Grosse Mengen an Beruhigungsmittel im Abwasser gefunden Skip to content

Grosse Mengen an Beruhigungsmittel im Abwasser gefunden

Eine grosse Menge eines ungewöhnlichen Beruhigungsmittels ist in der isländischem Kanalisation gefunden worden, berichtet RÚV. Die Suche nach Medikamenten war Teil einer Forschungsarbeit der Universität Islands in Zusammenarbeit mit einer australischen Forschungsanstalt. An jedem einzelnen Probentag, so RÚV, sei die Chemikalie Etizolam in hoher Konzentration gefunden worden, und zwar weitaus höher als in anderen Ländern. Für die Studie waren um den Jahreswechsel 14 Länder, die meisten davon in Europa, und 35 Kläranlagen ausgewählt und beprobt worden.

Etizolam ist ein Benzodiazepin-Analogon und ähnelt dem gegen Angstzustände und Schlafstörungen eingesetzten Alprazolam. In Deutschland ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Etizolam hat eine bis zu zehnfach stärkere Wirkung als Valium. Andes als Alprazolam wird Etizolam in einigen Ländern jedoch als Forschungschemikalie vertrieben, die an der Verschreibungspflicht vorbei den Weg in die illegale Herstellung von zB Xanax-Riegeln gefunden hat und auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird.

Bislang nur nach Rauschgift im Abwasser gesucht
Bei älteren Messungen habe man von Etizolam eher wenig gesehen, man habe jedoch begonnen, auffällige Proben zu markieren, erklärt Kristín Ólafsdóttir, Pharmakologin und Leiterin der Forschungsanstalt an der Universität. Als man zum Jahreswechsel im Rahmen der Studie Proben entnahm, lag die Konzentration des Medikaments um vieles höher, was recht überraschend kam.
Seit dem Jahr 2016 habe man im Abwasser nur nach Rauschgiften wie Cannabis und Amphetamin gesucht.
„Aber dieses neue, künstliche Medikament haben wir bislang nicht gefunden und auch nicht damit gerechet, dass es in messbarer Menge auftaucht, weil es so wenig genutzt wird, sodass wir gar nicht versucht haben, es zu messen.“
Der Fund schlug dann gleich ein wie der Blitz, denn nicht nur fand man grosse Mengen an Etizolam, sondern mit die höchsten Mengen in der gesamten Studie. Endergebnisse liegen noch nicht vor.

In Grossbritannien hatten sich die Behörden besorgt darüber gezeigt, wie häufig Etizolam eingenommen wird und auch davor gewarnt. Nicht zuletzt, weil es oft in illegalen Labors hergestellt wird. Für Schottland, so Kristín, gebe es Zahlen, nach denen Etizolam an 59 Prozent der Todesfälle beteiligt war, also in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten seine Wirkung als Gift entfaltet.
„Wir machen uns Sorgen, dass die Leute nicht wissen, was sie da einnehmen, das ist natürlich in hoher Dosis giftig und macht bei Langzeiteinnahme auch süchtig.“ erklärt Kristín.

Ungeklärtes Abwasserproblem
Isländische Kläranlagen hatten erst kürzlich im Fokus gestanden, als sich herausstellte, dass der Anteil ungeklärten Abwassers in Island mit der höchste in allen OECD-Staaten ist. Einer aktuellen Studie der Umweltagentur ist zu entnehmen dass im Jahr 2020 die Abwässer von mindestens 49.000 Einwohnern ungeklärt in Meer und Flüsse eingeleitet werden, darunter in Orten wie Ísafjörður, Sauðárkrókur, Húsavík, auf den Westmännerinseln, Selfoss, Grindavík und Keflavík.
In Reykjavík, Akureyri, Akranes, Borganes und Njarðvik findet eine grobe Reinigung statt, eine zweistufige Klärung wurde vor zwei Jahren in keinem Ort der Insel betrieben. Trotz Absichtserklärungen habe sich, so die Studie, seit 2014 in Sachen Kläranlagen nicht viel getan.

 

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