Isländische Handschrift aus dem Jahr 1693 in Kanada aufgetaucht Skip to content

Isländische Handschrift aus dem Jahr 1693 in Kanada aufgetaucht

Eine isländische Handschrift aus dem Jahr 1693 ist bei einem Umzug im kanadischen Ontario gefunden worden. Die Schrift trägt den langatmigen Titel „Eine deutliche und klare Darstellung der Geschichte des Leidens und Todes unseres Herrn Jesus Christus in acht Beiträgen. Dem ewigen Gott zu Lob und Ehre.“

Anfrage aus Kanada
Das Gebetbuch habe sich die ganze Zeit in dem Haus befunden, und zwar in den Kisten des Vorbesitzers, sagt Gabrielle Dee, deren Mann einer Freundin beim Umzug geholfen hatte, berichtet mbl.is. Gabrielle fotografierte die Titelseite und schickte sie an einige Bekannte, darunter befand sich einer, dessen Sohn in Island studiert hatte und die Sprache identifizieren konnte. Über die Universität in Manitoba gelangte Gabrielle schliesslich an Karen Loftsdóttir, die gerade ihre Doktorarbeit in Geschichte an der Queens Universität in Kingston schrieb. Zuvor hatte Karen Geschichte an der Universität Islands studiert. Und zufällig ist sie Fachfrau für die Beteiligung der kanadischen Arme an der Besatzung Islands im zweiten Weltkrieg. Damit war sie für das isländische Árni Magnússon Institut für Handschriften vertrauenswürdig genug, um das Gebetbuch entgegenzunehmen. Den Transport nach Island wollen ihre Eltern übernehmen, die ihre Tochter besuchten.

Auswandererlektüre
Bei einer Recherche des Árni Magnússon Institutes stellte sich heraus, dass das Buch in der Nationalbibliothek verzeichnet war und aber als verloren galt.  Nach allem was bekannt ist, dürfte es sich bei dem Buch um das einzige Exemplar handeln. Der Chefbibliothekar der isländischen Nationalbibliothek, Örn Hrafnkelsson, fand heraus, dass es einst einem Jóhannes Jónsson auf dem Hof Fjós in der Dalasýsla gehört hatte, der es bei seiner Auswanderung nach Kanada mitgenommen hatte. Jóhannes verstarb im Jahr 1900 in Winnipeg.  Örn hatte eine Untersuchung zum isländischen Buchbestand des Jahres 1865 unternommen, und in einer dieser Listen hatte sich das Buch auf dem Hof Fjós in der Dalasýsla gefunden – seinerzeit in den Kisten des Jóhannes mit ausgewandert, und nun zurückgekehrt.

Original oder Abschrift?
Örn ist sehr gespannt darauf, das Buch in die Hände zu bekommen, noch weiss nämlich niemand, ob es sich um ein Originalmanuskript aus dem Jahr 1693 handelt, oder um eine später angefertigte Abschrift.
Aus dem 17. Jahrhundert sind nicht viele Handschriften erhalten, von daher sei es ausgesprochen bemerkenswert, dass eine von ihnen Ende des 19. Jh nach Kanada mitgenommen, dort offenbar mehrfach umgezogen wurde und nun wieder nach Island reist, ohne in all der Zeit im Müll gelandet zu sein.

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