Landwirt bietet Gratis-Schulung für Minischlachthaus an Skip to content

Landwirt bietet Gratis-Schulung für Minischlachthaus an

By Dagmar Trodler

Photo: Dagmar Trodler.

Nur drei landwirtschaftliche Betriebe in Island haben eine Betriebsgenehmigung für ein sogenanntes Minischlachthaus. Die Genehmigungen waren im vergangenen Jahr zum ersten Mal vergeben worden. Der Landwirt einer dieser drei Betriebe bietet seinen Berufskollegen nun Gratisschulungen an, um ihnen zu helfen, solche Einrichtungen auf dem eigenen Hof aufzubauen.
Von einem Minischlachthaus spricht man, wenn ein Landwirt im eigenen Betrieb unter Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen selbst schlachtet, anstatt das Vieh auf die weite Reise zum nächsten Schlachthof zu schicken. In Island gibt es nur noch vier grosse Schlachthöfe, und oft müssen die Tiere mehr als 400 Kilometer und viele Stunden auf dem Transporter stehen, bevor sie den Schlachthof erreichen.
Eine Gruppe von engagierten Landwirten hatte es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, genau dies zu ändern.

Gratis-Schulung für Berufskollegen
Das Landwirtspaar Þröstur Heiðar Erlingsson und Ragnheiður Erla Brynjólfsdóttir auf Birkihlíð im Skagafjörður hatten im vergangenen Jahr um eine Betriebsgenehmigung für ein Minischlachthaus ersucht. Jetzt möchten sie ihr Wissen an die Berufskollegen weitergeben, berichtet RÚV.
“Wir haben angefangen, anderen Bauern zu helfen, damit die das Rad nicht selbst neu erfinden müssen. Wir verfügen jetzt natürlich über Erfahrung, wir haben daheim geschlachtet und das ganze durchlaufen. Wir möchten dieses Wissen und die Informationen jetzt weitergeben,” erklärt Þröstur. Für dieses Projekt gab es ein Stipendium vom Marketingfonds für Schafzuchterzeugnisse, und es soll digital angeboten werden, weil natürlich kaum ein Landwirt Zeit hat, quer durchs Land zu Schulungen zu fahren.

Þröstur sagt, die Hausschlachtung bringe mehrere Vorteile. Einer davon liege im verbesserten Tierwohl, denn die Tiere müsste nicht mehr lange Wege zur Schlachtbank fahren und vorher in unbekannten Gebäuden ausharren. Ein weiterer Vorteil liege darin, dass die Bauern mehr für ihr Erzeugnis verlangen könnten. “Auf jeden Fall mal hast du eine Kette von Werten bei dir zuhause und das ist eigentlich der einzige Weg, wie man daraus Profit ziehen kann,” meint der Schafzüchter.

Mehr als nur Fleisch in der Truhe
Zusätzlich erhalte man die Eingeweide, den Kopf und das abgezogene Fell, alles Rohstoffe, die auch heute noch genutzt werden, und die das Grossschlachthaus als Teil der Transportkosten einbehält. In Island werden Schafsköpfe für das Winterfest Þorrablót geräuchert, und ein grosser Teil der Eingeweide wird ebenfalls verzehrt, wie etwa Herz und Niere. Leber und Lunge verarbeitet man zu Blutwurst und slátur. Aus dem Magen wird in der traditionellen Küche ein Beutel zur Aufbewahrung und Zubereitung von slátur genäht, Teile des Darms nutzt die Hausfrau für die Wurstherstellung. Und alles was nicht auf den Tisch kommt, wird für die Hunde eingefroren. Während die grossen Schlachthöfe sämtliche Schaffelle zum Gerben ins Ausland verkaufen, haben sich in den vergangenen Jahren im Inland immer mehr Handwerksfrauen dem Gerben zuhause zugewandt und verkaufen die handgegerbten Felle in lokalen Märkten.
Þröstur meint, die Hausschlachtung verlaufe mit mehr Ruhe und sorgfältiger. In den grossen Schlachthäusern ist nur einmal im Jahr Saison, dann werden auf Hochtouren mehr als 100.000 Lämmer in zwei Monaten geschlachtet, verarbeitet und auf den Markt geworfen, und niemand habe Zeit für Sonderleistungen.

Kritische Kunden verlangen Klarheit
Im Marktverhalten des Kunden sei jedoch Veränderung zu verzeichnen, so Þröstur. Verbraucher wollten heute genau wissen, woher eine Ware stamme. Selbst Grossmärkte zeigten daher inzwischen Interesse, statt beim Schlachthaus lieber direkt ab Hof zu kaufen, um dem Kunden solche Ware anbieten zu können. In Island wird sie als “beint frá býli” (ab Hof) vermarktet, und auf vielen Höfe findet man im Sommer eine Flagge mit dem entsprechenden Logo.
“Ich glaube, das ist die Zukunft,” meint Þröstur Erlingsson von Birkihlíð.

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