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Photo: Golli.

Isländischer Konjunktiv vom Aussterben bedroht

Dem isländischen Konjunktiv geht es gar nicht gut. Ihm geht es sogar so schlecht, dass er noch in diesem Jahrhundert von der sprachlichen Bildfläche verschwinden könnte. Die Lese- und TV Gewohnheiten isländischer Kinder in Bezug auf englischsprachiges Material könnten diesen Prozess noch beschleunigen, berichtet Vísir.
Zu diesem Ergebnis kommt eins der grössten isländischen Sprachforschungsprojekte der vergangenen Jahre, das 2016 mit einem Ehrenstipendium angestossen worden war. Die Sprachwissenschaftler Sigríður Sigurjónsdóttir und Eiríkur Rögnvaldsson untersuchten unter anderem die Auswirkung von Computerenglisch auf die Muttersprache.

Der Konjunktiv ist in den meisten Sprachen bereits Geschichte, aber im Deutschen und Isländischen hat sich das Verbmodus noch erhalten – im Deutschen in der indirekten Rede und in Konditionalsätzen, im Isländischen folgt die Verbform Ausdrücken von Wunsch, Zweifel, Ansicht, Bedingung oder Unwahrscheinlichkeit.

Digitalwelt ohne Konjunktiv
Bei Versuchsreihen wurden Kindern Sätze vorgelegt, aus denen sie die für sie plausible Möglichkeit wählen sollten. Sehr viele Kinder wählten die Formulierung ohne Konjunktiv.
“Dabei kam heraus, dass das verbreitete digitale Englisch im sprachlichen Umfeld drei- bis zwölfjähriger Kinder statistisch mit dem unüblichen Gebrauch des Konjunktiv im Isländischen zusammenhängt,” erklärte Sigríður Sigurjónsdóttir. Da gebe es also einen direkten Zusammenhang zwischen dem Lesen und Anschauen von englischsprachigem Material, wie TV-Sendungen und Computerspiele, und der Unkenntnis der normalen Konjunktivregeln.
Der Studie nach wird es mit jeder Stunde, die ein Kind pro Tag mit englischsprachigem Material verbringt, um 6 bis 11 Prozent wahrscheinlicher, dass das Kind Schwierigkeiten hat, den Konjunktiv zu benutzen.
Dass der Konjunktiv einen schlechten Stand in der Alltagssprache hat, weiss man schon lange, und nicht erst seit dem digitalen Zeitalter. Die Studienergebnisse zeigen aber nun, dass die englische Sprache diesen Prozess noch beschleunigt hat.
Sigríður glaubt, dass Kinder, die sich viel in digitalen Welten aufhalten, nicht genug sprachlichen Anreiz erhalten, um den Konjunktiv in ihren Sprachschatz zu integrieren.

Ist er einmal verschwunden, wird der Konjunktiv vermisst
So ist es durchaus denkbar, dass der Konjunktiv einfach ausstirbt und das gleiche Schicksal erlebt wie in verwandten Sprachen, etwa dem Färöischen.
Im Englischen – der Digitalsprache überhaupt – wird der Verbmodus so gut wie nie angewendet, obwohl das durchaus möglich wäre.
Die Professorin vermisst den Konjunktiv aber schon ein bisschen. “Wir sind natürlich immer konservativ, und wir wollen, dass sich die Sprache nicht verändert. Wir wollen, dass sie so bleibt wie wir sie als Kinder gelernt haben. Aber nein, natürlich können wir weiter isländisch sprechen, selbst wenn der Konjunktiv verschwinden würde. Aber natürlich werden wir ihn vermissen. Ich habe ihn immer zelebriert,” meint Sigríður Sigurjonsdóttir.

 

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