Ísteka: Vorwürfe von Blutfarmer aus der Luft gegriffen Skip to content

Ísteka: Vorwürfe von Blutfarmer aus der Luft gegriffen

Der Geschäftsführer des Pharmaunternehmens Ísteka, Arnþór Guðlaugsson, wundert sich über die Anschuldigungen der Blutfarmerin Sigríður Jónsdóttir, die diese im gerade erschienenen Bændablaðið geäussert hatte. Diese Vorwürfe seien vollkommen aus der Luft gegriffen und reines Gejammer.
Sigríður hatte angekündigt, die Blutstutenhaltung aufzugeben, weil die Preise für den Liter Blut die Haltungskosten der Stuten kaum decken würden und der Bauer so gut wie leer ausgehe. Zuvor habe er aber, wie Sigríður sich ausdrückte, seine Ehre verloren. Sie hatte der Ísteka brutales Vorgehen bei den Vertragsverhandlungen vorgeworfen und Unregelmässigkeiten in der Betriebsführung gemutmasst. Vor allem letzteres sei vollkommen aus der Luft gegriffen, sagte Arnþór Vísir gegenüber.

Blutfarming eigne sich nicht für jeden
In Bezug auf die Preise für das Blut, die Sigríður als viel zu niedrig bezeichnete, sei Arnþór zufolge in den letzten Jahren der Preis für diese Produkte stetig gestiegen, und sogar mehr als andere Produkte, wenn man Warenwert und Preisindex hinzuziehe.
“Ausserdem muss jeder Bauer bei sich mal nachrechnen, wie das mit dem jeweiligen Betrieb zusammenpasst, und das eignet sich nicht für alle. Es liegt auf der Hand, dass die das selbst beurteilen müssen. Die Preistabelle liegt vor, und die Preise sind gestiegen. Im Winter haben wir dieses Bezahlsystem überprüft und geändert, jetzt gehen wir davon aus, dass die Schwankungen bei den Einnahmen weniger werden und die Einnahmen insgesamt steigen.” Arnþór zufolge erhalte jeder Blutfarmer bis zu einem Viertel mehr, oder zwischen 11 und 40 Prozent.
Die Blutfarmer hatten im Winter unter anderem kritisiert, dass jeder Liter Blut gleich bezahlt wird, ungeachtet dessen, wie hoch der Hormonwert im Blut der jeweiligen Stute ausfällt, sodass ein Bauer für Stuten mit hohem Hormongehalt nicht mehr Geld erhalte als für einen Durchschnittswert. Ausserdem erhalte er keine Labordetails und wisse daher nicht, welche Stute besonders “wertvoll” ist.

Gegenwind macht Ísteka zu schaffen
Auf die Vorwürfe, dass der Literpreis kaum das Futter der Stuten decke, antwortet der Ísteka-Chef mit den 40 Jahren Erfahrung seines Unternehmens und dass man mit mehr als 100 Höfen Geschäfte mache.
Der Ökonom Ólafur Róbert Hrafnsson hatte im Februar eine Kostenaufstellung für die Haltung eines Pferdes veröffentlicht, in der er Zahlen des nationalen Zuchtbüros RML verwendete. Demnach kostet ein Pferd fast genauso viel wie das Blut einbringt. Hinzu kommen Kosten für Tierarzt und Hufschmied.
Die Berichterstattung isländischer Medien über die Blutstutenhaltung mache der Ísteka zu schaffen, gibt Arnþór unumwunden zu. Der Winter sei schwer gewesen, und ein Ende nehme der Gegenwind nicht.

ESA liegt Klage von Tierschützern vor
Und einfacher wird es nicht für das Pharmaunternehmen, denn heute erschien im britischen The Guardian ein langer Artikel über das Thema, wonach Europa Druck auf Island ausübe, das Blutfarming zu verbieten.
Auch von rechtlicher Seite kommt jetzt Druck: Ende März hatten 17 europäische Tierschutzverbände bei der ESA Klage eingereicht. Demnach verstosse die Blutgewinnung aus tragenden Stuten gegen Bestimmungen des europäischen Wirtschaftsraumes zum Schutz von Tieren, die für Versuche benutzt werden. In der Bestimmung heisst es, dass Tiere nicht für Versuche benutzt werden dürfen, wenn es andere Methoden gibt, bei denen keine lebenden Tiere benutzt werden. In Bezug auf das Stutenhormon ist bekannt, dass es künstlich hergestellte Alternativpräparate gibt, die eine vergleichbare Wirkung wie das Hormon aus dem Blut tragender Stuten haben.
Nach dem Artikel befragt, sagt Arnþór, das meiste habe sein Unternehmen ja bereits beantwortet. Hingegen sei es korrekt, dass es keine allgemeinen internationalen Bestimmungen zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten gebe. Hierzulande verfahre man nach isländischen Regeln in Übereinstimmung mit den Behörden. Die Erfahrung der letzten Jahre habe gezeigt, dass die Stuten, denen Blut entsprechend der Bestimmungen entnommen werde, genauso gesund seien wie Stuten, aus denen kein Blut gewonnen wird.
Der Guardian zitiert die in Nordisland ansässige Tierärztin Ingunn Reynisdóttir, derzufolge viel zuviel Blut entnommen werde, sodass die Stuten danach zitterten und kaum laufen könnten.

Verwendung von Stutenhormon verbessert Tierschutz
Arnþór argumentiert, die Veterinäraufsichtsbehörde MAST habe das Verfahren abgesegnet und kontrolliere Pferde und Blutgewinnungsbetriebe seit Jahren. Die Kontrolle der Blutgewinnung am Blutgewinnungstag obliegt den unternehmenseigenen Tierärzten, ohne Beteiligung der MAST-Inspekteure. Die Videoclips waren jeweils an den Blutentnahmetagen aufgenommen worden.
Sein Unternehmen sei über die Videoaufnahmen entsetzt gewesen und habe in der Folge Verträge mit einzelnen Bauern beendet. Man tue alles, um Tierquälereien zu vermeiden. Das gesamte Verfahren stehe auf dem Prüfstand, und man nehme auch die menschliche Beteiligung unter die Lupe.

Seiner Ansicht nach verbessere die Nutzung des Stutenhormons eCG den Tierschutz in den Zuchtbetrieben, die das Präparat verwenden und verringere den ökologischen Fussabdruck.
“Ein Verzicht darauf hätte unserer Meinung nach schlimme Folgen, nicht nur für die gesunden Pferde, aus denen das Blut hierzulande stammt, sondern auch für Millionen von Tieren im Ausland,“ sagte Arnþór Guðlaugsson, der Geschäftsführer der Ísteka ehf.
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