Marzibil auf Dalatangi: Seit 15. Dezember von der Aussenwelt abgeschnitten Skip to content
Photo: Dalatangi, screenshot Vísir.

Marzibil auf Dalatangi: Seit 15. Dezember von der Aussenwelt abgeschnitten

Zwei Frauen, die den östlichsten und abgelegensten Hof in Island betreiben, haben am Montag die ersten Lebensmittelvorräte seit Mitte Dezember erhalten, berichtet Vísir.
Der Hof Dalatangi liegt auf der Landspitze zwischen Seyðisfjörður und dem Mjóifjörður, dort leben Marzibil Erlendsdóttir und ihre Tochter Aðalheiður Elfríð Heiðarsdóttir mit ihren Schafen, Bordercollies und Pferden. Im Winterhalbjahr ist der Hof vom Land aus nicht zugänglich.  Die beiden Frauen sind daher einiges gewohnt, aber so langsam leerten sich die Schränke, denn zuletzt hatten sie Mitte Dezember einkaufen können.

“Das war so ein bisschen eintönig geworden, es gab natürlich keine Milch mehr, keine Sahne, keine Milchprodukte, weil wir keine Kühe mehr haben. Vorher war das kein Problem gewesen. Kein Obst mehr und sowas, und dies und das wurde weniger, aber wir überleben das, wir haben genug zu essen,” versichert Marzibil.
Trotzdem waren sie sichtlich froh über das Boot mit den Säcken voller Lebensmittel. In der Regel bestellen die beiden ihre Vorräte nämlich telefonisch im Nordfjörður, geliefert wird dann per Gummiboot an den Strand, denn in Dalatangi gibt es keine Anlegestelle.

“Wir hatten im Herbst so richtig gut eingekauft,” meint die Bäuerin, “wir waren in Egilsstaðir, und wir haben Milch auch eingefroren, aber nicht genug.” Hinzu kam, dass ein 19-jähriger Verwandter aus den USA den Winter über zu Besuch ist, der ordentlich Appetit an den Tag legt. Da habe man sich mit dem Mehrbedarf ein bisschen verrechnet. Und seit November seien die Wetterbedingungen dann viel schlechter gewesen als erwartet.

Wetterstation und Leuchtturmwächterin
Mutter und Tochter betreiben unter anderem eine wichtige Wetterstation für die isländische Wetterbehörde. Dazu gehören nicht nur Messungen zu Temperatur und Windstärke, sondern auch Sichtweite, Wellenhöhe und ähnliche Daten für Seefahrt und Flugbetrieb. Ermittelt werden die Daten Tag und Nacht, und die beiden Frauen wechseln sich ab. Ausserdem ist Marzibil Wächterin des orangefarbenen Leuchtturms und sorgt dafür, dass das Licht stets funktioniert.

Marzibil war im Jahr 1968 mit ihren Eltern und sechs Geschwistern nach Dalatangi gezogen und lebt seither dort. Inzwischen hat sie den Hof mit allen Gebäuden erworben, zuvor war er im Staatsbesitz gewesen. Kühe gibt es keine mehr, aber Mutter und Tocher betreiben Schafzucht, züchten Bordercollies und Pferde. Und wollen bis ans Ende ihrer Tage auf Dalatangi bleiben, soviel stehe fest, sagen beide. Auch wenn es im Mjóifjörður inzwischen leer geworden ist, weil die Leute weggezogen sind – seit das Glasfaserkabel nach Dalatangi verlegt wurde, ist es auch kein Problem mehr, mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben.
Wetter und Abgeschiedenheit seien ihr egal, meint Marzibil. Für sie sei es ein Privileg, an so einem Ort leben zu dürfen. Man bekomme nicht alles geschenkt, man müsse sich alles erarbeiten. Und dann freue man sich auch richtig darauf, etwas zu bekommen. Milch in den Kaffee, zum Beispiel.

 

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