MAST hätte Guðmundas Hühner und Pferde nicht schlachten dürfen Skip to content
Photo: Guðmunda, screenshot Vísir.

MAST hätte Guðmundas Hühner und Pferde nicht schlachten dürfen

Die Entscheidung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST, im vergangenen Winter alle Tiere der Landwirtin Guðmunda Tyrfingsdóttir zu beschlagnahmen und sie unverzüglich schlachten zu lassen, ist vom Ministerium für Landwirtschaft als gesetzeswidrig eingestuft worden, berichtet Vísir. Guðmundas Anwalt sagt, seine Mandantin sei mit diesem Urteil zufrieden, obwohl ihre Tiere nie mehr zurückkommen.

Beschlagnahmung in Abwesenheit
Die 90-Jährige vom Hof Lækjartún im südisländischen Ásahreppur hatte sich im Dezember letzten Jahres die Schulter ausgerenkt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Im Anschluss an den Unfall beschlagnahmte MAST sämtliche Tiere auf dem Hof, da sich nach Einschätzung der Behörde niemand fand, der sich in Guðmundas Abwesenheit um die Tiere kümmerte.
Guðmunda ist die Überlebende von zehn Geschwistern, die jahrzehntelang alleine mit ihren Tieren auf Lækjartún gelebt hatte. Vor einigen Jahren hatte sie die Milchwirtschaft aufgegeben und ihre Kühe verkauft, behielt jedoch einige Schafe, Kälber, Hühner und ein paar Pferde.
Bekannte und Nachbarn der alten Dame hatten angegeben, ihr helfen zu wollen und die Tiere zu versorgen, seien jedoch von den Verwandten per Telefon davon abgehalten worden. Im Januar hatte Vísir berichtet, einige hilfsbereite Nachbarn seien gar vom Hof gejagt worden.
Anfang des Jahres liess MAST dann den gesamten Tierbestand, Hühner und Pferde inklusive, schlachten, weil die Bäuerin nicht zuhause war.

Kein Spielraum für derart endgültige Massnahme
Das Landwirtschaftsministerium hat nun geurteilt, dass MAST keinen rechtlichen Spielraum gehabt habe, auf diese Weise über die Tiere zu verfügen. MAST habe nach Guðmundas Einlieferung ins Krankenhaus am 22. Dezember und erneut am 2. Januar, bevor sie nach Hause zurückkehrte, Einwände zum Tierwohl auf dem Hof erhoben. In den Einwänden der Behörde ging es vor allem darum, dass es auf dem Hof Tiere gebe, um die sich niemand kümmere.
Auf Bitten von MAST habe Guðmunda Personen genannt, die sich um das Vieh kümmern sollten, doch sei nach Angaben der Behörde niemand bereit gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. Daraufhin habe man die Tiere geschlachtet.

In den behördlichen Daten finde sich jedoch keine Bestätigung dafür, dass sich die Tiere wegen Futtermangel, Unfall oder maroder Stalleinrichtung in einem dauerhaft schlechten Zustand befunden hätten. Der Zustand der Tiere – Pferde, Kälber, Schafe und Hühner – sei vielmehr gut gewesen, als die Entscheidung getroffen wurde, das Vieh zu beschlagnahmen und zu schlachten, heisst es in dem Urteil des Ministeriums. Auch sei der Zustand nicht derart gewesen, dass man die Massnahmen so schnell und final hätte treffen müssen, ohne der Klägerin Gelegenheit zu einer Äusserung oder zum Ergreifen eigener Massnahmen zu geben. Guðmunda war von der blitzschnellen Aktion von MAST im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelt worden.
Es sei daher Ansicht des Ministeriums, dass bei der Bearbeitung des Falles die Verfahrensregeln des Verwaltungsrechts und die Bestimmungen des Informationsrechts nicht beachtet wurden. Auch die Voraussetzungen des Tierschutzgesetzes, auf das man sich berufen habe, seien von der Behörde nicht eingehalten worden.

Behörde unter Kritik
Guðmundas Anwalt gab an, die alte Dame habe sich damit zufriedengegeben. Sie wolle einfach nur anerkannt haben, dass die Aktion mit Gewalt durchgeführt worden sei. Die Tiere seien ihr Ein und Alles gewesen. Einst hatte Guðmunda 18 Kühe gehalten und zu den Höfen mit dem höchsten Milchertrag im ganzen Land gehört.

Im vergangenen Jahr war MAST mehrfach in die Kritik geraten, nachdem bei Tierhaltern im Westen des Landes über Jahre tierschutzwidrige Zustände dokumentiert wurden, ohne dass von Behördenseite etwas passierte. Privatpersonen hatten sich für die hungernden Pferde und Rinder starkgemacht und sogar Pflegeplätze organisiert, doch erst geschah monatelang nichts, der Zustand der Tiere verschlechterte sich, dann hatte MAST in einer Blitzaktion 13 Pferde beschlagnahmt und schlachten lassen, obwohl das Tierschutzgesetz den Spielraum erlaubt hätte, diese Tiere in Pflege zu geben oder zu verkaufen.

 

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