Jahresbericht zu Blutstuten: aus 4.141 Stuten auf 90 Höfen wurde Blut gewonnen Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Jahresbericht zu Blutstuten: aus 4.141 Stuten auf 90 Höfen wurde Blut gewonnen

In diesem Sommer ist aus 4.141 Stuten Blut für die Herstellung des PMSG-Hormons gewonnen worden, die Gesamtzahl der Blutstuten in Island beträgt 4.779. Auf den 90 Höfen ist 24.000 Mal Blut gewonnen worden. Im vergangenen Jahr waren es noch 120 Höfe gewesen, zitiert Vísir Daten aus einer Übersicht zum Betrieb des Pharmaunternehmens Ísteka im Jahr 2022.

“Züchterischer Fortschritt” bei Stuten, die öfter Blut geben
Dem Bericht zufolge wurde aus den Stuten zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober Blut gewonnen. Bei „mittelguten“ Stuten wurde 5,8 Mal Blut entnommen, 20 Prozent der Stuten wurden acht Mal herangezogen, 31 Prozent mussten siebenmal zur Blutgewinnung.
Die Zahl der Stuten, die sieben oder achtmal Blut „geben“, steigt an, in den Jahren 2017 bis 2021 lag sie bei 45,7 Prozent, im Jahr 2022 lag der Anteil trotz des Rückgangs von Blutpferden und Höfen bei 51 Prozent. Das Unternehmen bezeichnet dies als Hinweis auf züchterischen Fortschritt in den Herden der Blutfarmer.

Die Gesamtblutmenge, die im Jahr 2022 gewonnen wurde, lag um ein Viertel niedriger als noch im Jahr 2021, unter anderem weil die Zahl der Produktionsstätten gesunken ist. “Das Unternehmen geht davon aus, dass dies in erster Linie auf die Auswirkungen der unehrlich aufbereiteten und zusammengesetzten Videofragmente der AWF zurückzuführen ist, die viral verbreitet und u.a. im Fernsehen gezeigt wurden, welche den Bauern zusammen mit dem Stress das Gefühl von gesellschaftlicher Ausgrenzung gaben. Leider ist es der Organisation gelungen, viele Menschen und Organisationen mit leeren Behauptungen davon zu überzeugen, dass sie sich auf die Branche als Ganzes beziehen. Der Grund für den Rückgang wird auch auf die schwierige Personallage bei den Tierärzten zurückgeführt, aber die Flexibilität anderer Tierärzte sowie der Einsatz ausländischer Tierärzte verhinderten, dass im Berichtszeitraum mehr Schaden entstand als erwartet“, heisst es in dem Bericht der Ísteka.
Für einen Liter Blut aus einer „mittelguten Produktionsstute“ erhält der Blutfarmer in diesem Jahr 95.000 Kronen, statt wie bisher 70.000 Kronen.

Mehr Kontrollen, 391 dokumentierte Vorfälle
Der aufsichtsführende Tierarzt der Ísteka hat in dieser Saison 90 Prozent aller Blutfarmen aufgesucht, ausserdem waren Aufsichtspersonen der ausländischen Aufkäufer ins Land gereist, um die Höfe zu besuchen. Zudem legte Ísteka Wert darauf, dass die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST sämtliche Blutfarmen während der Blutgewinnungssaison aufsuchte.

In diesem Jahr wurden zum ersten Mal seit Beginn der Blutgewinnung vor 40 Jahren sämtliche Vorkommnisse rund um die Blutgewinnung dokumentiert. Insgesamt gab es 391 Auffälligkeiten. Die meisten betrafen Angst und Stress bei den Blutstuten. Der grösste Teil der Tiere habe sich, so der Report, im Zwangsstand wieder beruhigt. Wiederholte Auffälligkeiten wurden bei 41 Stuten dokumentiert.
Unfälle ereigneten sich bei fünf Stuten und einem Fohlen. Sieben Stuten kamen im Zusammenhang mit der Blutgewinnung ums Leben.

Keine Hunde mehr beim Bluttermin
In der Dokumentierung finden sich Vísir zufolge auch Vorfälle, die als “Gewaltanwendung” bezeichnet werden und immer noch zu zahlreich sind. Nach Ansicht der Ísteka sei es sehr wichtig, dass alle, die an der Blutproduktion beteiligt sind, nicht die Sicht auf ihre Arbeit verlören und “das Hauptgewicht auf Wohlergehen und Feingefühl im Umgang mit ihren Stuten legen. Das gilt natürlich für jede kommerzielle Tierhaltung,” heisst es in dem Report.
Die Anweisung des Unternehmens, Hunde während der Blutgewinnung vom Gelände zu entfernen, wurde in den meisten Fällen befolgt. Ein Hund war vor Ort geblieben, und sein Herumgerenne und Gebelle hatte negative Auswirkungen auf die Pferde. Das Unternehmen besteht auch weiter darauf, dass die Blutgewinnung nicht stattfinden kann, solange ein Hund anwesend ist.

Weiter heisst es in der Übersicht, dass man Vertreter der Tierschutzorganisation AWF und des deutschen Fernsehens in der Nähe von 15 Höfen gesehen habe. Die Gruppe habe sich angeblich unhöflich und unverschämt aufgeführt. Das Verhalten sei bedrohlich gewesen, offenbar mit dem Ziel, so die Ísteka, die Reaktionen der Bauern filmisch festzuhalten. Man erwarte, das die Inhalte in den kommenden Monaten veröffentlicht würden.

Nach Veröffentlichung eines Videos des AWF im vergangenen Winter, wo Tierquälereien im Zusammenhang mit der Blutgewinnung filmisch festgehalten worden waren, waren die Branche selbst, sowie die für die Tierschutzkontrolle verantwortliche Behörde MAST in die öffentliche Kritik geraten. Landwirtschaftsministerin Svandís Svavarsdóttir setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, die den wirtschaftlichen Nutzen und Tierschutzaspekte der Industrie prüfen sollte. Sie kam Ende Juni zu dem Ergebnis, dass man die Praktik weiter befristet erlaube, jedoch unter strengen Auflagen, die sowohl für die Blutfarmen als auch für das Aufsichtspersonal von MAST galten.

Das Blut der Stuten wird für die Produktion des Hormons PMSG benutzt, welches in Europa zur Zyklussteuerung bei Schweinen und kleinen Ruminanten zum Einsatz kommt. PSMG ist nur im Blut tragender Stuten vorhanden. Ausländische Tierärzte haben ausgerechnet, dass jede Stute ihr gesamtes Blutvolumen (rund 40 Liter) einmal pro Sommer durch Entnahme verliert und neu bilden muss, während sie tragend ist und ein Saugfohlen bei Fuss hat.  Die Fohlen der Blutstuten werden im Alter von drei Monaten abgesetzt und in der Regel geschlachtet, manche werden auch lebend verkauft.
Mehr zum Thema gibt es hier.

 

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