Islands Tourguides fallen durchs soziale Netz Skip to content
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Photo: Landmannalaugar.

Islands Tourguides fallen durchs soziale Netz

Durch die COVID-19 Krise sind in ganz Island wirtschaftliche Probleme für Beschäftigte entstanden, dabei gehen Unterstützungsmassnahmen nicht weit genug für Leute, die ausserhalb des traditionellen Lohn- und Gehaltssystems stehen. Vor allem Freiberufler und Zeitarbeiter sind betroffen, berichtet RÚV. Finanziminister Bjarni Benediktsson sagte, neue Massnahmen sollen genau diese Arbeitnehmer nun unterstützen.

“Wir verlangen nicht, dass solche Leute sich beim Arbeitsamt arbeitslos melden,” sagte Bjarni. Es könne oft viel schwieriger für Freiberufler und Zeitarbeiter sein, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Bjarni bezeichnete den Freelancer- und Zeitarbeitersektor in Island als wichtig und breit gefächert. “Und wir wollen [diese Leute] in dieser Zeit unterstützen.”
Vor allem Reiseführer wurden von der COVID-19 Krise besonders hart getroffen. Wie Pétur Gauti Valgeirsson, der Vorsitzende der isländischen Reiseleitergewerkschaft, RÚV gegenüber sagte, seien fast alle Reiseleiter in Island zur Zeit ohne Job, und die meisten von ihnen fallen durch das Netz der Hilfsmassnahmen der Regierung. Etwa 1000 haben Gewerkschaftsbeiträge eingezahlt, und eine noch grössere Zahl war vor der Krise in Vollzeitbeschäftigung gewesen.

“Das ist eine erste Lage für viele Leute,” sagte Pétur Gauti. Tourguides haben üblicherweise Zeitverträge mit Reiseunternehmen und sind nicht fest angestellt. Aber sie zahlten Steuern wie Angestellte, so Pétur, und hätten die Erwartung, dass Arbeitslosengeld auch für sie zur Verfügung stehe, wie für jeden anderen auch in diesen Zeiten. Weil jedoch die Reiseleiterverträge immer nur für eine kurze Zeit geschlossen werden, müssen Reiseunternehmen keine Kündigungsklauseln einfügen, es gibt auch keine Kurzarbeitsvereinbarungen oder eben Arbeitslosengeld.

Oft arbeiten Reiseleiter tourgebunden für mehrere Unternehmen gleichzeitig, erklärt Pétur Gauti, und das Arbeitslosengeld berechnet sich nach Gehalt und Arbeitsstundenzahl in den vergangenen sechs Monaten. Das versetzt den Reiseleiter zur Zeit in eine sehr schlechte Lage, weil es während der Weihnachtszeit grundsätzlich sehr wenig zu tun gibt.
Der Januar ist normalerweise wieder ein guter Monat, weil viele Chinesen dann die Insel besuchen. In diesem Jahr war dies jedoch nicht der Fall, auch die Monate Februar und März waren sehr ruhig.
Damit steht vielen Reiseleitern nur 10.000 bis 20.000 ISK (64 bis 128 EUR) Arbeitslosengeld pro Monat zu.

Pétur Gauti hält es für sinnvoller, die Arbeitslosengelder für Reiseleiter nach Arbeitsstunden und Honoraren aus dem letzten Jahr zu berechnen.
Die prekäre finanzielle Situation der Reiseleiter sei dem Gewerkschaftsdachverband, dem Arbeitsamt und auch der Regierung dargelegt worden, er wisse jedoch nicht, ob es Lösungsansätze gebe. Der gesetzliche Rahmen lasse derzeit nicht viel mehr zu.

“Das System ist kompliziert und schwerfällig, und wir passen da nicht rein,” meint Pétur Gauti. “Wenn es ein soziales Netz geben sollte, dann ist das nicht dicht genug gewoben worden, um die Reiseleiter aufzufangen.”

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