein “Messer im Rücken”, so Jimmy Oleekatalik, der Manager des Spence Bay Jagd und Trapper Verbandes, denn die Region, wo der Truck sich zur Zeit auf dem Meeresgrund befindet, ist als Hauptmigrationsroute für Belugawale, Narwale, Seehunde, Walrösser und arktische Forellen bekannt.
“Wir leben von dem Land,” erklärte Oleekatalik. “Wir sind keine Bauern. Wir sind Jäger und Sammler, und wir sind darauf angewiesen, dass unser Wild sauber ist. Wir wollen, dass die Verschmutzung so schnell wie möglich beseitigt wird.”

Eklatante Fehleinschätzung bei der Eisdicke
Die Expedition war als “erste Überlandreise auf Rädern vom Festlandsockel Nordamerikas in die hohe Arktis“ angekündigt worden, dazu war ein einmonatiger „Übungslauf“ von Yellowknife im kanadische Nordwestterritorium herunter nach Resolute Bay in Nunavut veranstaltet worden, bevor dann die Hauptexpedition im kommenden Jahr startet. Diese ist von der Südspitze von Südamerika zum Nordpol geplant, dann nach Grönland, auf den europäischen Kontinent, durch Asien und Afrika.
Das Team hatte es mit seinen modifizerten F150s und Amphibienfahrzeugen bis nach Resolute Bay geschafft, dann wollten einige Teilnehmer umdrehen und die F150s nach Yelloknife zurückbringen. Sie hatten jedoch keine Messgeräte an Bord, mit der die Dicke des Eis kontrolliert wird, sondern verliessen sich stattdessen auf an den Tagen zuvor gesammelte Daten. Diesen Daten zufolge war das zu überquerende Eis 50 Zentimeter dick. In Wahrheit lag aber nur eine Dicke von 15 Zentimetern vor.

Einer der Trucks hielt mitten auf der Strecke an und brach durch das Eis. Das isländische Teammitglied Torfi Johannsson hatte gerade noch genügend Zeit, den anderen Truck per Funk zu warnen, bevor er und sein Mitfahrer, ein Jäger, den man angeheuert hatte, um die Truppe vor Eisbären zu schützen, es gerade noch aus der Tür herausschafften. Torfi konnte auch noch Säcke mit Kleidern und Zelten aus dem Truck ziehen, bevor das Fahrzeug völlig im Eiswasser versank. Den Rest der Nacht verbrachten die drei Männer im zweiten Truck, bereit, auch diesen zu verlassen, sollte er sinken. Bei Tagesanbruch wurden sie dann von einem Hubschrauber gerettet.
“Wir waren nur fünf Tage zuvor dort erst gewesen,” wird Torfi zitiert. “Wir hatten keinen Grund anzunehmen, dass sich in der Zeit soviel geändert hat.”

Inuit Gemeinde hätte Beratung angeboten
Nicht nur die Verschmutzung durch den versunkenen Truck bereitet den Leuten in der kleinen Gemeinde grosse Sorge. Man ist vor allem darüber entsetzt, dass das Abenteurerteam tatsächlich von der Gefahr gewusst hatte, dass sich die Eisdicke so schnell ändern würde. Der Vorfall sei vollkommen vermeidbar gewesen, wenn das Team von Transglobal Car sie nur konsultiert hätte, heisst es von Seiten der Gemeinde.
Die Tasmanischen Inseln sind zu dieser Jahreszeit extrem gefährlich, erklärte Oleekatalik CBC gegenüber, weil die Strömung unter dem Eis sehr heftig ausfalle. “Wir hätten sie zumindest auf Gebiete hinweisen können, in denen es schnelles Wasser und grosse Löcher im Eis gibt, oder auf Orte, wo das Reisen gefährlich ist.“ sagte Joe Ashevak, der Vorsitzende des Spence Bay Jäger und Trapper Verbands. “Wir hätten ihnen sagen können, dass manche Regionen des Meeres für schwere Fahrzeuge nicht sicher sind.”
“Sie hätten sich mit uns beraten sollen,” pflichtet Oleekatalik ihm bei. Die Gemeinde hätte auch einen Reiseleiter gestellt. “Das sind unsere Jagdgründe. Das ist unsere Lebensgrundlage. Hier kennen wir uns aus.”

Umweltbedenken “ein bisschen überschätzt”
Schon vor dem Versinken des Trucks in Nunavut hatte die Transgloal Car Expedition Schlagzeilen wegen fragwürdiger Entscheidungen gemacht, die bei der Durchführung der Reise von Beginn an getroffen wurden. So war die Crew Anfang März mit einer russischen Chartermaschine nach Yellowknife geflogen. Dies war nach der russischen Invasion in der Ukraine ein Verstoß gegen geltende Luftraumvorschriften. Die kanadische Transporbehörde verhängte daher ein Bussgeld gegen das russische Teammitglied, welche die Maschine gechartert hatte, gegen die zwei Piloten und den Flugzeugbetreiber.
Emil Grimssson sagt, die unerwarteten Herausforderungen hätten das Team von einer besseren Planung abgelenkt, während man sich in Yellowknife befand. „Wir hätten das besser machen können,“ sagt er. „Was wir tun müssen, ist lernen, wir müssen wissen, mit wem wir sprechen müssen.“

Emil behauptet, die Besorgnis der Inuit Gemeinde über die Verschmutzung durch auslaufenden Kraftstoff seien „ein bisschen überschätzt“, er glaube vielmehr, aus dem Fahrzeug werde innerhalb von Jahren gerade mal weniger als ein Liter Diesel auslaufen.
„Der Truck liegt in einer Tiefe vin sechs bis acht Metern, und es sieht da jetzt so gut aus wie man nur hoffen kann,“ erklärte Emil RÚV gegenüber. „Wir haben eine Menge davon gelernt und wir wollen in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit mit dem Jägerverband pflegen. Heute gibt es eine Chance von 99 Prozent, dass das gelöst wird, ohne dass ihre Sorgen sich bewahrheiten.“
Allerdings wird in Bezug auf eine Bergung erst mal nichts passieren. „Wir unternehmen nichts, bevor das Eis nicht geschmolzen ist.“

 

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